Neustadt „Die Vernetzung wird bleiben“

Neustadt. Das Jugendkreativfestival „Querfälltein“, das an diesem Wochenende im Mußbacher Herrenhof über die Bühne geht, ist das bislang ambitionierteste Projekt, das Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer (CDU) in seiner Eigenschaft als Kulturdezernent auf den Weg gebracht hat – ein guter Grund, noch einmal nach den Zielen zu fragen, die sich damit verbinden.
Wir legen hier in Neustadt mit „Querfälltein“ bewusst und erstmalig den Fokus auf die Junge Kultur, weil diese noch ein Stück weit unterbelichtet ist. Gerade in einer alternden Gesellschaft macht dies besonders viel Sinn, auch mit Blick auf kulturelle Fortentwicklung insgesamt. Außerdem: Nachwuchsförderung war eine wichtige Hauptforderung des ersten Neustadter Kulturforums aus dem vergangenen Jahr. Und in der Tat ist es unsere junge Generation wert, dass wir sie mit ihren ganz unterschiedlichen Potenzialen sichtbar machen. Sie ist unsere Zukunft. Hauptzielgruppe sind junge Leute im Alter von 16 bis 36. Die sind aber erfahrungsgemäß gerade am schwierigsten zu begeistern? Wie wollen Sie das schaffen? Wir fahren eine auffallende, sehr kreative Werbelinie. Wir setzten eine Vielzahl von Instrumenten ein, über elektronische Medien, Bierdeckel, Transparente, Kinowerbung … bis zum Mußbacher Zesel, dem Zebra-Esel. Viele junge Menschen helfen uns dabei mit, eine gute Event-Stimmung im Vorfeld zu erzeugen, zum Beispiel die Schülervertretungen der Stadt. Ketzerisch gefragt: Ist ein Konzert der Staatsphilharmonie nicht eher ein Angebot fürs arrivierte Publikum? Klar, warum auch nicht. Wir wollen ja auch, dass alle Altersgruppen junge Kunst bei „Querfälltein“ erleben. Und die Staatsphilharmonie tritt auf mit den Preisträgern des Streicher-Meisterkurses, das klappt dann thematisch bestens. Noch eine Anmerkung: Beim Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz zum Beispiel kann man sehen, dass klassische Musik durchaus ein Jugendthema ist. Wir hoffen, dass Klassik-Open-Air in der tollen Herrenhof-Kulisse für den einen oder anderen Jugendlichen einen neuen Zugangsweg eröffnet. Aber gleich auch umgekehrt: Es wäre doch schön, wenn sich auch das „arrivierte Publikum“ auf „Entdeckungsreise“ begibt und sich für junge Akzente begeistert. Kultur lebt vom Austausch – auch über Generationsgrenzen hinweg. Was ist Ihr persönlicher Gradmesser für den Erfolg des Festivals? Richtig gutes Frühlingswetter und jede Menge Besucher bei tollen Veranstaltungen – der erste Punkt wird uns hoffentlich geschenkt, und am zweiten Punkt arbeiten wir kräftig mit mehr als 120 Personen. Nachhaltigkeit ist das Modewort unserer Zeit: Ist das Festival eine nachhaltige Veranstaltung? Wir hatten und haben eine tolle Kooperation innerhalb des breiten Feldes der Organisatoren aus allen Kulturbereichen. Diese Vernetzung wird sicher bleiben und in der Zukunft in Neustadt positiv wirken. Und aktuell freue ich mich Tag für Tag irgendwo in der Stadt über die bunt bemalten Versorgungskästen unserer Stadtwerke. Diese Streetart-Aktion wird sicher in Zukunft fortgeführt – passende Ecken zur weiteren Verschönerung lassen sich sicherlich leicht finden. (Archivfoto: Mehn)