Neustadt Die Show muss weitergehen
Mit einer deutschsprachigen Erstaufführung wartet die Neustadter Schauspielgruppe bei ihrem diesjährigen Winterstück auf, das am 13. Februar im Theater Katakombe Premiere feiert. Das sei aber reiner Zufall, sagt Pascal Bender, Vorsitzender der Schauspielgruppe. Der Kreis, der beim Winterstück regelmäßig dabei ist, habe das Stück „Freunde im Schrank“ des Franzosen Gabor Rassov ausgesucht. Erst bei der Anfrage beim Verlag habe man erfahren, dass das Stück bislang in Deutschland noch nie aufgeführt wurde. In „Freunde im Schrank“ geht es um ein Paar, das sich Freunde im Supermarkt kauft, diese zu Hause in den Schrank stellt und nach Bedarf herausholt. „Ein wichtiges Thema in der Zeit von sozialen Netzwerken“, sagt Bender. Christian Reif führt, unterstützt von Elmar Weik, Regie. Markus Hahn und Christine Bachtler spielen das Käufer-Paar, Lennart Lube und Angelina Scholl die menschliche Ware. Für das Sommerstück auf der Freilichtbühne im Park der Villa Böhm sei man noch in der Findungsphase, sagt Bender. Der vorgesehene Regisseur habe aus privaten Gründen absagen müssen. Unabhängig davon sei es zunehmend schwieriger Leute zu finden, die bereit sind, etwa fünf Monate lang ihre Wochenenden und teils auch noch Abende unter der Woche mit Proben und Aufführungen zu verbringen. „Doch wir werden das Sommerstück beibehalten“, betont Bender. Extra dafür wurden unlängst 400 neue Stühle angeschafft. „Die bisherigen waren 30 Jahre alt“, erklärt Bender. Außerdem sei derzeit in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt ein Musicalprojekt in Arbeit, das beim Jugendkulturtag der Stadt im Mai im Herrenhof gezeigt werden soll. Die Protagonisten seien etwa 15 junge Leute, die in Workshops unter Leitung von Isolde Opielka und Judith Becker ein Musical mit eigenen Themen erarbeiteten, so Bender. Carlo Goldonis Komödie „Diener zweier Herren“ hat sich das Dramatische Hoftheater für seine diesjährige Aufführung ausgesucht, die am 23. April im Festsaal des Mußbacher Herrenhofs Premiere feiert. „Wir proben schon intensiv“, berichtet Christina Jakobs, die ihren Mann Markus Mohr bei der Inszenierung unterstützt. Die Gruppe verlegt das 1746 in Mailand uraufgeführte Stück aus der Barockzeit in das Venedig der 1950er-Jahre. „Italien war damals das Sehnsuchtsland der Deutschen, und es gab viele Klischees, diese beiden Aspekte greifen wir mit einem Augenzwinkern auf“, erklärt Jakobs. Die Hauptrolle des Dieners Truffaldino spielt Guntram Raquet. Ansonsten haben sich viele Aktive des Stammensembles in diesem Jahr eine Pause auferlegt. Dafür wechselt die bisherige Souffleuse Mara Braunstein auf die Bühne. Neu dabei ist Wolfgang Braunstein, der schon auf anderen Bühnen in der Region Erfahrung sammelte und den knausrigen Kaufmann Pandolfo spielen wird. Jakobs selbst übernimmt die Rolle der Beatrice. Insgesamt sind sechs Aufführungen im April und Mai vorgesehen. The Show must go on“, heißt es im Boulevard-Theater Deidesheim nach dem plötzlichen Tod des Gründers und langjährigen Leiters Hans-Dieter Willisch im Dezember. Theaterleiter Boris Stielja hat für fast alle Rollen, die Willisch spielte, andere Schauspieler engagieren können, so dass beim Spielplan keine Änderungen erforderlich sind. In einem Fall gebe es dabei sogar eine besondere Pointe, so Stielja. Die Rolle des Taxifahrers mit zwei Ehefrauen in der Komödie „Taxi, Taxi“, die seit Jahrzehnten eine Paraderolle Willischs war, spielt künftig Peter Houska, der Willisch vor Jahren auch am Mannheimer Oststadt-Theater in diesem Stück nachfolgte und den Part dort bis heute spielt. Die erste Aufführung von „Taxi, Taxi“ mit dem neuen Hauptdarsteller steht in Deidesheim am 29. Januar an. Auch die noch von Willisch auf vielfachen Publikumswunsch angestoßene Wiederaufnahme des Erfolgsstücks „Die Leich„ im Rhoi“ werde planmäßig durchgezogen, so Stielja. Matthias Heckmann werde Willischs Part übernehmen. 