Neustadt „Die Schnelligkeit kommt mit dem Alter“
«Neustadt.» Philipp Baron macht es Spaß, sich zu „quälen“. Der 15-Jährige aus Lachen-Speyerdorf betreibt seit rund sieben Jahren Ausdauerläufe. Jetzt freut er sich auf die Teilnahme an den süddeutschen Meisterschaften der Altersklasse U16 am Sonntag in Ingolstadt auf der 800-Meter-Strecke.
Der Schüler des Neustadter Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums kam bereits 2009 auf den Geschmack. Damals absolvierte er beim LC Haßloch ein Probetraining. Obwohl junge Leichtathleten im Alter von zehn Jahren meist noch „Allrounder“ sind und das gesamte Spektrum wie Ballwurf, Sprint und Weitsprung absolvieren, wusste Baron schon bald, dass er lieber längere Strecken läuft. „Das war schon damals ein sehr abwechslungsreiches Training bei Peter Koch. Er ist der Trainer, der mich immer wieder motiviert und weiter-bringt“, betont Baron. Denn lange Strecken sind auf vielen Belägen möglich. Im Winter mal ein Cross oder ein Volkslauf, im Sommer neben den Wettkämpfen auf der Bahn ein lockeres Training im Wald. Als Philipp Baron schließlich 2013 bei einem Crosslauf im Winter richtig schnell unterwegs war, bestätigte sich seine Entscheidung, mit seinen Kollegen Emil Leibrock und Reuben Kunitz zusammen die längeren Distanzen zu trainieren. Mit 1,76 Metern Größe und einem Gewicht von nur 53 Kilogramm bringt er auch die körperlichen Voraussetzungen mit, um schnell auf der Bahn unterwegs zu sein. Gespannt ist er auf die süddeutschen Meisterschaften am Sonntag. Dann hat er seinen ersten Auftritt auf einer richtig großen Leichtathletikbühne. Die Norm schaffte er mit seiner Bestzeit von 2:08,77 Minuten beim Abendsportfest in Pfungstadt. Dort steigerte er sich gleich um fünf Sekunden. „Noch bin ich nicht aufgeregt. Und ich denke, die Nervosität wird sich in Grenzen halten. Denn ich habe schon sehr viele Wettkämpfe absolviert und daher eine große Erfahrung“, betont er. Denn unter den 800-Meter-Läufern gibt es oft auch Rangeleien. Kurz nach dem Start, wenn jeder versucht, von den Außenbahnen auf die innere Bahn zu kommen und der Zug abgeht. Baron weiß, dass er auf diesen Zug aufspringen muss, damit die Lücke zu vorderen Platzierungen nicht zu groß wird. Aber andererseits ist das Leistungsvermögen unter den Konkurrenten breit gestreut. Taktisches Geschick ist gefragt, auch wenn die Mittelstreckler die doppelte Stadionrunde fast im Sprinttempo durcheilen. „Körner sparen für die letzten 300 Meter? Oder vorne gleich auf die Tube drücken?“ Diese Überlegungen spielen sich dann in Philipps Kopf ab. Er weiß auch, dass es beim Zieleinlauf noch einmal eng werden kann. Anders als bei den Sprintern haben die Mittelstreckler keine feste Bahn. Deshalb wird versucht, möglichst innen eine Lücke zu finden, um die entscheidenden Meter und damit Zehntelsekunden zu sparen. Wenn Philipp Baron 2018 in die Oberstufe kommt, liebäugelt der aktuelle Zehntklässler mit den Leistungsfächern Sport, Mathematik und Biologie. Als Leistungssportler hat er auch schon eine berufliche Richtung vor Augen. „Ein Studium mit Sport, vielleicht Richtung Sportmanagement könnte es sein“, überlegt er. Biologisch ist auch seine Ernährung, auf Chips und Süßigkeiten verzichtet er gerne. Lieber nascht er Obst und Gemüse oder Salat. Denn er steckt seine sportlichen Ziele noch höher. Die Norm für die Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft zum Beispiel. Natürlich fehlen ihm momentan noch einige Sekunden zur Spitze, aber er weiß: „Die Schnelligkeit kommt mit dem Alter, ich entwickle mich weiter.“ Das zeigt alleine seine Entwicklung der ersten sechs Monate 2017: eine Steigerung von 2:17 Minuten auf jetzt 2:08,44 Minuten. Dass er seine erste Trainingseinheit quasi schon mit seinem Schulweg absolviert, ist dabei fast Nebensache. Bei gutem Wetter radelt er täglich rund 20 Kilometer insgesamt. Dazu kommen das Tempotraining, meist dreimal in der Woche, und die „langsameren“ privaten Joggingrunden an den anderen Tagen. „Mir macht Sport enorm Spaß. Wenn ich das nicht machen würde, wüsste ich gar nicht, wie ich meine freie Zeit richtig sinnvoll ausfüllen könnte“, sagt er lachend. Und freut sich auf die nächste Einheit.