Neustadt „Die Luft wird dünn“

Etwas weniger Geburten, trotzdem ein steigender Bedarf an Plätzen in Kindertagesstätten: Das ist zusammengefasst die Botschaft des Bedarfsplans 2016/17 für die Neustadter Kindertagesstätten. Einstimmig wurde er am Dienstag vom Jugendhilfeausschuss beschlossen. Das Gremium unterstützte damit auch eine Botschaft von Sozialdezernent Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer (CDU) an die Stadt: Der notwendige weitere Ausbau sei nicht mehr günstig zu haben, „die Luft wird dünn“.
Dass der Bedarf an Kita-Plätzen künftig auch nicht mehr bei den Drei- bis Sechsjährigen gedeckt werden kann, hat demnach mehrere Ursachen: der weitere Bedarf an Plätzen für unter Dreijährige, die massiv steigende Nachfrage an Ganztagesplätzen sowie hinzukommende Flüchtlingskinder. Daneben sei mit mehr Kindern aufgrund aktueller Bauvorhaben zu rechnen, in der Kernstadt zum Beispiel Harthäuserweg oder die früheren Ibag- und Sulo-Flächen sowie der Jahnplatz in Lachen-Speyerdorf. Bislang konnte Röthlingshöfer zufolge mehr oder weniger kostengünstig erweitert werden; indes seien die Ausbau- und Neubaumöglichkeiten erschöpft. Weitere Projekte wiederum würden sehr schwierig, weil es weder Immobilien noch Grundstücke gebe. Darüber soll demnächst mit der Stadtplanung gesprochen werden. Ende 2015 gab es insgesamt 2034 Plätze in 31 Kindertagesstätten, 16 davon in städtischer, 15 in freier Trägerschaft. Von diesen 2034 Plätzen waren 1494 für Drei- bis Sechsjährige ausgewiesen, 440 für unter Dreijährige und 100 für Hortkinder (Schüler bis 14 Jahre). 919 der 2034 Plätze waren mit Ganztagesbetreuung, 1115 waren Teilzeitplätze. Hinzu kamen 117 Plätze im Waldorfkindergarten, bei der Internationalen Schule und in zwei Einrichtungen von Privatinitiativen, die alle nicht im Bedarfsplan enthalten sind. 63 dieser 117 Plätze waren mit Ganztagsbetreuung. Die Anzahl an Ganztagesplätzen wurde zuletzt stetig erhöht: von 615 im Jahr 2008 auf 919 aktuell, 45 davon allein im vergangenen Jahr. Ein Faktor war dabei, dass für Krippenkinder (0 bis drei Jahre, Ganztagsbetreuung) beim Wechsel auf einen Kita-Platz oft ebenfalls Ganztagsbetreuung nachgefragt wird. Daneben weist der Plan darauf hin, sich beim Ausbau des Ganztagesangebots noch stärker als bisher bei den Öffnungszeiten an den Bedürfnissen der Eltern zu orientieren: Viele wollen den Nachwuchs vor 8 Uhr bringen und nach 16.30 Uhr abholen. Für weitere Plätze und Sanierungsprojekte in eigenen Kindertagesstätten und jenen in freier Trägerschaft will Neustadt im laufenden Jahr 1,1 Millionen Euro investieren, Landes- und Bundeszuschüsse nicht eingerechnet. Das betrifft unter anderem die katholische Kita St. Bernhard (Projekt Soziale Stadt), die Kita Pestalozzistraße in Lachen-Speyerdorf (neue Küche), die protestantische Einrichtung in Hambach (Heizung) und die Kita Hetzelstift (neue Küche). Indes steht der Fachbereich Jugend, Familie und Soziales wegen des steigenden Bedarfs an Kita-Plätzen noch vor einem ganz anderen Problem: geeignetes Fachpersonal zu bekommen. Auch da werde die Luft dünn, wurde dem Jugendhilfeausschuss signalisiert. Durch den Kita-Ausbau sind die Personalkosten seit 2008 um rund 3,4 Millionen Euro auf knapp sieben Millionen Euro Ende 2015 gestiegen. Landeszuschüsse gibt es in Höhe von 30 Prozent für die Kindertagesstätten und von 45 Prozent für die Krippen. Angewiesen auf die Nachmittagsbetreuung sind auch viele Eltern von Grundschülern. 100 Hortplätze stehen dafür in Neustadt zur Verfügung, ihre Anzahl zu erhöhen, hat derzeit keine Priorität. Die Situation sei relativ entspannt, so der Bürgermeister, was den elf Fördervereinen Betreuende Grundschule zu verdanken sei. Insgesamt 539 Plätze bieten diese durch ehrenamtlichen Einsatz an. Darüberhinaus gibt es auch aktuell bereits eine kleine Anzahl an Tagespflegeplätzen für Zwei- bis Dreijährige, weil kein Kita-Platz frei ist. Auf einstimmigen Beschluss des Jugendhilfeausschusses ist ein solcher Platz auch weiterhin für Eltern in jenem Umfang beitragsfrei, den eine Teilzeitunterbringung in der Kita kosten würde. (ahb)