Neustadt Die Katze miaut zum Herzerweichen

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«Kirrweiler». Wenig bekannte, aber aufregende deutsche Barockmusik, präsentiert von vier US-Musikerinnen – das gab es am Samstag in der barocken Kirrweilerer Marienkapelle. Und das Publikum erfuhr ganz nebenbei, dass es in New York eine ziemlich lebendige Alte-Musik-Szene gibt und begegnete mit Claire Jolivet einer der führenden Barockviolinistinnen des Landes.

Jolivet und ihre Violinkollegin Theresa Salomon, die Cembalistin Gwendolyn Toth und die Barockcellistin Ariane Lallemande waren zwar nicht extra wegen der Kirrweilerer Kammerkonzerte nach Europa gekommen, Anlass war vielmehr ein Familientreffen, aber die Zuhörer in Kirrweiler kamen so zu einem exzellenten – und sehr unterhaltsamen – Konzert mit Stücken des 17. Jahrhunderts, bei denen jeweils die beiden Violinen die Hauptrolle spielten. Dazu gab’s zwei Stücke für Cembalo Solo. Und vielleicht typisch amerikanisch: ein kleines bisschen mehr „Performance“, als bei uns üblich, gehörte auch dazu. Das zeigte sich schon beim ersten Stück, einer „Sonata a due violini soli“, also für zwei Violinen solo, bei der zunächst Jolivet spielend vom Eingang bis zum Chor hereinschritt und dann nach einigen Solo-Takten von Theresa Salomon unterstützt wurde. Komponist der Sonata war Johann Vierdanck, ein deutscher Organist und Komponist, der 1648 ziemlich jung starb und von dem man nicht allzu viel weiß, außer dass er wohl aus einer thüringischen oder sächsischen Musikerfamilie stammte und zuletzt als sehr gut bezahlter Organist in Stralsund wirkte. Die beiden Violinistinnen spielten das reich verzierte Stück lebhaft und energiegeladen. Rund 20 Jahre jünger war der Komponist Johann Caspar Kerll, von dem man womöglich noch weniger weiß. Geboren im Vogtland, war er zu Lebzeiten sehr berühmt nicht nur als Organist, Cembalist und Komponist, sondern auch als Lehrer. Er schuf vor allem geistliche Musik, war vor allem in München und Wien tätig und starb 1693. Eine Triosonate in F von ihm spielten die vier Musikerinnen zusammen, wobei die beiden Violinen die musikalische Hauptrolle hatten und sich in den ineinandergreifenden Solistenstellen immer wieder abwechselten und ganz gleichberechtigt waren in der Führung. Cello und Cembalo beschränkten sich gemeinsam auf den basso continuo. Das vielleicht amüsanteste Stück des Konzerts war eine Violinsonate von Heinrich Biber, gespielt unter Begleitung von Cello und Cembalo von Claire Jolivet. Eingebettet in kleine verbindende Allegros und Adagios war die Nachahmung von Tierstimmen, meist auf einem Bordunton vom Cello. Es gab, täuschend echt, den Nachtigallenschlag, Frösche im Teich, eine gackernde Henne und den Hahn, Wachteln und eine hinreißend miauende Katze. Man konnte regelrecht vor Augen sehen, wie sie das Köpfchen am Bein des Besitzers rieb. Kaum ein Zuhörer konnte sich ein Lächeln verkneifen. Abschluss des Stückes war erst ein Musketiermarsch, bei dem das Cello mit dem dunklen Klang quasi die große Trommel schlug, und dann eine lebhafte Allemande, ein Tanzstück. Die Parade der zu ihrer Zeit berühmten und heute außer bei Barockspezialisten vergessenen Komponisten ging weiter mit einer Pastorella von Johann Heinrich Schmelzer, bei der die Rollenverteilung zwischen Violinen und Continuo-Instrumenten die gleiche blieb, mit einer lyrischen Sonate in e-Moll von Johann Rosenmüller und einer Sonate und anschließender Tanz-Suite von Dietrich Becker. Zwei Cembalo-Solo-Stücke zeigten, dass Gwendolyn Toth mit ihrem Instrument auch solistisch viel zu bieten hat: Das eine war eine eindrucksvolles Verzierungsstück von Bernhard Schmidt d. J. über ein Madrigal von Gabrieli, das andere von Heinrich Scheidemann.

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