Neustadt Die Pfalz und die Welt

NEUSTADT. Großes Lob erhält die Neustadter Stadtbücherei vom neuen Kulturdezernenten Ingo Röthlingshöfer: Die Bibliothek sei „hervorragend aufgestellt in der Leseförderung“ und ein „wichtiger Baustein in der Bildungslandschaft“, so dessen Einschätzung. Kitas und Schulen griffen intensiv auf die Angebote zurück. Da es in Zeiten des Internets immer mehr Familien ohne Buch gebe, werde es umso wichtiger, „das Kulturgut Buch bei jungen Menschen zu etablieren“. Die Konzentration auf junge Leser spiegelt sich auch im Veranstaltungsprogramm der Bücherei wider.
Wenn im Jahresbericht unter 4 300 aktiven Lesern 50 Prozent Jugendliche aufgelistet werden, sei das für ihn „die schönste Zahl des Berichtes“ und das Verdienst von Büchereichefin Ulrike Schwartz und ihren Mitarbeiterinnen. Außerdem unterstrich Röthlingshöfer das große ehrenamtliche Engagement von Menschen, die sich jeden Samstag bei der Aktion „Vorlesen und mehr...“, beim „Lesesommer“ und im „Verein Freunde der Stadtbücherei“ einsetzten. Auf die Frage, ob die Bibliothek von möglichen zukünftigen Einsparungen betroffen sein könnte, antwortete er, zu dieser Befürchtung bestehe kein Anlass. Bei der Vorstellung des Veranstaltungsprogramms unterstrich Schwartz: „Wichtig ist uns zum einen, Leseförderung zu betreiben und zum anderen, jeden Monat eine Kinderveranstaltung anzubieten.“ Beim Erwachsenenprogramm setzt die Bücherei deshalb ganz auf die eingespielte Kooperation mit dem „Literarischen Forum“, das im ersten Halbjahr 2015 drei Autorenlesungen bietet, sowie der Deutsch-Französischen Gesellschaft und dem Förderverein. Das „LitFo“-Programm startete bereits in diese Woche mit der Krimi-Lesung mit Jan Seghers. Zwei Autoren aus Herxheim, Michael Bauer und Regina Pfanger, setzen sich danach am 20. März unter dem Motto „Götter, Götzen, Frömmler und Spötter“ lyrisch, prosaisch und ironisch mit der Pfalz auseinander. Dabei stellt Pfanger ihren Roman „Fast eine Liebesgeschichte“ und Bauer seinen kleinen Gedichtband „Pfalzkönig“ vor. Und die Begegnung mit dem historischen Roman „Das Licht der Welt“ des in Speyer lebenden Schriftstellers Christoph Lode, der unter dem Pseudonym Daniel Wolf veröffentlicht, gibt es am 29. April. Das Buch führt ins mittelalterliche Frankreich, nach Varennes-St.-Jacques im Jahr 1218. Dort versucht Bürgermeister Michel Fleury mitten im Krieg, seine Heimat Lothringen zu Frieden und Wohlstand zu führen. Beim Stichwort historischer Roman regte Röthlingshöfer dazu an, dass endlich ein spannendes Buch über das Hambacher Fest geschrieben werden sollte, da dieses bedeutende Ereignis bisher lediglich in Sachbüchern gewürdigt werde. Vielleicht wäre das ja ein Denkanstoß für Guido Dieckmann aus Haßloch ... Eine weitere Veranstaltungen für Erwachsene steht schon am kommenden Mittwoch, 21. Januar, an: Gisela Pütter, Märchenerzählerin und Vorsitzende des „Vereins Freunde der Stadtbücherei“, lädt zum „Eintauchen in eine Anderswelt“ ein, wenn sie erzählend alten Weisheiten in Volksmärchen nachspürt. Für Musik sorgt die Pfälzer Liedermacherin Martina Gemmar. Unter dem Motto „Tierisch heiter – Geschichten und Gedichte rund ums Tier“ schildert der ehemalige Grundschulrektor Hans-Joachim Schatz aus Edenkoben am 4. März kuriose Begegnungen mit exotischen Tieren, die er auf seinen Reisen durch alle Kontinente hatte. Anschließend liest er aus seinem Buch „Ist das Faultier wirklich faul?“, einer heiteren Tiernamenskunde. Über den Dichter, Staatsmann und Humanisten Alphonse de Lamartine (1790-1869) referiert der Romanist und Sprachwissenschaftler Georg Bossong auf Einladung der Deutsch-Französischen Gesellschaft am 13. März in der Stadtbücherei. Der große Sohn von Neustadts französischer Partnerstadt Mâcon setzte sich unter anderem für die Abschaffung von Sklaverei und Todesstrafe ein und trug zum Verständnis der nahöstlichen Kultur bei. Das Angebot wird komplettiert durch die 8. Familienrallye, die am 25. April ab 10 Uhr wieder unter dem Motto „Neustadt entdeckt die Welt der Bücher“ verschiedene Stationen in der Innenstadt ansteuert. Die große Abschlussveranstaltung mit Verlosung und Siegerehrung findet in der Bücherei statt. Beim Vergleich der Jahresstatistik verwies Schwartz auf einen Rückgang der Entleihungen vorwiegend von gedruckten Medien von 201.374 im Jahr 2013 auf 191.964 im Jahr 2014. Verdoppelt hat sich dagegen in zwei Jahren die Zahl der Onleihe-Entleihungen: von 7.300 im Jahr 2012 auf 15.870 im Jahr 2014. Gestiegen ist auch die Nutzung der sechs Internet-Plätze. Geringfügig erhöht hat sich die Zahl der Bibliotheksbesucher von 74.859 2013 auf 76.494 im Jahr darauf.