Neustadt Die engen Kisten der Busfahrer

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Extra und exklusiv für die RHEINPFALZ. Treffpunkt ist auf dem Betriebsgelände am westlichen Stadtrand von Edenkoben. Der dank seiner weiß-blauen Lackierung auffallende Bus Marke MAN A 47 ist betankt. Es könnte losgehen zu unserer Spezialtour. Doch da witscht Jürgen Heil noch einmal in sein Büro. „Ich bin sofort wieder da.“ Die Krawatte fehlt. Und so kann sich ein Fahrdienstleiter nicht auf eine Fahrt mit der RHEINPFALZ begeben, zumal ja unterwegs auch noch eine Fototermin ansteht. Über Feldwege – „Herr Heil ist seit 23 Jahren im Geschäft, der kennt die Gegend wie seine Westentasche“ (Originalton Weigl) – geht es nach dem Passieren der Winzergenossenschaft hoch zur Weinstraße, dann aus Richtung Hainfeld auf der Landstraße 512 zu einer besonders kniffligen, weil engen Kreuzung in Rhodt. Jetzt gilt es den Atem anzuhalten. Es gibt jede Menge Ausflugsverkehr. Von rechts, von links oder entgegengesetzt. Und ausgerechnet jetzt soll der 10,40-Meter-Koloss im 90-Grad-Schwenk via Weyher gelenkt werden. Das kann nicht gutgehen, schwant einer Passantin, die die Hände vors Gesicht schlägt, nichts Gutes. Vorne rechts nutzt Fahrer Jürgen Heil in Zentimeter-Maßarbeit die Einbuchtung eines benachbarten Fenstersims’, um seinen Außenspiegel für einige Sekunden „einzuparken“, hinten links wackelt ein Rosenrankstrauch. Doch die Hausecke bleibt heil. „Wenn der Bus keinen verkürzten Radstand hätte, wäre dieses Abbiegen gar nicht möglich“, verweist Spezialist Weigl auf den verkürzten Radstand. Nur dank dieser Sonderanfertigung, bei der der Abstand zwischen den Achsen kleiner ist als bei den normalen zwölf oder 19 Meter langen Bussen können diese Linien 500 und 501 überhaupt bedient werden. Dass die Palatina-Busse an dieser Stelle überhaupt die Kurve kriegen, ist dem Einlenken des Landesbetriebs Mobilität in Speyer zu verdanken, der im Jahr 2013 das Absenken eines Verkehrsschildes veranlasste, „sonst käme man dort ohne Sachschaden überhaupt nicht rum“, gibt Heil zu bedenken – und erzählt gleich von den vielen Problemen, die die rund 180 Palatina-Busfahrer (30 bis 40 Prozent Frauen) mit etwa 150 Bussen auf den mittlerweile zehn verschiedenen Linien vorfinden. 55 Gemeinden werden von dem Unternehmen angefahren. Täglich werden rund 200 Kilometer Umwege registriert, weil es wegen Straßensperrungen oder Ersatzhaltestellen bei Weinfesten gerade hakt und klemmt. An die Umleitungen über Wirtschaftswege oder an die Hindernisse in engen Ortschaften durch Heizöl- oder Weinlieferanten habe man sich längst gewöhnt. Immer wieder ärgerlich seien Verzögerungen, wenn wie am Schafplatz in Edenkoben Pkw-Fahrer kreuz und quer parken, um ihre Besorgungen zu erledigen. Heil: „Unsere Fahrer sind dann bei vielen Kunden die Prügelknaben, wenn es zu Verspätungen kommt.“ Auch Marcus Weigl lässt auf die Palatina-Chauffeure nichts kommen. „Wir haben gute Fahrer. Das sieht man allein daran, dass wir sehr wenige Schadensfälle haben.“ Auch, ein Wunder, im Fall Rhodter Kreuzung. INFO Der Personennahverkehr zwischen Neustadt und Landau wird seit über 100 Jahren von Edenkoben aus gesichert. Erst mit der „Pfälzer Oberland-Straßenbahn“, besser bekannt als „Schneck“, dann ab 1955 durch die Weinstraßenverkehr GmbH. Inzwischen fährt das Unternehmen unter der Flagge Palatina-Bus. Ein Bus kostet ja nach Ausführung zwischen 200.000 und 350.000 Euro, inklusive Klimaanlage.

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