Neustadt Die Spur der Steine

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Deidesheim. Der Berufswunsch stand bei Bettina C. Morio schon als kleines Mädchen fest: „Ich werde mal Bildhauerin“, verkündete die gebürtige Grünstadterin, als sie mit fünf oder sechs in Bad Dürkheim die offene Werkstatt des Bildhauers Nick Graser besuchte. Sie hat ihr Ziel erreicht: In diesem Jahr feiert die Künstlerin das 25-jährige Bestehen ihres Ateliers in Deidesheim.

Ihren Beruf Steinbildhauerin hat die 48-Jährige in Kaiserslautern von der Pike auf gelernt. Nach ihrem Abschluss 1989 vervollkommnete sie ihre Kenntnisse in verschiedenen Ateliers, unter anderem in New York, Miami und Carrara. Das wichtigste Datum freilich war 1991 der Umzug nach Deidesheim. Mit ihrem Mann Rüdiger wohnte sie zuerst in der Weinstraße, später in der Stadtmauergasse in einem alten Häuschen, das das Paar schmuck umbaute. Heute lebt Morio mit ihrer Familie in der Heumarktstraße , wo sich auch eines ihrer zwei Ateliers befindet. Das zweite in der Spitalgasse kam später dazu, ebenso die Werkstatt im Mußbacher Güterbahnhof. Von Anfang an arbeitete Morio mit Vorliebe mit heimischem Sandstein. Mittlerweile kann sie das Material fast blind dem Herkunftsort zuordnen: Steine aus Bad Dürkheim-Annaberg etwa hätten größere „Leberflecken“ als andere, erzählt sie. Morio verarbeitete schon früh auch alte Wingert- und Fasslagersteine, später kam auch anderes historisches Material wie etwa Torbögen dazu. Ihr Lieblingsmotiv ist „der Mensch in all seinen Befindlichkeiten“. Was sich aktuell auch bei den zum Teil bemalten oder vergoldeten Köpfen ihrer kleinen Männer und Frauen widerspiegelt. „Alltagshelden“ nennt sie sie. Eine „Sahneschnitte“, die dem benachbarten „Optimisten“ einen sehnsuchtsvollen Blick zuwirft. Paare und „Dicke Freunde“, die symbiotisch aneinander hängen. Und ein Narr mit Schellenkappe: „Morio ist lateinisch und heißt übersetzt Narr“, klärt die Bildhauerin augenzwinkernd auf. Das „Forster Ungeheuer“ am südlichen Ortsausgang von Forst, der Hannelore-Kohl-Gedenkstein gegenüber dem Alten Spital in Deidesheim, die „Mäher“ an der großen Mußbacher Ampelkreuzung: Morios Arbeiten sind nicht nur bei vielen Privatleuten im In- und Ausland, sondern in der Pfalz auch zahlreich im öffentlichen Raum zu finden. Im Beisein ihres bekrönten „Salischen Königspaares“ tafelte 1997 im „Deidesheimer Hof“ das spanische Königspaar bei einem Staatsbesuch. Ohne ihren Mann Rüdiger hätte sie die 25 Jahre nicht stemmen können, erklärt Morio. Seine Arbeit umfasst nicht nur die Organisation der Ausstellungen und den Transport der Plastiken zu den Kunden. Er wirkt auch bei den Plastiken selbst mit: Für die gehörnten „Platzhirsche“ ihrer „Alltagshelden“ etwa beschaffte er echte Rehgeweihe. 25 Jahre Beschäftigung mit Gestein, dem sie Leben einhaucht, das bleibt auch in den Knochen stecken, konstatiert Morio. Bei ihrer anstrengenden Arbeit trägt sie Schutzbrille, Sicherheitsschuhe und Staubmaske, arbeitet auch mit einem Abzug. Neue Pläne? Ab Herbst möchte sie in dreitägigen Kursen ihr Wissen an Interessenten weitergeben. „Die Leute werden nicht gleich mit einer Quadriga rausmarschieren“, meint sie verschmitzt. Die Spur der Steine wird sich auf jeden Fall weiter als Hauptfaden durch Morios künstlerisches Leben ziehen: „Ich habe soviel Material, da bräuchte ich eine Lebenserwartung von 350 Jahren“, sagt sie abschließend. Noch Fragen? Bettina C. Morios Galerien in Deidesheim sind ganzjährig geöffnet: die in der Heumarktstraße 10 freitags und samstags 15-18 Uhr, die in der Spitalgasse 1 sonntags 14-18 Uhr. Telefon 0171 516 3423 (auch für die Anmeldung der Kurse).

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