Neustadt Die vielen Facetten der Liebe

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«Neustadt-Mussbach.» Im vorerst letzten Konzert der neuen Reihe „Beziehungs-Weisen“ mit Kompositionen aus Deutschland und Europa begeisterten der in Ludwigshafen geborene Bariton Christopher Jung und der niederländische Pianist Jan Roelof Wolthuis am Sonntag in der Parkvilla des Mußbacher Herrenhofs mit Werken aus Frankreich und Deutschland. Auf dem Programm standen Lieder von Ibert, Fauré und Schumann.

Auch für diese Veranstaltung hatten Simon Reichert, der künstlerische Leiter der Reihe, und die Musiker nicht alltägliche Werke ausgesucht wie die Zyklen von Jacques Ibert und Gabriel Fauré. Dass Jan Roelof Wolthuis sie den Besuchern kurz vorstellt, war vor allem für die Lieder von Fauré wichtig, deren Grundlage die Textsammlung „La bonne chanson“ von Paul Verlaine ist, einem alles andere als bürgerlichen Vertreter der französischen Dichtung des 19. Jahrhunderts. Die Zerrissenheit des später unter anderem mit Arthur Rimbaud liierten alkoholsüchtigen und gewalttätigen Dichters lässt sich selbst in „La bonne chanson“ nicht verleugnen, einem Gedichtzyklus, der just an dem Tag veröffentlicht wurde, an dem Verlaine die erst 16-jährige Mathilde heiratete und auf andauerndes Glück hoffte. Die Gegensätze wie das Sehnen nach Liebe und Glück und die dunklen Seiten des Lebens des Dichters nimmt auch Faurés Musik auf. Jan Roelof Wolthuis interpretiert sie mit Gefühl, das ebenso wie die Stimme Christopher Jungs von Herzen kommt und zu Herzen geht. Beiden gelingt es vortrefflich, die besonderen Stimmungen in den Kompositionen zu vermitteln. Da beschreibt „Une sainte en son auréole“ in bester Minnesang-Manier die Vorzüge der jungen Geliebten; die betont altmodische Klavierbegleitung erinnert hier stellenweise an feinen Glockenklang und lässt die junge Frau als von beinahe überirdischer Schönheit erscheinen. Die instrumentale Untermalung der Verliebtheit des Sängers in „Puisque l’aube grandit“ erinnert an einen dahinplätschernden Bach im Sonnenlicht, heiter und sorglos. In „La lune blanche“ nehmen Sänger und Pianist die Zuhörer ganz vorsichtig mit in eine Mondnacht voll geheimnisvoller Wisperei. „Avant que tu ne t’en ailles“ spielt mit dem Motiv des Wachtelschlags, wobei Sänger und Pianist es schaffen, dem ergriffen lauschenden Publikum sogar den sich beschleunigenden Herzschlag des Liebenden zu übermitteln. Dessen Selbstzweifel und Zerrissenheit, die immer noch unter der Liebe lauern, brechen auch in der Klavierbegleitung bei „J’allais par des chemins perfides“ auf. Jacques Iberts „Chansons de Don Quichotte“, Lieder für einen Film nach Gedichten aus dem 16. Jahrhundert, wirken dagegen leichter, vor allem in der Klavierbegleitung mit ihren subtil herausgearbeiteten spanischen Rhythmen und Tonfolgen. Wenn Christopher Jung mit seinem volltönenden warmen Bariton ein Schloss als Symbol für die Liebe beschreibt, malt er den Zuhörern mit seiner Stimme ein Gebäude, das so schön wie wehrhaft ist. Wie ein ungeduldiger Reiter strebt dagegen im Lied der Dulcinea das Klavier vorwärts, voller Stolz und Selbstbewusstsein interpretieren die Künstler das „Chanson du duc“ wie eine Erzählung, und Gänsehaut schließlich erzeugt Jung mit der Interpretation des „Chanson de la mort de Don Quichotte“. Der zweite Teil des Konzerts schenkt den Besuchern mit Robert Schumanns „Dichterliebe“ op. 48, einer romantischen Vertonung von Gedichten Heinrich Heines, Bekanntes. Auch dabei macht die Art der Interpretation einen ganz besonderes Reiz aus. Wie knappe Statements sind die Texte zum Gefühlsleben des Dichters Kurzfassungen hochdramatischer Geschehnisse mit Wechselbädern von Gefühlen, die Pianist und Sänger das Publikum miterleben lassen. Immer wieder schön herausgearbeitet ist hier der Wechsel der Anteile von Stimme und Klavier. Da gibt „am leuchtenden Sommermorgen“ der Pianist mit einem Nachspiel bewusst viel Zeit zum Nachsinnen über den Text, während er bei „Ich hab im Traum geweinet“ die traurige Stimmung mit wenigen dumpfen Akkorden betont und der Sänger den größeren Part hat. Für beide Interpreten gibt es lang anhaltenden kräftigen Applaus, für das Publikum als Dankeschön das Kompliment „Du bist wie eine Blume“ von Schumann.

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