Neustadt Die Konferenz der Tiere

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Neustadt/Edenkoben. Schon seit seiner Kindheit in Edenkoben ist Hans-Joachim Schatz ein großer Tierfreund. Als Schulleiter in Neustadt setzte er sich dafür ein, dass die Westschule nach dem Tierforscher Heinz Sielmann benannt wurde. Und schon 1998 las er erstmals selbsterlebte Tiergeschichten in der Schule vor. Seit 2008 im Ruhestand, hat er mittlerweile auch ein Tierbuch für Erwachsene geschrieben. Geschichten und Buch präsentiert er nun am kommenden Mittwoch in der Neustadter Stadtbücherei,

„Ist das Faultier wirklich faul?“ hat Schatz sein Buch genannt, was ein wenig an Reinhard Lebes Klassiker „War Karl der Kahle wirklich kahl?“ erinnert, in dem historische Beinamen auf ihren Wahrheitsgehalt abgeklopft wurden. Einen ähnlich aufklärerischen Ansatz verfolgt auch Schatz: Es geht um diskriminierende Namensgebung im Tierreich. 1981 ist er in Costa Rica einem Faultier begegnet, und das sei gar nicht faul gewesen, sondern habe sich mühsam abgerackert, um über eine Asphaltstraße zu kommen, erzählt er. Diese Begegnung hat Schatz, wie viele andere Erlebnisse mit Tieren, im Lauf der Jahre aufgeschrieben und vor allem mit Schulkindern besprochen. „Ich hatte mir überlegt, dass das auch für andere interessant ist“, sagt er. Die Lesungen an Schulen wurden über das Pädagogische Zentrum organisiert, und er bekam die Zeit auf sein Stundendeputat angerechnet. Über 90 Lesungen in Schulen in ganz Rheinland-Pfalz habe er so gehalten, erzählt Schatz. Bei einem Urlaub in Lanzarote 2010 habe er, ausgehend von dem Erlebnis mit dem Faultier, über Tiernamen nachgedacht. „Ich bin eingetaucht in die Welt der Phantasie und habe mir überlegt, was das Faultier wohl zu seinem Namen sagen würde, wenn es reden könnte“, erinnert sich Schatz. Wieder zu Hause in Edenkoben, durchforstete er diverse Lexika und fand viele Namen, auf die die Tiere gewiss stolz wären, aber auch etliche Beleidigungen. „Warum nennt man ein Tier Vielfraß, Palmendieb, Totengräber, Bratpfannenwels, Dolchstichtaube oder Lump?“, fragt Schatz. Daraus entstand die Idee, ein Buch zu schreiben, in dem sich die Tiere zu ihren Namen äußern können. Ort des Geschehens ist die fünfte Welttierkonferenz in Kenia. Verfasst ist das Ganze in Versen. Wie es dazu kam, das weiß er selbst nicht so genau. „Ich habe mir aber große Freiheit bei den Regeln der Metrik und beim Rhythmus der Verse genommen“, sagt er. Es ist sehr vergnüglich, auf knapp 60 Seiten zu lesen, wie die Tiere bei der von einem Marabu geleiteten Konferenz zusammenkommen, was sie über ihre Namen sagen und wie sie schließlich einen Brief an die Vereinten Nationen schicken und darum bitten, dass die unschönen Bezeichnungen geändert werden. Natürlich ohne Resonanz. Auch ist es beeindruckend, was es alles für Tiere gibt, von denen man noch nie etwas gehört hat. Wer kennt schon die Riesendampfschiffente, den Lachenden Hans, die Lanzenotter oder die Elefantenspitzmaus. Nicole Bertram hat die Geschichten mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen illustriert. Während sich die Tiere in „Ist das Faultier wirklich faul?“ wie Menschen verhalten, ist das bei Schatz’ anderen Geschichten nicht der Fall. Sie basieren auf Erlebnissen, die der Edenkobener auf seinen Reisen in viele Länder der Erde hatte und sind keineswegs durchweg amüsant, sondern regen manchmal auch zum Nachdenken an. Schon als junger Mann ist er nach Israel, Indien, Ceylon (das heutige Sri Lanka) und Marokko gereist. Als Lehrer war er einige Jahre im Auslandsschuldienst in El Salvador und in Barcelona tätig. Dabei habe er jeweils die Gelegenheit genutzt, mit seiner Familie auch in andere Länder der Region zu reisen und vor allem die Natur zu erkunden, erzählt Schatz. So hat er viele exotische Tiere kennengelernt. In El Salvador sei manchmal ein Leguan in seine Wohnung gekommen, einmal habe eine giftige Agakröte in der Badewanne gesessen. Zum Tierfreund wurde Schatz allerdings nicht in fernen Landen, sondern in der heimischen Pfalz: Als Kind sei er häufig in die Venninger Wiesen bei Edenkoben gegangen und dort unter anderem Rebhühnern, Fasanen, Fröschen und Schmetterlingen begegnet, erinnert sich der heute 70-Jährige. Studiert hat er dann aber nicht etwa Biologie, sondern Mathematik.

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