Neustadt „Die Devise ist immer ,Hilfe zur Selbsthilfe’“

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Deidesheim. Unter dem Motto „Brücken“ steht die „Deidesheimer Kulturwoche“, die von Samstag an vom „Freundeskreis ehemalige Deidesheimer Synagoge“ veranstaltet wird. Einer der Höhepunkte ist dabei der Nepal-Tag am kommenden Sonntag, bei dem der Ruppertsberger Markus Göhring, der seit über 25 Jahren regelmäßig nach Nepal reist, in seinem Himalaya-Shop Waren aus der Region verkauft und zugleich für mehr Unterstützung für das zu den zehn ärmsten Staaten der Erde zählende Land wirbt, einer der Protagonisten ist. Wir haben uns vorab mit dem 56-jährigen „Brückenbauer“ unterhalten.

Herr Göhring, erstmals findet in der ehemaligen Synagoge ein „Tag für Nepal“ statt. Das klingt doch etwas ungewöhnlich. Wie kam man darauf?

Am kommenden Sonntag ist der „Tag der europäischen jüdischen Kultur“. Der Verein ehemalige Synagoge hatte den Wunsch, bei seinem Fest auf Dinge hinzuweisen, die ein wenig in Vergessenheit geraten sind. Da gehört auch die Situation in Nepal nach den Erdbeben vom April und Mai dazu. Wann waren Sie zuletzt in Nepal? Das war kurz vor dem Erdbeben, im März. Vier Wochen war ich dort. Das Beben, das sie ansprechen, hat weite Teile des Landes verwüstet. Über 9000 Menschen starben. Fast drei Millionen verloren ihr Hab und Gut. Was sagen ihre lokalen Ansprechpartner zur aktuellen Situation dort? Viele Menschen, die ihr Haus, ihre Wohnung verloren haben, leben nach wie vor in Zelten. Die Situation ist insofern schlimm, als der diesjährige Monsun sehr heftig ausfällt. Manche Zeltstädte stehen unter Wasser, so dass auch das letzte Hab und Gut weg ist. Auch lassen die Erbeben nicht nach. Gerade am Sonntagmorgen war wieder eins gewesen mit der Stärke 5. Wie kamen Sie dazu, sich so intensiv mit dem Land, mit den Menschen und der Kultur in Nepal zu beschäftigen? Es war einfach ein Traum von mir, damals als junger Mensch, das Land zu besuchen. Ich wollte einfach nur dorthin. Ich war neugierig auf das fremde Land und dessen Kultur. Ich habe das nie bereut, das war das Schönste, was ich bisher in meinem Leben tun konnte. Und ich komme immer wieder gerne zurück. Sie nutzen die Besuche auch zu persönlichen Kontakten. Was fasziniert sie an diesem fernen Land? Es hat mich schon beim ersten Besuch in Nepal sehr inspiriert, wie die Menschen dort leben, ihre Freude, mit dem zufrieden zu sein, was sie haben. Nepal ist eine ganze andere Welt, die für manchen Europäer schwer verständlich ist. Es ist genau das, was auch meinen eigenen Erwartungen an das Leben entspricht. Meine Persönlichkeit hat sich um 180 Grad gewandelt, und ich bin damit zufrieden. Sie unterstützen verschiedene Hilfsprojekte in Nepal. Was steht aktuell auf dem Programm? Durch das Erdbeben haben fast ein Drittel der Menschen kein Dach mehr über dem Kopf. Deshalb steht die Wiedererrichtung von Hütten in Fokte im Distrikt Katarki, 113 Kilometer nordöstlich von Kathmandu im Vordergrund, bevor der nächste Winter einbricht. Wie sieht das konkret aus? Die Devise ist immer „Hilfe zur Selbsthilfe“. Wir geben den Menschen Mittel an die Hand, sich selber zu helfen. Das ist zum einem Geld und zum anderen Knowhow. Ein Beispiel sind die rauchfreien Kochöfen aus Lehm. Diese Öfen werden in Nepal von Nepalesen produziert. Die Menschen kochen üblicherweise auf Holzfeuer in geschlossenen Räumen ohne Kamin oder Abzug. Das verursacht Atemwegserkrankungen und Augenleiden. Eines unserer Ziele ist es, diese neuen Öfen in Fokte überall einbauen zu lassen – am besten noch vor dem Winter. Mit einer kleinen Spende von 10 Euro ist es möglich, einen solchen Ofen zu finanzieren. Sie treten am Sonntag mit ihrer Band „Unn...?“ auch als Liedermacher auf. Was ist das Ziel ihrer Musik? Die Texte behandeln einfach Dinge, die mich in meiner Seele, in meinem Herzen und in meinem Leben beschäftigen und die ich mit der Musik zum Ausdruck bringen will. Sie sollen nachdenklich machen. Welche Erwartungen haben Sie an das Synagogenfest? Mein Wunsch wäre es, dass ganz viele Spenden zusammenkommen, damit wir die Projekte in Fokte fortführen und die Hütten, die die Menschen dort jetzt vor dem Regen schützen, winterfest machen können. Im Winter wird es dort nämlich sehr, sehr kalt. Auf längere Sicht wollen wir die Häuser wieder bewohnbar machen. Termine Der „Tag für Nepal“ findet am Sonntag, 6. September, ab 11 Uhr in der ehemaligen Synagoge in Deidesheim statt. Es gibt Vorträge und Bilder zu und über Nepal, typisch nepalesisches Essen und um 17 Uhr ein Konzert mit Markus Göhring und Band. Mit dem Sherpa Chhiri Tendi und den Fernsehjournalisten Arun Karki und Deepak Sapotka werden auch drei Gäste aus Nepal anwesend sein. Fragen beantworten neben Markus Göhring noch zwei weitere Nepal-Kenner aus Deidesheim, Timo Roos und Reinhold Zeit. Der Eintritt ist frei. Weitere Bestandteile der „Deidesheimer Kulturwoche“ in der ehemaligen Synagoge sind eine Ausstellung mit Werken des Malers Arsim Kajtazi (geöffnet bis 13. September täglich 14–18 Uhr) sowie diverse Vorträge am „Tag des offenen Denkmals“ (13. September). (wij/Archivfoto: mehn)

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