Neustadt Die Stimme des Jazz im Gepäck

Dominique Christina Fürst liebt Petticoats und Stöckelschule, ihre musikalische Favoritin aber ist die skandalumwitterte amerika
Dominique Christina Fürst liebt Petticoats und Stöckelschule, ihre musikalische Favoritin aber ist die skandalumwitterte amerikanische Jazzsängerin Billie Holiday.

«Neustadt». Rockabilly, Vintage, Theater, Wein – die Interessen von Dominique Christina Fürst sind vielseitig. Trotzdem fiel es der ursprünglich aus Mußbach stammenden Sängerin und Schauspielerin relativ leicht, sich für „The Voice Of Jazz – Vol. 6“ von Billie Holiday als die Platte zu entscheiden, die sie mit auf die berühmte einsame Insel nehmen würde. Aber natürlich hat sich ihre Wahl nicht einfach so ergeben, sondern ist das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses.

Alles begann damit, dass sie im zarten Alter von zwei Jahren von ihrer Tante, der damaligen Leiterin der „Singschar Mußbach“, mit zu einer Chorprobe genommen wurde. Die Musik und das Drumherum dort machten ihr von Anfang an so viel Freude, dass sie dem Chor für die nächsten anderthalb Jahrzehnte als aktives Mitglied erhalten blieb. Heute erinnert sie sich mit Freude daran, dass eines der ersten Lieder welches sie damals mitsingen durfte, eine deutsche Version von „Old Black Joe“ war, einem Song der ihr im späteren Leben in einer bemerkenswerten, von ihr geliebten Rockabilly-Version wieder begegnet ist. Dominiques Mutter, eine ausgezeichnete Pianistin und Gitarristin, weckte derweil mit ihren Radio-Hörgewohnheiten das Interesse ihrer kleinen Tochter an Schlager und Rock’n’Roll, besonders an Elvis Presley, während sie ihr Vater mehr mit hartem Rock in Kontakt brachte. Die Leidenschaft für Musik war also schon geweckt, als „DC“ in die Mußbacher Grundschule kam. Dort entdeckte eine Deutschlehrerin ein weiteres Talent an ihr. Dominique war nämlich eine ausgezeichnete Vorleserin und Rezitatorin, die es immer schaffte, den geschriebenen Zeilen mit passender Betonung und entsprechender Mimik und Gestik den richtigen Ausdruck zu verleihen. Später, in der Georg-von-Neumayer-Realschule in Neustadt, trat sie der von Carola Bischoff geführten Musik-AG bei und trat in unterschiedlichsten Rollen mehrfach in Kindermusicals auf. Noch wichtiger war für sie freilich die Teilnahme am Jugendtheaterprojekt der Neustadter Schauspielgruppe, bei dem sie, wie sie sich heute erinnert, viel über Improvisation und allgemeine Schauspielgrundlagen lernen konnte. Und damit sind wir noch längst nicht am Ende der langen Liste kreativer Tätigkeiten, die der agile Teenager durchprobierte. Den endgültigen Kick, selbst Künstlerin zu werden, gab ihr schließlich die Musical-AG des Speyerer Gymnasiums, das sie mittlerweile besuchte. Sie durchlief dort ein Voice-Coaching und erhielt ein, wie sie selber sagt, optimales Schauspieltraining. „Spätestens danach war mir klar, was aus mir werden sollte und ich begann eine professionelle Schauspielausbildung in Köln, die vier Jahre dauerte.“ Insgesamt blieb Fürst neun Jahre in der Domstadt und gründete dort 2010 auch ihr eigenes „Histrionia-Theater“, das heute noch existiert und als Tournee-Theater regelmäßige Vorstellungen gibt. Dabei kommen neben von ihr selbst geschriebenen Stücken auch Produktionen wie die Revue „Brautgeflüster“ zur Aufführung. Hier kann Dominique Christina Fürst sich als Schauspielerin genauso beweisen, wie als Sängerin. Neben dem Schauspielunterricht hat die 31-Jährige nämlich auch eine Ausbildung in klassischem Gesang absolviert und kann in dieser Revue ihre Fähigkeiten als Actrice ebenso unter Beweis stellen wie als Vokalistin. Noch besser gelingt ihr das in ihrer eigenen Show „Hello, Betty Sue!“, in der sie ihre spezielle Vorliebe für die Musik und den Lifestyle der 50er und 60er Jahre ausleben kann. Inzwischen lebt Dominique ihr Alter Ego Betty Sue nicht nur auf der Bühne sondern auch privat, was sich nicht zuletzt an ihrer Kleidung und Wohnungseinrichtung ablesen lässt. Längst hat die umtriebige, heute in Gimmeldingen lebende Künstlerin, eine eigene Band unter der Firmierung „Betty Sue and the Hot Dots“ gegründet, mit der sie im Februar dieses Jahres ihr erstes Album „High Heels To Hell“ veröffentlicht hat und Songs wie „Mr. Sandman“ von Emmylou Harris oder „Sweet Child O„Mine“ von „Guns n´ Roses“ in Rockabilly-Arrangements präsentiert. Ihre persönliche absolute Lieblingsscheibe aber kommt nun nicht, wie man jetzt vielleicht vermuten sollte, aus dem Rockabilly- oder Rock’n’Roll-, sondern aus dem Jazzbereich. „Früher hätte ich Jazz für mich ausgeschlossen“, so Betty/Dominique, „inzwischen aber habe ich festgestellt, dass es keine freiere Art der musikalischen Interpretation gibt. Wer sich, wie ich, viel mit Harmonielehre beschäftigt, Songs schreibt und beim Singen die Frage stellt ,Was geht noch?’ kommt am Jazz einfach nicht vorbei. Dabei ist Billie Holiday als Sängerin mit ihrer ungewöhnlichen Stimme ein Vorbild, und als unangepasste Persönlichkeit ein höchst interessanter Mensch für mich.“ „The Voice Of Jazz – Vol. 6“ ist für Dominique Christina Fürst, die nebenbei übrigens auch als Musiklehrerin arbeitet, eine Schallplatte, die sie am Morgen zum Frühstück genauso gerne hört, wie abends beim Wein. „Holidays Lieder beweisen, dass es möglich ist, auch innerhalb eines festgesetzten Systems musikalische Freiheiten und Grenzen auszuloten“, sagt sie. Zehn Lieder bietet die Scheibe, darunter „Good Morning Heartache“, „All Or Nothing At All“, „Cheek To Cheek“ oder „Sophisticated Lady“. Einen speziellen Lieblingssong will Dominique aber nicht nennen. „Billie Holiday ist ein Gesamtkunstwerk, da kann man nicht ein Stück besonders herausstellen. Mit ,Vol. 6’ hat mich die Sängerin aber mitten ins Herz getroffen und wird deshalb mit ihrer Scheibe mein Gepäck, dass ich auf die Insel mitnehmen würde, um knapp 200 Gramm schwerer machen.“ Termin Die nächsten Auftritte von Dominique Christina Fürst als Sängerin und Schauspielerin in unserer Region stehen beim Festival „Träumer und Taten“ in Hambach an (wir berichteten am vergangenen Dienstag): bei der Eröffnung am heutigen Dienstag um 19.30 Uhr im Weingut Nägele und am Donnerstag, 24. Mai, ab 19.30 Uhr im Friseursalon Anouschka, wo sie eine neue Folge ihrer „Betty Sue“-Reihe vorstellt. Eintritt: jeweils 10 Euro.

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