Neustadt Die Esel sind gesattelt

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Es sind weder Poitou- noch andalusische oder Provence-Esel: Es sind vier bayerische Nutztiere, die der Versorger Energie Südwest jetzt in Landau für jedermann zur Verfügung stellt – vier Elektroautos vom Typ BMW i3, echte Viersitzer mit passablem Kofferraum. Energie Südwest hatte das neue Car-Sharing-Angebot bereits auf der Wirtschaftswoche vorgestellt, jetzt geht es los. Und wie: Bei der öffentlichen Auftaktveranstaltung sollte eines der Fahrzeuge als Fotomodell auf den Hof gefahren werden, lies sich aber nicht öffnen. Das war keine Panne – eine neue Nutzerin des Systems war einfach schneller und hatte das Fahrzeug schon online für sich reserviert. Der Verfasser dieser Zeilen durfte dann mit dem zweiten Wagen über den Hof rollen. „Das Thema Elektromobilität ist zurzeit in aller Munde“, sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Waßmuth, der vom baldigen Durchbruch der Technik ausgeht, denn „der politische Wille ist weltweit da“. Stichwort Lärm und Luftreinhaltung – zumindest, wenn man Ökostrom tankt. Die Branche rechnet damit, dass die Herstellungs- und die Batteriekosten für die Flitzer drastisch sinken und bis 2023 „auf dem Niveau von Autos mit Verbrennungsmotor ankommen“. Als Möglichkeit zum Kennenlernen hat die Energie Südwest ihre Car-Sharing-Flotte angeschafft, die, wenn sich Partner finden, auch gerne noch um andere Fahrzeugmodelle wachsen soll. Denn die BMW sind neben den amerikanischen Tesla schon eher Oberklasse bei den Stromern und kosten in der Top-Ausstattung deutlich über 40.000 Euro. Die 66-jährige Ines Busch aus Landau hatte bei der Premiere keinerlei Berührungsängste bei den Hightech-Autos: „Ich fange heute an und nehme gleich eines mit.“ Ihr Rollator kam in den Kofferraum, dann konnte es losgehen, denn sie musste gleich am nächsten Morgen zum Arzt nach Kandel, will ansonsten Freunde treffen und auch abends mal eine Veranstaltung besuchen. „Da kommt man ja überall mit dem öffentlichen Nahverkehr hin, aber oft nicht mehr heim, und das Taxi ist mir auf Dauer zu teuer“, erklärte sie. Neue Freiheiten also. „So ein schnelles Auto bin ich noch nicht gefahren, aber das macht mir nichts aus“, erzählte Busch, die, um ihre Kinder zu beruhigen, erst im vergangenen Jahr eine Fahrsicherheitsprüfung abgelegt hat. Stichwort schnelles Auto: 175 PS machen die BMW nur lärmtechnisch zu Schleichern, nicht aber bei der Fahrdynamik, versichert Viktor Jung, der sich bei Energie Südwest um die Autos kümmert und auch andere Modelle schon gefahren ist. In 7,3 Sekunden sind die BMW von Null auf 100, bei 150 werden sie abgeriegelt, damit die Akkus sich nicht zu schnell leeren. Auf dem Papier haben die Wagen 300 Kilometer Reichweite, im Alltag seien es wohl eher 250, vermutet Waßmuth. Die Stromkosten pro 100 Kilometer gibt er mit etwa fünf Euro an. Daheim an der normalen Steckdose dauere das Laden eine ganze Nacht, an modernen Stromzapfsäulen sind die Akkus in zwei Stunden voll. Das Schöne daran: Wer an Energie-Südwest-Zapfsäulen „tankt“, zahlt dafür nichts. Bisher gibt es zwei, eine vor dem Firmensitz in der Industriestraße, eine auf dem Alten Messplatz, aber noch in diesem Jahr sollen 18 weitere Standorte in Landau und den Stadtdörfern dazukommen. Die Esel-Flotte – eigentlich müsste man von Herde sprechen – ist nicht an feste Standorte gebunden. Nutzer dürfen die Wagen überall im Stadtgebiet abstellen (fahren darf man auch außerhalb Landaus), noch dazu, ohne dafür Parkgebühren entrichten zu müssen. Der nächste Nutzer sieht dann auf seinem Smartphone oder am heimischen Computer, wo der nächste Wagen steht, und kann ihn sich dort holen. Dabei gibt es nur eine kleine Einschränkung: Wer das Auto östlich der Bahnlinie oder in einem der Stadtdörfer stehenlässt, zahlt fünf Euro Aufpreis. Wenn er den Wagen am nächsten Tag zurück in die Innenstadt fährt, bekommt er das Geld wieder erstattet.

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