Neustadt
Die weibliche Seite der Geschichte: Förderverein des Stadtmuseums stellt sein Programm vor
Zwei Tage später, am Sonntag, 22. Januar, zur Matinee-Zeit um 11 Uhr steigt dann auch der Museumsförderverein offiziell ins Geschehen ein – wie schon seit einigen Jahren wieder mit einer Gemeinschaftsveranstaltung mit der Ortsgruppe Neustadt des Historischen Vereins der Pfalz. Zu erleben ist dabei das Programm „Zu Gast bei Liselotte von der Pfalz in Versailles“, das Gerd Becht, der auch als Macher der „Pälzer Owende“-Reihe in Gimmeldingen (siehe oben auf dieser Seite) bekannte Altmeister szenisch-historischer Vorträge aus Edenkoben, präsentieren wird. Die an den Hof des Sonnenkönig Ludwig XIV. von Frankreich verheiratete Kurfürstentochter ist natürlich eine der ganz prominenten Figuren der Zweibrücker Wanderausstellung. Bei der Matinee nun wird die Haßlocher Zither-Solistin Gaby Kießling unter den Augen des zeitgenössischen Liselotte-Portraits im Rokoko-Saal in deren Rolle (und deren Kostüm) schlüpfen und ganz unverblümt von den kuriosen Sitten und Unsitten in Versailles berichten – aber auch von ihren Gefühlen angesichts des Leids, das in ihrem Namen, aber gegen ihren Willen beim Pfälzischen Erbfolgekrieg über ihre Pfälzer und Pfälzerinnen gebracht wurde. Becht und Kießling waren schon 2019 einmal zusammen Gäste bei einem Mittwochstreff, Becht allein gestaltete bereits 2016 die Jahresauftakt-Matinee in der Villa Böhm. Als „sehr unterhaltsam und sehr informativ“ charakterisiert Hiltrud Funk, die Vorsitzende des Fördervereins, seine Auftritte. Daran soll am 22. Januar natürlich angeknüpft werden.
Starke Frauen aus Neustadt im Fokus
Auch der erste Mittwochstreff des Jahres am 1. Februar nimmt direkten Bezug auf die Frauen-Ausstellung im Obergeschoss der Villa, die bei der Gelegenheit natürlich ebenso wie bei der Matinee auch besucht werden kann (sie läuft danach noch bis 19. März). Sabine Klapp, die Direktorin des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, begibt sich dabei auf eine historische Spurensuche nach „starken Frauen in Neustadt“ wie zum Beispiel Emma Geisel-Abresch, die sich unter anderem als Gründerin des Neustadter „Vereins für Fraueninteressen“ einen Namen machte. Klapp hatte diesen Verein und die frühe Frauenbewegung in Neustadt bereits vor zwei Jahren einmal bei einem „Mittwochstreff“-Vortrag behandelt.
Das Thema Architektur wird dann erstmals beim nächsten Mittwochstreff am 1. März greifbar, wenn Susanne von Oettingen-Braun die fast 500-jährige Geschichte des Schlössleins Hildenbrandseck an der Grenzen zwischen Gimmeldingen und Königsbach Revue passieren lässt. Die Referentin weiß, wovon sie spricht, schließlich hat sie das zuvor jahrelang vernachlässigte Renaissance-Juwel 2006 gemeinsam mit Ehemann Manfred erworben und seitdem mustergültig restauriert. Das Gebäude, das später als kurfürstliches Kameralgut mit Zehntkelter und danach lange als privates Weingut diente und mehrfach umgebaut wurde, besitzt noch viele schöne Details, darunter einen polygonalen Treppenturm im Hof, einen Reliefstein mit Allianzwappen von 1595 und einen kreisförmigen Geheimraum aus sorgfältigem Quaderwerk und wird auf Marx Hiltprant zu Hiltprantseck zurückgeführt, seit 1528 kurfürstlicher Landschreiber des Oberamtes Neustadt.
Der Mittwochstreff begibt sich auf Wanderschaft
Bauhistorisch geht es danach auch bei den „Mittwochstreffs“ im Frühjahr weiter – im Zentrum steht dabei zweimal hintereinander der bedeutendste Sakralbau der Stadt, die Stiftskirche. Sie wird dabei allerdings erstmals in der Mittwochstreff-Historie mittels Führungen direkt vor Ort erschlossen. Dabei widmet sich Sigrid Kern, Kirchenführerin und dem Museumsförderverein auch als Beiratsmitglied verbunden, am 5. April zunächst dem Inneren des Gotteshauses. Am 3. Mai folgt dann Paul Habermehl, zweifelsohne eines der prominentesten Gesichter der Stadtgeschichtsforschung, mit einer Besichtigung von außen. Um eine gute Kommunikation zu ermöglichen, sei die Teilnehmerzahl auf 20 begrenzt, erklärt Hiltrud Funk. Allerdings seien bei großem Interesse auch Zusatzführungen denkbar.
Mit einem ganz anderen Thema geht die „Mittwochstreff“-Reihe am 7. Juni dann – wieder in Villa Böhm – in die Sommerpause. Kurt Werner, der Vorsitzende der Neustadter Gedenkstätte für NS-Opfer, referiert dann über „Jüdisches Leben in Neustadt“, wobei nach Funks Worten vor allem das ganz alltägliche Leben der jüdischen Mitbürger in alter Zeit in den Blick genommen werden soll. Die aktuelle Mitgliederzahl gibt die Vorsitzende mit 303 an – ein Grund zur Freude. Jedoch liege, wie der neue zweite Vorsitzende Frans Feskens anmerkt, der Altersdurchschnitt bei etwa 70. Gezielte Projekte, um vermehrt Jüngere anzusprechen, seien daher dringend geboten.
Noch Fragen?
Die Mittwochstreffs finden mit Ausnahme der beiden Kirchenführungen im Rokoko-Saal des Neustadter Stadtmuseums in der Villa Böhm statt – der Beginn für alle (auch die Führungen) ist arbeitnehmerfreundlich auf 18 Uhr angesetzt. Anmeldungen bei Hiltrud Funk unter der Mail-Adresse foestadtmuseumnw@web.de. Eintritt wird nur für die Matinee am 22. Januar erhoben.