2016 solle außerdem der Donnerstag ein weiterer fester Tag für Aufführungen im Boulevard-Deidesheim werden, kündigt der junge Theaterleiter an. Eine neue Produktion sei erst für Oktober geplant. Für Abwechslung sollen in den nächsten Monaten einige besondere Gastspiele sorgen, die das Boulevardtheater gemeinsam mit der Stadt im großen Saal der Stadthalle ausrichtet (wir berichteten). Den Anfang macht am 15. Januar Gerd Knebel, die eine Hälfte des hessischen Comedy-Duos „Badesalz“. „Er ein sehr guter Freund von mir“, sagt Stielja. Das Gleiche gilt für Alfons, den französischen Reporter mit dem Puschelmikro“, der am 8. Juni folgt. Die Speyerer Komikerin Kättl Feierdaach am 13. Oktober und der Mainzer Comedian Matthias Jung am 15. Oktober komplettieren das Programm. Stolz ist Stielja über die „sehr hohe Auslastung“ der auf dem Spielplan stehenden Stücke. So seien 2015 bei den Aufführungen von „Ein Käfig voller Deppen“ im Schnitt 96 Prozent aller Plätze verkauft gewesen, und bei „Meine dicke Freundin“ betrage die Auslastung sogar 99,6 Prozent. Wichtige Veränderungen ergeben sich 2016 für die Haßlocher Theater-Szene. Thomas Schmidt, seit vielen Jahren einer der wichtigen Akteure beim „Theater im Hof“ und bei der „Haßlocher Märchenbühne“, ändert seine Schwerpunkte. Nachdem er in den vergangenen Jahren Kopf und Motor der Märchenbühne war, will er sich künftig auf die Rolle des Regisseurs bei den sommerlichen Open-Air-Aufführungen des Hof-Theaters konzentrieren. Schon in diesem Jahr werde er hier die Federführung übernehmen, so Schmidt. Premiere ist am 24. Juni. Was gespielt werde, sei aber noch nicht entschieden. „Monika Scharfenberger hat mich mit Stücken zugeworfen, und ich lese“, erzählt er lachend. Sicher sei, dass das Stück „zwar anspruchsvoll, aber nicht mehr ganz so schwer“, wie die Inszenierungen Armin Jungs in den vergangenen Jahren ausfallen solle. Ein Kontrastprogramm dazu solle es im Reformationsgedenkjahr 2017 geben, in dem das „Theater im Hof“ etwas zu diesem Themenbereich spielen und Armin Jung, als evangelischer Pfarrer bestens gerüstet, wieder Regie führen werde. Künstlerisch werde er aber der „Märchenbühne“ weiter verbunden bleiben, betont Schmidt. „Ich werde weiter die Stücke bearbeiten, Rollen schreiben, künstlerisch unterstützen. Aber wir haben guten Nachwuchs, der die Regie übernehmen kann“, sagt Schmidt. 2016 werden Max Annen, Yanick Setin und Jan Rittinger bei den für Dezember geplanten Märchenaufführungen die Regie übernehmen. Was gespielt wird, stehe auch hier noch nicht fest. „Wir haben ein Ensemble von 30 Leuten, das will beschäftigt werden“, verweist Schmidt auf den entscheidenden Aspekt bei der Auswahl der Märchenstoffe. Der Theaterverein Haßloch wird im kommenden Jahr 90 Jahre alt, gefeiert werde dies aber nicht, so Georg Metzner, Doyen des Haßlocher Theaterlebens. Nicht einmal, ob auf der imposanten Freilichtbühne des Vereins überhaupt Theater gespielt werde, sei sicher. „Wir sind halt älter geworden“, nennt Metzner als Grund. Dies habe dazu geführt, dass die Zahl der Aktiven recht klein geworden sei. „Die, die noch etwas machen, sind vor allem damit beschäftigt, die Freilichtbühne in Ordnung zu halten“, berichtet Metzner. Zumal diese im Haßlocher Hochwasserschutzgebiet am Rehbach liegt. „Die Bühne gibt es seit fast 50 