Neustadt
Die Mandelblüte in Zeiten Künstlicher Intelligenz
Wer mit einem durchschnittlichen Handy bei Google unter „Alle“ den Begriff „Mandelblüte“ eingibt, dem kann, wenn es der Algorithmus nicht gut mit ihm meint, Folgendes passieren: Zu sehen ist ein Bild von Mandeln in einem Glasschälchen, sodann die Frage: „Wo ist die schönste Mandelblüte?“, und darauf die Antwort: „… an Orten mit viel Landschaft, wie auf Mallorca, entlang der deutschen Weinstraße in der Pfalz (rund um Gimmeldingen …) sowie in exotischeren Regionen.“ Die gleiche Frage unter „KI-Modus“ – „KI“: Künstliche Intelligenz – und „Veranstaltungen 2026“: Dann rangieren als Antworten das „Mandelblütenfest Gleiszellen-Gleishorbach“ und die „Mandelblütentour Leinsweiler“ noch vor dem „Gimmeldinger Mandelblütenfest“.
Wie erfahren Hamburger, wie schön die Pfalz ist?
Das bedeutet: Man muss aufpassen, wenn man in der digitalen Welt die Nase vorne haben will – darin waren sich in der Gimmeldinger Meerspinnhalle an diesem Spät-Februar-Abend alle einig: 66 Gastgeberinnen und Gastgeber aus 50 Betrieben des Tourismus in und rund um Neustadt, Repräsentanten von Hotels, Ferienwohnungen und Weingütern mit besonderen Events. Eingeladen hatten Martin Franck und Monika Ellinger für den Bereich Gastgeberservice der TKS – Tourist, Kongress & Saalbau Neustadt. Seit 2022 versammeln sich Gastgeberinnen und Gastgeber aus Neustadt und den Weindörfern zweimal pro Jahr, um Aktuelles zu erfahren und zu besprechen.
„Die Bedeutung des Treffens steigt, das zeigen die Teilnehmerzahlen“, so Franck und Ellinger. Themen an diesem Abend: Digitalisierung, Datenqualität, Künstliche Intelligenz (KI). Letztere sei ja gut und schön, ist aus dem Auditorium zu hören, aber letztlich brauche man den Gast leibhaftig und persönlich. Anders formuliert: „Wie erfährt die Familie aus Hamburg, wie schön die Pfalz ist?“ Und wie erfährt sie, dass Gimmeldingen bei der Mandelblüte womöglich doch Vorteile hat im Vergleich zu Mallorca oder exotischeren Regionen, könnte man hinzufügen. Die Antwort auf solche Fragen hat viele Facetten; um die drehten sich die Informationen, die an diesem Abend von Experten gegeben wurden und die Diskussionen im Kreis der Gastgeber-Unternehmen – die ja stets „doppelt“ denken müssen: Wie mache ich es optimal für meinen Gast, aber auch gut genug für meinen Betrieb, der florieren soll?
KI hat ihre Grenzen
Der Eindruck des Betrachters: Die Zeiten werden rauer, aber die betroffenen Unternehmen lassen sich davon nicht erschrecken. Die Zeiten werden auch digitaler, aber auch das bereitet kaum jemandem schlaflose Nächte. Vanessa Dusemund und Martin Weier, Daten- und Projektmanager vom Dachverband „Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH Koblenz“, waren nach Gimmeldingen gekommen, um zu informieren und zu motivieren.
Kernbotschaften: KI kann unglaublich viel. Zum Beispiel Beschreibungstexte über Beherbergungsbetriebe nicht nur erstellen, sondern auch gleich ins Englische, Französische und Niederländische übersetzen. Oder auf Anfrage wochenlange Ferientouren mit allen Details korrekt zusammenstellen.
Aber: KI hat auch ihre Grenzen. Martin Weier erzählt ein Beispiel. Die KI schaffte es, seine geplante Tour durch Kanada fast minutiös durchzuplanen und ihm als Vorschlag zu präsentieren. Nur an einer Stelle klaffte plötzlich eine Lücke. Ein gesuchter Wohnmobil-Standort war nicht auffindbar. Ursache: Er hatte seine aktuellen Öffnungszeiten nicht als Daten „eingespeist“.
Es gibt auch noch pfalz.de und neustadt.eu
Bedeutet: KI ist abhängig von maschinenlesbaren, gut gepflegten, auf neuestem Stand befindlichen und frei verfügbaren Daten, denn wirklich „intelligent“ ist KI in Wahrheit gar nicht, sie kann nicht selbst kreieren, ohne zuvor umfassend und hochwertig mit Informationen „gefüttert“ zu werden. Und für das „füttern“ sind die Unternehmen verantwortlich, die von Kunden über KI-gestützte Suchmaschinen gefunden werden wollen. „Entweder“, so formuliert es Martin Weier in der Meerspinnhalle, „Sie pflegen Ihre Daten und liefern sie an KI, dann finden Sie als Unternehmen bei KI weiterhin statt.“
Hieße im Umkehrschluss: Wenn nicht, dann nicht. Wobei: Auch da ist, wie oft beim Digital-Thema, der Eindruck, dass bei gutem Willen der beteiligten Menschen nichts so heiß gegessen wird wie es gekocht wurde. Bei KI nicht „stattzufinden“ bedeutet nicht, aus der Welt zu sein, Seiten wie „pfalz.de“ oder „neustadt.eu“ bieten dann schon noch eine Plattform.
Entscheidend ist die Qualität des Angebots
In Neustadt ist der Gastgeberservice der TKS auch bei Digital-Themen Ansprechpartner für Gastgeber-Unternehmen. Auch in anderen pfälzischen Regionen stehen örtliche Tourist-Informationen nötigenfalls für Fragen zur Verfügung; niemand soll auf anonyme Callcenter ohne Ortskenntnisse angewiesen sein. „Unser Ziel ist es, dass potenzielle Besucherinnen und Besucher zuerst bei der Internetsuche und dann persönlich in der Pfalz landen und sehen, dass es da tolle Unterkünfte und spannende Unternehmungen gibt“, betont Monika Ellinger. Sehr gut gelinge das, wenn die Gastgeber-Unternehmen „Deskline“ nutzen, das Info- und Reservierungssystem von „Rheinland-Pfalz Tourismus“. Das habe zudem den Vorteil, dass Provisionen im Land blieben. Parallel dazu etwa bei „Booking.com“ oder „Airbnb“ engagiert zu sein, sei für die Anbieter aber durchaus ratsam. Entscheidend sei letztlich die Qualität des Angebots. „Und da braucht sich Neustadt vor niemandem zu verstecken.“