Neustadt Die Flüchtlingsmanager
Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer und Sozialamtsleiterin Marion Walz sind ein eingespieltes Team geworden. Stets zu zweit sind sie unterwegs, um den Bürgern vor Ort zu erklären, was mit der Ankunft weiterer Flüchtlinge auf sie zukommt. Jeder weiß, was sein Part ist. Es geht darum deutlich zu machen, wie dringend der Bedarf an Unterkünften ist und wie schnell die Planungen immer wieder von der Realität überholt werden. Und darum, Ängste anzusprechen und den Bürgern zu danken. Zum Beispiel dafür, dass von den etwa 425 Flüchtlingen, die zurzeit in der Stadt leben, 325 in „normalen“ Wohnungen leben. „Viele Hausbesitzer sind unserem Appell gefolgt und haben Wohnungen zur Verfügung gestellt“, sagt Röthlingshöfer. Dankbar ist die Verwaltung auch für die Hilfsbereitschaft der Bürger. In Lachen-Speyerdorf, wo gerade hinter der Festhalle die Infrastruktur zum Aufbau von 14 Mobilhomes geschaffen wird, hat der Verein „Netzwerk Hilfe“ angekündigt, die Hilfe zu koordinieren. Die ersten Häuschen, die die Stadt Campingplätzen abgekauft hat, sollen am 5. Oktober kommen. Zweiter möglicher Standort ist der Bolzplatz beim Lidl-Kreisel in Speyerdorf, dafür gibt es aber noch keine Mobilhomes. Ziel sei es, in den Häuschen Familien unterzubringen, sagt Walz in der Lachener Festhalle. Macht aber auch deutlich, dass die Stadt das nicht garantieren kann; dass sie keinen Einfluss darauf hat, welche Flüchtlinge ihr zugewiesen werden. Bisher seien es vorwiegend alleinreisende junge Männer gewesen, inzwischen kämen zunehmend Familien. Das zeigten schon die Bilder im Fernsehen. Wie wird unsere Sicherheit gewährleistet?, will jemand wissen. Walz zeigt Verständnis für mögliche Ängste, betont aber: „Es gibt kein Sicherheitsproblem. Das sind Menschen wie du und ich.“ Walz und Röthlingshöfer wissen, dass es trotz der weit verbreiteten Hilfsbereitschaft immer auch den ein oder anderen Vorbehalt gibt, und sie sind darauf vorbereitet. „Ich habe regelmäßig Kontakt zur Polizei, im Umfeld der Gemeinschaftsunterkünfte gibt es keine erhöhte Kriminalität“, betont Walz. Streiffahrten der Polizei dienten auch dem Schutz der Bewohner. Insgesamt erleben Röthlingshöfer und Walz die Atmosphäre in Lachen-Speyerdorf als „sehr entspannt“. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, weiß der Bürgermeister durch den Austausch mit Kollegen aus anderen Städten. „Das ist örtlich völlig unterschiedlich“, sagt er. Nicht ganz so einfach war es für die Verwaltung im Mehrgenerationenhaus, wo schon nächste Woche Flüchtlinge einziehen werden. „Da gab es bei den Mitarbeitern schon eine große Traurigkeit“, erzählt Röthlingshöfer. 70 offene Gruppen gibt es dort, vom Mittagessen mit Kinderbetreuung über das philosophische Café bis zum Hip-Hop-Tanz. Rund 350 Besucher kommen pro Woche, für viele ist es eine Art Familienersatz. Als Flüchtlingsunterkunft ist das Mehrgenerationenhaus nicht zuletzt deshalb ausgewählt worden, weil es als öffentliche Einrichtung über den geforderten Brandschutz verfügt. Es kann deshalb sofort belegt werden. Bei anderen Gebäuden ist das nicht der Fall. Im Gästehaus in der Hambacher Andergasse beispielsweise müsse im Treppenhaus noch nachgerüstet werden, sagt Röthlingshöfer. Das Problem: Brandschutztüren haben zurzeit eine lange Lieferzeit. Die Angebote des Mehrgenerationenhauses können zumindest teilweise verlegt werden: in den früheren Kinder- und Schülerhort am Viehberg. Die Räume gehören der Stadt. Weitere Ausweichquartiere werden noch gesucht.