Jahren, wir hatten nie Probleme mit Wasser, jetzt haben wir Auflagen bekommen“, berichtet er. Auch die Aufführungen auf einer Studiobühne, die er in den vergangenen Jahren inszenierte, wird es nicht mehr geben. „Ich werde 75 Jahre alt und will kürzer treten“, sagt Metzner. Sein Wunsch wäre eine Kooperation mit anderen Haßlocher Theatergruppen, doch er weiß, dass das keine allgemeine Zustimmung findet, zumal auch die 2015 begonnene Zusammenarbeit mit dem Work With People (WWP)-Theater nicht fortgesetzt werde, wie er und WWP-Gründer Peter Ruffer übereinstimmend erklären. „Die Rahmenbedingungen müssten verändert werden“, sagt Ruffer und lässt durchblicken, dass es bei der Kooperation mit dem Theaterverein doch zu einigen Unstimmigkeiten gekommen ist. Die Gruselmödie „Dracula“, die das WWP-Theater 2015 auf der Freilichtbühne zeigte, würde man aber gern noch einige Male aufführen, „wir suchen nach einem Ort“, so Ruffer. Der freischaffende Theaterpädagoge hat auch sonst einige Pläne für 2016: Die Gruppe „Schau-Pälzer“ plane ein neues Boulevardstück mit Dinner, auch das Duo „Die Dollbohrer“ starte mit einem neuen Programm. Der „Kulturfiz“ im „Kulturviereck“ soll 2016 fortgeführt werden. „Das ist inzwischen eine feste Institution“, sagt Ruffer. Auch werde sich das WWP-Theater am Eröffnungsfest der Ferienspielwochen des Haßlocher Jugend- und Kulturhauses „Blaubär“ beteiligen. Ein Halloween-Stück sei ebenfalls geplant. Das „Theater in der Kurve“ in Hambach setze 2016 seine Zusammenarbeit mit dem „Theater Alte Werkstatt“ in Frankenthal fort, berichtet Theaterleiterin Hedda Brockmeyer. Die erste gemeinsame Produktion war 2012 die Komödie „Die Wahrheit“. Nun folgt das Stück „Casa Matrix“, das erstmals am 19. Februar in Hambach gezeigt wird. Wie schon bei „Die Wahrheit“ führt wieder das Neustadter Theater-Urgestein Wolfgang Bachtler Regie, der sich seit vielen Jahren beim „Theater Alte Werkstatt“ engagiert ist. Darstellerinnen sind Brockmeyer selbst sowie die Frankenthalerin Johanna Regenauer, die man in der „Kurve“ noch von ihrem letztjährigen Gastspiel mit dem Theatermonolog „Tränen der Heimat“ kennt. Mit einem anderen Mitglied der Familie Bachtler hat Hedda Brockmeyer dagegen ihre Zusammenarbeit beendet. Seit mehr als zehn Jahren traten sie und Kerstin Bachtler gemeinsam als Duo „Die Liseusen“ mit szenischen Lesungen auf. Die wird es künftig nicht mehr geben. „Unsere künstlerischen Vorstellungen gingen auseinander“, sagt Brockmeyer dazu. Eine weitere Eigenproduktion realisiert die Regisseurin mit dem „Duo Agathea“: „Mach mal Pause – Meno! Meno!“, versehen mit dem Untertitel „in „theatralisches Klimysterium“, hat am 14. Januar in der „Kurve“ Premiere. Auch ein neues Kinderstück von Elke Litzka, „Die Erbsenprobe“ nach dem Märchen der Brüder Grimm, steht in den Startlöchern. Uraufführung des Stücks für Kinder ab vier Jahren ist am 16. April. Bei den Gastspielen setzt Brockmeyer auf „Musik und Text in Kombination mit Tiefsinn und Humor“. Bespiele dafür bieten das „Chawwerusch-Theater“, das am 4. Februar mit „Der Präsident“ ein durchaus nachdenkliches Stück über den Vorsitzenden eines Karnevalsvereins präsentiert, das Georg-Kreisler-Programm „Schwärzer die Lieder nie klingen…“ mit Konstantin Schmidt am 13. Januar oder „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ des genialen Rainer Werner Fassbinder, das das „Ensemble déjà„-vu“ am 4./5. März in einer minimalistischen Inszenierung im „Theater in der Kurve“ zeigt. Auf jeden Fall im Sommer wieder auf der Welsch-Terrasse spielen will die freie Theatergruppe „Der Petunientopf“, sagt Leni Bohrmann, die mit ihrem Bruder Philipp die Truppe gegründet hat und bis heute leitet. Was gespielt wird, sei noch offen – eventuell eine Neubearbeitung des „Archivar von Krysta“ aus der Spielzeit 2013/14. „Wir würden daraus aber ein ganz neues Stück machen mit neuer Besetzung und neuem Titel“, sagt die Schauspielerin. Auch das aktuelle Stück „Haus der Diebe“ solle noch einige Male aufgeführt werden, unter anderem im Mai im Herrenhof. 