Neustadt Die passenden Stimmen zu Dan Brown
Deidesheim. Mittelalterliche Kirchengesänge und klassischer Pop im Mönchsgewand – diese hippe Kombination boten die „Gregorian Voices“ am Montag in der katholischen Pfarrkirche St. Ulrich in Deidesheim. Das Programm war weitgespannt, von echten liturgischen Gesängen nach Art der Gregorianik über ein wenig barocke Mehrstimmigkeit bis hin zu „Klassikern des Pop“, die die zweite Konzerthälfte bestimmten.
Acht Männer in braunen Mönchskutten wie die des Franziskaner-Ordens agieren in der dämmrigen, mit Kerzen illuminierten gotischen Kirche – aber nein, sie kommen nicht aus dem Kloster. Sie singen auch nicht so, wie man das von der liturgischen Schola her kennt. „Gregorian Voices“ sind Konzertsänger aus Bulgarien, mit Stimmen von großer Schönheit, an Musikhochschulen für Bühne und Konzertsaal ausgebildet und nicht im Kloster für Stundengebet und Gottesdienst. Das hört man, und ihrer äußeren Aufmachung hängt etwas von Filmen nach Dan-Brown-Bestsellern an. Ein Programm im Sinne eines „Ablaufplanes“ zu diesem Konzert gibt es nicht (das erhältliche Programm enthält nur allgemeine Angaben zum Repertoire), man ist also auf die Wiedererkennbarkeit der Stücke angewiesen, was naturgemäß beim Pop einfacher ist. Wirklich aus dem Mittelalter stammen zwei Mariengesänge, der von Thomas von Aquin stammende lateinische Hymnus „Adoro te devote“, bis heute in der deutschen Übersetzung „Gottheit tief verborgen“ im Gesangbuch „Gotteslob“ der katholischen Kirche enthalten, und mehrere Gesänge, die aufgrund der Betonung der Bässe und einer slawisch klingenden Melodik wohl der orthodoxen Kirche zuzurechnen sind, darunter das Basssolo „Da Ispravitia“, das so tief liegt, dass man das Vibrieren auch als Zuhörer im eigenen Körper spürt. Der gregorianische liturgische Gesang des Mittelalters kannte kaum Mehrstimmigkeit – die galt als „weltlich“ –, höchstens gab es einen Bordun-Ton, auf dem die Melodie lag, oder die Melodie wurde von zwei Stimmen im Tonabstand zueinander geführt. Das bulgarische Ensemble kennt offenbar diese Regeln, legt sie aber im Interesse der musikalischen Wirkung auf heutige Zuhörer weit aus. Fast immer gibt es einen mehrstimmigen „Backgroundchor“, kombiniert mit dem Gesang in der kleinen, mehrstimmigen Solistengruppe oder dem Einzelsolo. Noch mehr Abwechslung entsteht durch das strophenweise Abwechseln der Solostimme. Der Hymnus „Adoro te“ mit sechs Strophen bekommt so sechs verschiedene Singweisen, immer basierend auf der gleichen Melodie. In manchen Momenten klingt der Chor wie das Geläut einer Glocke, rauschhaft. Barock und so auf dem Gipfel des mehrstimmigen Gesangs ist dagegen das „Cantate Domino“ von Heinrich Schütz, ein großartiges Zeugnis, was das Ensemble, singt es „klassisch“, zu leisten vermag. Der Schwerpunkt des Repertoires liegt aber eindeutig im Pop. „Pie Jesu“ aus dem Requiem von Andrew Lloyd Webber, nicht ganz klassisch und nicht ganz Pop, fand schon seinen Platz im ersten Programmteil, ebenso wie der Hit „Ameno“ der New-Age-Gruppe „ERA“ in einem Phantasie-Latein, das nichts mit Mittelalter, aber viel mit Schwarzer Romantik zu tun hat. Nun kommen „Hallelujah“ von Leonard Cohen, „Yesterday“ und „Imagine“, „Knockin` on Heaven`s Door“, „Fields of Gold“, „The Rose“, „I am Sailing“, „Sound of Silence“ dazu, vorgetragen meist als Solo mit Background-Chor, manchmal auch gemeinsam als Ensemble. Meist passt die starke Emotionalität von Song und Vortragsweise sehr gut zusammen, wenngleich es merkwürdig wirkt, wenn ein als Mönch mit Opernpathos „The Rose“, das Lied vom Liebesschmerz, singt oder man bei „Imagine“ immer die viel coolere, lakonischere Singweise von John Lennon im Kopf hat. Dafür kann man sich „Amazing Grace“, das Lied vom bekehrten Sklavenhändler, wirklich kaum besser gesungen vorstellen als hier