Neustadt Die weibliche Stimme Persiens

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Neustadt. Der aus Exil-Iranerinnen bestehende Frauenchor „Banu“ mit seiner Begründerin und Leiterin Maryam Akhondy gestaltet am kommenden Samstag das zweite Konzert der neuen Reihe „Stimmen der Welt“ in der Neustadter Stiftskirche. Die Gruppe verspricht einen interessanten Querschnitt persischen Frauengesangs, der in ihrem Heimatland seit der islamischen Revolution nicht mehr öffentlich aufgeführt werden darf.

Zu hören sind Lieder aus dem Gebiet des heutigen Irans, aber auch aus kulturell von dort beeinflussten Nachbarländern, sowie auch solche anderer Völker, die zum persischen Vielvölkerstaat gehören und gehörten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Gesänge der Frauen, wie sie vor Ort seit Jahrhunderten gepflegt werden. Dabei singen die Frauen traditionell unter Ausschluss der Öffentlichkeit, Männer durften früher und auch heute seit der Machtübernahme der Ayatollahs wieder aus angeblich religiösen Gründen diesem Gesang nicht zuhören, Frauen sich nicht in gemischtgeschlechtlicher Gesellschaft präsentieren. Für Chorleiterin Akhondy, die all diese Weisen, Lieder von harter Arbeit, fröhlichen Hochzeitsfeiern, Wiegenlieder und Trauergesänge, gesammelt und für mehrstimmige Besetzung umgearbeitet hat, ist das Projekt deshalb auch ein Mittel, den unterdrückten Frauen der muslimischen Welt eine Stimme zu geben. Die heute in Köln lebende Sängerin, Jahrgang 1957, gewann – in der kulturell liberalen Ära vor der Revolution von 1979 – schon als Schülerin ihre ersten Gesangswettbewerbe. Sie studierte Gesang und Theaterwissenschaft an der Akademie in Teheran, nahm Unterricht bei bedeutenden Lehrern des persischen Gesangs, hatte Auftritte in Radio- und Fernsehproduktionen. Nach der islamischen Revolution wurden öffentliche Auftritte von professionellen Sängerinnen dann aber rasch verboten. So wanderte Akhondy nach Deutschland aus, scharte musikbegeisterte Exil-Iraner um sich, gründete unter anderem das persische Musiktheaterensemble „Andurani“ und die Instrumentalgruppe „Barbad“. Bei Kulturfestivals und Konzerten in großen Hallen begeisterte sie europaweit. Akhondy befasst sich daneben mit weit vor der islamischen Zeit zurückliegenden persischer Musik (zoroastrische Klänge) und mit Crossover-Stücken, in denen sich westliche, afrikanische und jazzige Einflüsse mit orientalischen verbinden. Für multikulturelle Akzente und Improvisation stehen auch Akhondys jüngste, international besetzte Ensembles „Maryam Akhondy’s Paaz“ und „Maryam Akhondy & Mike Herting“. Auch Projekte, die klassischen persischen Gesang mit deutschem Kunstlied verbinden, hat sie schon realisiert. Rolf Raule vom Kulturverein Wespennest, mit der Künstlerin persönlich bekannt und von ihrer musikalischen Ausstrahlung begeistert, hat Akhondy und ihren Frauenchor für das Konzert in der Stiftskirche gewinnen können. Die Gruppe besteht aus etwa ein Dutzend Sängerinnen, allesamt in Deutschland lebende Exil-Iranerinnen, die in bunten, traditionellen Gewändern auftreten und sich mit viel Temperament selbst mit Rhythmusinstrumenten begleitend. Seit seiner Gründung 2001 hat der Chor, dessen Name übersetzt „Vornehme Dame“ lautet, durch CD-Veröffentlichungen, Auftritten bei Festivals und einer Tournee durch die USA, von sich reden gemacht. Termin Maryam Akhondy und ihr Ensemble „Banu“ treten am Samstag, 13. Mai, um 20 Uhr in der Neustadter Stiftskirche auf (Einlass: 19 Uhr). Karten (23 Euro) bei Tabak Weiss, der RHEINPFALZ, Buchhandlung Quodlibet, Media-Markt und unter www.reservix.de. Abendkasse: 26 Euro.

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