2015 hat die Gruppe erstmals einen Kurzfilm gedreht. „In dieser Richtung würden wir gern weitermachen“, unterstreicht Bohrmann. Die Neustadter Gruppe „Theater Minko“ hat 2015 „eine künstlerische Pause“ eingelegt. Bodo Redner, bekannt unter anderem vom Edelhoftheater Kirrweiler und als Duo-Partner von Kerstin Bachtler, hat inzwischen fest die künstlerische Leitung übernommen. „Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht“, sagt er, denn der Verein habe nur noch etwa 30 Mitglieder, von denen nur noch fünf auf oder hinter der Bühne aktiv sein könnten oder wollten. Es habe deshalb Überlegungen gegeben, den Verein aufzulösen, doch man habe sich entschieden, noch einmal neue Wege zu versuchen. „Für Frühjahr haben wir eine Feier geplant, bei der sich die Gruppe vorstellt und zu der wir alle Leute einladen möchten, die Interesse daran haben Theater zu spielen“, berichtet Redner. Für das Edelhoftheater Kirrweiler, dessen künstlerischer Leiter er ebenfalls ist, wünscht sich Redner mehr Männer. Denn die Zahl, der Frauen, die mitspielen wollten, übersteige deutlich die der männlichen Akteure. Sicher sei, dass man kein typisches Volkstheater mehr machen wolle, wie es früher der Fall war, sondern den inzwischen eingeschlagenen Weg weitergehe. „Durchaus mit Humor, aber etwas hintergründiger“, beschreibt Redner die Richtung. Was im Herbst 2016 auf die Bühne komme, werde demnächst entschieden. Zwei neue Inszenierungen bringe das Mußbacher Puppentheater Dornerei in diesem Jahr auf die Bühne, berichtet Markus Dorner. Die erste der beiden, „Aladin und die Wunderlampe“, ist für Kinder ab vier Jahren und feiert am 24. April in der Herrenhof-Parkvilla Premiere. Das Stück für ist eine Koproduktion mit dem von Dorner geleiteten „Museum für Puppentheaterkultur“ in Bad Kreuznach. Ein weiteres Kinderstück mit dem Titel „Der Superwurm“, von dem es im Dezember bereits einige Voraufführungen für ausgewählte Gruppen gab, soll ab September gespielt werden. Dabei wird das Puppenspieler-Ehepaar Eleen und Markus Dorner nach einiger Pause erstmals wieder gemeinsam die Figuren führen. Neben eigenen Produktionen gibt es außerdem 2016 in der Herrenhof-Parkvilla wieder einige interessante Gastspiele, so am 15. April, wenn das Figurentheater Rosenfisch und das 3-T-Theater ihr Erwachsenenstück „Casanova“ vorstellen, und am 21. Mai, wenn die aus der Kika-Fernsehserie „Ki-Kaninchen“ bekannte Puppenspielerin Christian Bahrmann ihr Stück „Kasper und der Dinosaurier“ für Kinder ab vier Jahren präsentiert. Ein kabarettistischer Figurentheaterabend für Erwachsene mit dem Puppenspieler Michael Hatzius ist für 12. Juni geplant. Ebenfalls im Mußbacher Herrenhof, allerdings im Festsaal, steht am 20. Februar die Premiere einer humorvollen Klassikeradaption an: Das neu gegründete „Volxtheater Pfalz“ zeigt Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochene Krug“, die der Edenkobener Mundartautor Gerhard Becht in „gehobene pfälzische Mundart“ übertragen hat. Das Besondere bei „De zerdebberde Kruch“: Die Geschichte vom korrupten Dorfrichter Adam, der über eine Tat zu Gericht sitzen muss, die er selbst begangen hat, ist deutlich erkennbar in die Region um Neustadt verlegt. (ann)