Neustadt / Bad Dürkheim / Grünstadt
Die Pfalz steht für Opposition: Exponate von der Weinstraße bei der bayerischen Landesausstellung
„Ludwig I. – Bayerns größter König?“, fragt die große Bayerische Landesausstellung, die noch bis November in Regensburg zu sehen ist. Mit dabei sind auch Exponate aus den Stadtmuseen entlang der Weinstraße, die jedoch eher die Schattenseiten dieses Monarchen berühren, der das moderne Bayern in gewisser Weise überhaupt erst erfunden hat.
In der Pfalz, die er von München aus gleichsam „mitregierte“, hat dieser König Ludwig, den man nicht mit seinem Enkel, dem Neuschwanstein-Ludwig, verwechseln sollte, einige Spuren hinterlassen: Die Stadt Ludwigshafen ist nach ihm benannt, und die Villa Ludwigshöhe in Edenkoben ließ er als Sommerschloss erbauen. Aber auch das Hambacher Fest fällt in seine Regierungszeit, die 1825 – vor 200 Jahren also – begann und mit der März-Revolution 1848 endete. Mit dieser Protestveranstaltung, mit der sich die liberale Opposition in Deutschland aus der Erstarrung der Restauration befreite, hängen auch die Exponate aus den Stadtmuseen von Neustadt, Bad Dürkheim und Grünstadt zusammen, die im Frühjahr für die Landesausstellung im Haus der bayerischen Geschichte die Reise an die Donau antraten.
Solidarität mit den „verbannten Patrioten“
Aus Neustadt wurde das „Loos“ mit der Nummer 5898 „des Frauen- und Mädchen-Vereins am Haardtgebirge“ aus dem Jahr 1833 ausgeliehen. Im Juni 2023 hätten sich die Regensburger erstmals gemeldet, berichtet Birgit Merkle, die Leiterin des Stadtmuseums. Bei ihrer Recherche für die Landesausstellung seien sie im Internet auf das Exponat gestoßen, mit dessen Hilfe die Familien derer unterstützt werden sollten, die nach dem Hambacher Fest festgenommen wurden oder fliehen mussten.
Im August 2023 hätten sich Mitarbeiter des Hauses der Bayerischen Geschichte das „Loos“ und andere Objekte dann in Neustadt angeschaut, so Merkle. Wie sie berichtet, wurde vom Stadtmuseum sogar eine Restaurierung des Papierstücks in Auftrag gegeben. Eine Fachspedition habe es dann Ende April nach Regensburg transportiert. Das Exponat ist im Katalog zu der Ausstellung abgebildet, dazu ein Erläuterungstext, den der frühere Neustadter Kulturdezernent und Landtagsabgeordnete Lutz Frisch beisteuerte. Wie Frisch schreibt, organisierte der eigens zu diesem Zweck gegründete „Frauen- und Mädchen-Verein“ unter anderem eine Tombola, um Geld für die Hilfsbedürftigen zu sammeln. Dazu gehört das „Loos“.
Für Grünstadt ist es die erste Leihgabe überhaupt
Auch eine schwarz-rot-goldene Fahne, die beim Fest 1832 mitgeführt wurde, hätten sich die Regensburger in der Villa Böhm angesehen, berichtet Merkle. Entschieden haben sie sich aber für eine andere Flagge aus dem Museum im Alten Rathaus in Grünstadt. „Für uns war das überraschend, es war das erste Mal, das eines unserer Exponate für eine Ausstellung angefragt wurde“, erzählt Joachim Specht, Vorsitzender des Altertumsvereins Grünstadt-Leiningerland, der das Museum betreut.
Der Bestand des Museums sei vor zwei bis drei Jahren auf die Internet-Plattform „Museum digital“ gestellt worden, berichtet Specht. Dort seien die Mitarbeiter des bayerischen Museums auf die Fahne aufmerksam geworden. Wie Specht erzählt, sei erst ein Fotograf gekommen, der das Textil mit den heutigen deutschen Nationalfarben fotografiert habe. Danach seien die Regensburger selbst angereist, um sich das altehrwürdige Tuch anzuschauen. Abgeholt wurde die Fahne dann von einer Spedition.
Auch das Exponat aus Grünstadt ist im Ausstellungskatalog abgebildet, dazu ein Text von Specht. Wie er berichtet, haben Teilnehmer des Hambacher Festes die Fahne bei ihrer Rückkehr nach Grünstadt in einem Wirtshaus liegen lassen, ob absichtlich oder unabsichtlich sei nicht bekannt. Die Fahne sei von der Wirtsfamilie wie eine Reliquie behandelt und immer an die älteste Tochter vererbt worden. Erst 2003 ging sie in den Besitz des Museums über.
Enorme Zunahme der Anfragen durch „Museum digital“
Sogar mit gleich zwei Stücken ist das Bad Dürkheimer Stadtmuseum in der Ausstellung über Ludwig I. vertreten: einem „Hambacher Tuchs“ und einer Kriegssense, die wohl bei der Revolution 1848 im Einsatz war. Wie Museumsleiterin Britta Hallmann-Preuß berichtet, ging eine Anfrage aus Regensburg speziell wegen dieser beiden Exponate bei ihr ein. Aufmerksam geworden seien die Bayern auch hier durch „Museum digital“.
Im Anschluss habe es regen Kontakt zwischen den Museen gegeben, erzählt Hallmann-Preuß weiter. Ein Mitarbeiter aus Regensburg, der angereist kam, habe sich aber nur das „Hambacher Tuch“ anschauen können, denn die Sense sei zu dieser Zeit für eine Ausstellung in Rastatt ausgeliehen gewesen. Seitdem der Bestand des Dürkheimer Stadtmuseums auf der Internet-Plattform zu finden ist, hätten die Anfragen nach Leihgaben „massiv“ zugenommen, sagt die Leiterin, die zur Eröffnung der Ausstellung in Regensburg auch eingeladen war, wegen anderer Termine aber nicht teilnehmen konnte.
Das „Hambacher Tuch“, das auch als „Hambacher Taschentuch“ bekannt ist, zeigt eine Darstellung des Festzugs zum Hambacher Schloss und Porträts von 16 führenden Teilnehmern des Festes sowie Allegorien für Weisheit, Besonnenheit, Tapferkeit und Gerechtigkeit. Die Sense ist so umgeschmiedet, dass sie als Waffe eingesetzt werden konnte.
Noch Fragen?
Die Ausstellung „Ludwig I. – Bayerns größter König?“ ist noch bis 9. November im Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg zu sehen.