Edenkoben / Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Die Hardrocker „Trance“ knüpfen mit ihrer Scheibe „Metal Forces“ nahtlos an alte Zeiten an

„Die Zukunft liegt in der Vergangenheit“, könnte das Motto der neuen Trance-Scheibe „Metal Forces“ lauten, denn die Band knüpft
»Die Zukunft liegt in der Vergangenheit«, könnte das Motto der neuen Trance-Scheibe »Metal Forces« lauten, denn die Band knüpft damit nach vielen Umbrüchen an ihre großen Erfolge aus den 80ern an, als sie sogar in England die Charts eroberte.

Es gibt Neues von „Trance“. Neues zumindest was die Veröffentlichungen der seit 1978 bestehenden Gruppe betrifft. Auch das Personalkarussell hat sich – wieder einmal – weitergedreht. Was die stilistische Ausrichtung angeht, scheint sich das Quintett um Mastermind Markus Berger aber auf ewig treu zu bleiben. Und so könnte die neueste Scheibe „Metal Forces“ genauso gut direkt im Anschluss an die ersten Erfolgsalben der Band, „Breakout“ und „Power Infusion“, Anfang der 1980er Jahre erschienen sein.

In jenen Tagen, als „Trance“ noch ausschließlich aus Musikern bestand, die in Neustadt und Edenkoben wohnten, gehörten sie – nicht nur in Deutschland – zur Speerspitze der aufkeimenden Heavy-Metal-Bewegung. Ein Blick auf die vorderen Plätze der Charts von damals erinnert noch daran. Sogar in England schafften „Trance“ den Sprung auf Platz eins der dortigen Import-Charts. 1993 zeigten sich dann erste Auflösungserscheinungen. Ein Album mit den bezeichnenden Titel „Boulevard Of Broken Dreams“ läutete den Untergang des einstigen Flaggschiffes des melodischen Hardrock ein. Ein Teil der ursprünglichen Besatzung machte mit neuen Musikern als „Trancemission“ weiter. Um „Trance“ selbst blieb es dann erst einmal lange sehr ruhig

. Dann aber, 2016, meldete sich die neu formierte Combo mit „The Loser Strikes Back“ eindrucksvoll zurück. Auch wenn der Sänger und der Rhythmusgitarrist dieses Line-Ups schnell wieder eigene Wege gingen, mit dem Duttweilerer Gitarristen Markus Berger und dem Edenkobener Bassisten Thomas Klein, die schon Gründungsmitglieder der Ur-„Trance“ waren, sowie dem Frankenthaler Schlagzeuger Andreas „Neudi“ Neuderth war der Kern der heutigen Truppe gefunden. Dazugestoßen sind anschließend die Niederländer Nick Holleman am Mikrofon und Joris van Rooij an der Gitarre. Dieser Fünfer zog sich letztes Jahr ins Studio zurück und spielte die nun seit kurzem vorliegende Langrille „Metal Forces“ ein. Leider ist van Rooij aus privaten Gründen mittlerweile schon wieder ausgestiegen, für ihn ist jetzt der Rheinhesse Kalli Coldsmith neu hinzugekommen.

Zehn Songs, die einem kaum Zeit zum Durchatmen lassen

Auf „Metal Forces“ finden sich zehn Songs wieder, sieben davon geschrieben von Berger. „Deep Dance“ entstand in Kooperation von Berger und Holleman, und „Believers“ entsprang der Zusammenarbeit mit Hans-Peter Jantzer, aus dessen Feder auch das längste Stück der Scheibe, „Ballad For A Group“, stammt. Jantzer war Mitglied bei „Trance“, noch bevor diese ihre erste Platte aufnahmen.

Er war auch schon mit den Vorgängerbands „Tribut“ und „Age“ auf der Bühne gestanden. Damals war ihm die Ballade für eine Gruppe eingefallen, an die sich Berger erinnerte, als er 2018 mit dem Songwriting für „Metal Forces“ startete. „Ballad For A Group“ erinnert in seinem Aufbau stark an eines der bekanntesten „Trance“-Stücke „Baby Child“, was eingefleischten Anhänger der Gruppe – und davon gibt es nach wie vor nicht wenige – besonders freuen dürfte. Die Kontaktaufnahme von Berger und Jantzer führte sogar dazu, dass letzterer für „Believers“ noch einmal selbst zur Gitarre griff und nun erstmals auch als Gast auf einer „Trance“-Scheibe zu hören ist.

Das Titelstück zeigt die Band in allerbester Spiellaune

Titel Nummer acht, „The Drums Of Waterloo“, ist eigentlich gar kein richtiger Song, sondern mit einer Spieldauer von gerade mal 40 Sekunden eher als Intro für das darauf folgende Titelstück „Metal Forces“ zu verstehen. Dieses wiederum stellt ein echtes Highlight dar und zeigt die Band in glänzender Spiellaune, bei der sie alle ihre Stärken unter Beweis stellen kann. Holleman ist ein ausgezeichneter Shouter, die Gitarristen Berger und van Rooij scheinen sich gegenseitig überrennen zu wollen, während Klein und Neuderth ihre Kollegen mit hartem Groove schonungslos vor sich hertreiben. So wollen die Fans „Trance“ hören, so fühlen sie sich zurückversetzt in ihre Jugend, als sie in sämtlichen Rockdiskotheken zu Bandklassikern wie „Break The Chains“ oder „Heavy Metal Queen“ die langen Haare fliegen ließen.

Ein weiteres Glanzlicht stellt „As Long I Live“ dar, zu dem „Trance“ vor wenigen Tagen ein sehenswertes Video auf Youtube hochgeladen haben. „The Fighter“ wurde von Berger bewusst im Stil von „Storm & Thunder“, einem „Trance“-Meilenstein vom 83er-Erfolgsalbum „Power Infusion“, konzipiert. Der Song war zu der Zeit richtungsweisend in Sachen Speed Metal. „Fighter“ schließt sich dem Tempo des älteren Stücks nahtlos an.

Warum es „The Horns Of Jericho“ mit einer Minute Spielzeit auf die Schallplatte geschafft hat, bleibt allerdings ein Rätsel. Mit Wohlwollen betrachtet, ließe sich die Ansammlung von Geräuschen bestenfalls als Übergang zwischen „Believers“ und „As Long As I Live“ bewerten, nur dazu geschaffen dem Zuhörer zwischen diesen beiden Hochgeschwindigkeitsnummern eine kurze Zeit zum Verschnaufen zu gönnen. Tatsächlich findet sich auf dem gesamten Album nicht eine einzige Ballade, bei der die Musiker den Fuß vom Gaspedal nehmen. Lediglich „Deep Dance“ ist ein im Midtempo gehaltener völlig außergewöhnlicher Song, der zunächst so gar nicht zum Albumkonzept zu passen scheint, seine Wirkung dann aber immer mehr entfaltet.

Tatsächlich handelt es sich dabei um den Soundtrack zu Bergers Kopfkino. Der hat sich nämlich mit dem Untergang der Titanic beschäftigt und wollte nun auch selbst einmal Filmmusik dazu schreiben. Dass die am Anfang von „Deep Dance“ zu hörenden Motorengeräusche der Titanic dann erstaunlich gut zur Komposition passen ist seiner Aussage nach reiner Zufall. Berger und „Trance“ ist es mit „Metal Forces“ gelungen, ein zeitgemäßes Album zu veröffentlichen, ohne dabei den Spirit früherer Zeiten zu verleugnen. Die Vinyl-Erstauflage der LP ist bereits vergriffen, als CD – auch im limitierten Digipack – ist sie aber weiterhin überall erhältlich.

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