Neustadt Die goldenen Jahre sind vorbei
Gut 50 Ponys und einige Pferde stehen derzeit noch auf der Ponyfarm nahe beim Holiday Park. Wer schon einmal ein Pony oder Pferd versorgt hat, weiß, wie viel Arbeit das mit sich bringt. Und die Tiere wollen mit Futter versorgt und tierärztlich betreut werden. 300 Euro Tageseinnahmen seien dazu nötig, erklärt Ulrich Tettenborn im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Diese Summe würde noch viel höher ausfallen, wenn die Familie nicht selbst Heu und Stroh produzieren und das Futter von großen Betrieben der Vorderpfalz zu einem geringen Preis erhalten würde. „Dafür bekommen sie von uns Pferdemist zum Düngen“, so Tettenborn. Der Betrieb, der früher 25 Mitarbeiter beschäftigte, verfügt über die älteste und größte Dartmoorponyzucht in Deutschland. Der Seniorchef hatte sich auf diese Rasse, die heute noch auf der Roten Liste der Haustierrassen zu finden ist, spezialisiert. Denn für seine Zwecke benötigte er Kinder-Pferde. Die Dartmoor seien dafür einfach wie geschaffen, denn sie hätten ein Faible für Kinder, könnten Ruhe bewahren und mit Kindern verlässlich umgehen: „Sie sind nicht umsonst von der Unesco als pädagogisch wertvolle Rasse eingestuft worden. In all den Jahren hat nie ein Tier getreten oder gebissen“, erzählt Tettenborn. Ab 1970 widmete er sich dann auch der Zucht, die heute noch zu den Einnahmequellen gehöre. Es waren goldene Zeiten. Allein 70.000 Mark verdiente man an einem Tag mit dem Ponyfest auf der nahe gelegenen Rennbahn. Aber die Zeiten hätten sich geändert. „Nach dem Mauerfall wurden die Menschen mehr zur Kasse gebeten, und die Amerikaner sind auch weg“, so Tettenborn. Die Ponyfarm war nämlich Partner der US-Reitschule in Heidelberg. Regelmäßig sei man mit den Ponys dorthin gefahren, und deren Schulklassen seien hergekommen. Eine sehr gute Einnahmequelle, die nun versiegt sei. Immer mehr Menschen hielten zudem privat Ponys oder Pferde, was ja generell in Ordnung sei. Aber die Blüten, die diese Pferdehaltung treibe, sieht Tettenborn kritisch: „Die geben schwarz Reitunterricht, haben jedoch selbst oft keine einzige Reitstunde genommen. Sie arbeiten mit fragwürdigen Pferden, und auch die Frage nach der Haftpflicht scheint angebracht.“ Der Mindestlohn sei ebenfalls ein Problem. Die Einführung der Ganztagsschule habe der Ponyfarm dann den letzten Lebensnerv gezogen. Die Kinder hätten unter der Woche schlichtweg keine Zeit. Dazu kommt, dass Tettenborn mit seinen 86 Jahren wirklich nicht mehr der Jüngste ist. Sein 1986 gegründetes Internationales Pony-Show-Ensemble, mit dem er sogar im Ausland auf Tournee ging und das eine gute Werbung für die Ponyfarm war, könne er heute kaum noch führen. Und sein Sohn habe so viel um die Ohren, dass er diesen Part nicht auch noch übernehmen könne. Die Ponyfarm ist heute ein reiner Familienbetrieb, Ulrich Tettenborn, seine Frau Helga, sein Sohn Frank und die Schwiegertochter halten das Unternehmen am Leben. Lediglich ein paar Vereinsmitglieder, die ihre Pferde hier untergestellt haben, greifen ein wenig unter die Arme. Mehr Einstellpferde könne man jedoch nicht aufnehmen, sagt Tettenborn, da sich die betriebliche Struktur dafür einfach nicht eigne. Die Kinderpension, in der bis zu 30 Kinder ihre Reitferien verbringen können, laufe noch gut, sagt der Seniorchef – obwohl auch hier die Zahlen zurückgingen. Die Kinder brauchen nach seiner Ansicht keinen großen Luxus: Sie wollten einfach nur reiten und ein gutes Essen. „Sie brauchen einen Ansprechpartner, jemand der sie betreut und tröstet, einen guten Draht zu ihnen hat“, so Tettenborn. Zudem könne man mit der traumhaften Lage punkten. Ein Teufelskreis! Denn natürlich wird Geld dringend benötigt, um die Anlage attraktiver gestalten zu können, damit die Einnahmen wieder steigen. Aber diese Maßnahmen kosten Geld, das zurzeit nicht vorhanden ist. Daher hat Tettenborn das „Kasperletheater“ ins Leben gerufen, dass zumindest etwas Gewinn abwirft. Noch geht es, sagt der Seniorchef. Aber was wird, wenn Tettenborn und seine Frau nicht mehr mit anpacken können, weiß niemand. Es wäre sicherlich schade um die Ponyfarm, eine Institution, die weit über die Grenzen Haßlochs ein Begriff ist und glanzvolle Zeiten erlebt hat. Überall in den Räumen der Farm hängen unzählige Auszeichnungen, Preise und Ehrungen, die dies eindrucksvoll dokumentieren. „Aber ich will nicht klagen. Ich hatte ein erfülltes Leben“, sagt der für sein Alter noch sehr rüstige Tettenborn, der von den Kindern auch liebevoll „Teddy“ genannt wird. Und auch seine Frau Helga meint: „Ich finde es schön, zu wissen, für was wir gelebt haben. Dass wir etwas geschafft und gemacht haben, das bleibt, wenn wir gehen.“