Annes Welt RHEINPFALZ Plus Artikel „Die beliebteste Stellung des deutschen Mannes ist die Richtigstellung“, meint Anne Vogd

Die „Herkulespillen“ von 1980 sind ein alter Hut. Und genau so überholt ist eigentlich das „Mansplaining“. Was das ist? Frag ein
Die »Herkulespillen« von 1980 sind ein alter Hut. Und genau so überholt ist eigentlich das »Mansplaining«. Was das ist? Frag einen Mann oder lies die Kolumne.

Warum Männer alles besser wissen, erklärt unsere Kolumnistin Anne Vogd – und zwar ganz ohne Hilfe! Und warum sollte man einen Kerl danach fragen, was „Mansplaining“ ist?

Wenn du was erklärt haben willst, frag’ einen Mann; wenn du was erledigt haben willst, frag’ eine Frau. Ich frage aber keinen Mann und bekomme trotzdem immer alles erklärt, weil er nämlich denkt „Das kann DIE doch unmöglich so gut wissen wie ich.“ Tu ich aber. Auch das Huhn weiß, dass morgens die Sonne aufgeht, aber es lässt den Hahn krähen. Und es passiert überall: beim Smalltalk, im Job, im Schlafzimmer. Ich kann meinen Mann nachts um drei wecken, nichts fragen und er erklärt mir trotzdem die Welt.

Es geht nicht nur mir so: Bei Günther Jauch sagte neulich eine Frau: „Ich möchte meinen Mann anrufen; der weiß alles besser als ich.“ Meine Nachbarin meinte: „Google? Brauchen wir nicht! Mein Mann weiß alles.“ Meine Schwester will kein Chat GPT auf ihrem Laptop – mit der Begründung „Es nervt schon genug, dass der Jürgen alles weiß.“ Ja, der Jürgen langweilt auch mich immer mal wieder ins Koma. Mit atemberaubend unspektakulären Fakten zur Rasenpflege zum Beispiel. Oder er bringt mich mit seinen Impulsreferaten zur „Raserei“. Hey, ich habe mich in meinem Garten über Jahre hinweg „hochgeackert“ und dann kommt der Jürgen. Entnervt schlug ich ihm neulich mal eine Mitgliedschaft im Club der Klugscheißer vor, worauf Jürgen meinte: „Genau genommen ist da ja ein Verein, lass mich dir mal den Unterschied erklären...“

Man muss lernen, wie eine Bratwurst zu denken

Bei einer Podiumsdiskussion im Fernsehen wollte ein Mann einer jungen Frau einen Artikel erklären, weil er glaubte, dass sie der Inhalt überfordere – und das wissentlich, dass die junge Frau die Autorin dieses Artikels war. Die beliebteste Stellung des deutschen Mannes ist die „Richtigstellung“. Aber Männer, die immer glauben, alles besser zu wissen, anstatt zu wissen, dass sie alles nur glauben, wird es wohl immer geben. Während jeder Fußball-WM haben wir 40 Millionen Bundestrainer, während der Pandemie 40 Millionen Virologen.

Aber warum sind Männer so? Um zu verstehen, warum sie überall ihren Senf dazugeben, muss man vermutlich erst lernen, wie eine Bratwurst zu denken. Vielleicht halten viele Erklär-Bären ihre Partnerin aber auch für einen Rohstoff, kein Fertigprodukt. Also etwas, das man formen muss und dem man – wie beim Curling – jede Holprigkeit aus der Bahn schrubben muss, damit sie lebensfähig ist. Unfassbar, wo es doch mittlerweile wissenschaftlich erwiesen ist, dass man es mit einem weiblichen Chromosomensatz genauso weit bringen kann wie mit einem männlichen. Selbst in traditionell männlichen Domänen. Ich zum Beispiel bin handwerklich sehr begabt – vor allem im Herunterschrauben meiner Erwartung, dass diese Besserwisserei in unserem Haus endlich mal aufhört.

Ich habe meinem Mann schon mal 50 Cent für eine Parkuhr in die Hand gedrückt, damit er seine weltbewegenden Erkenntnisse nicht immer bei mir absondert, weil beim Friseur, wo man das üblicherweise tut, kriegt er seit Monaten keinen Termin. Warum wohl? Die meisten Männer „mansplainen“. Aber nicht alle! Fragen Sie einfach mal einen Mann „Was ist Mansplaining?“ Die Guten werden verstehen, die anderen erklären es.

Mansplaining ist übrigens kein deutsches Phänomen. In Japan gibt es Miet-Onkel, den sogenannten „Ossan“. Man mietet einen mittelalten Mann, der einen mit Lifehacks flutet. Egal um was es geht: Beziehung, Vorstellungsgespräch, Urlaub, Frisur, Ernährung. Also möchten Sie einen „geonkelt“ kriegen? Dann nix wie hin.

Beim Spülmaschineeinräumen werde ich besonders gemansplained: Als neulich die Spülmaschine ein Ergebnis „erspülte“, bei dem die XL-Pastateller, von der Sauce Bolognese bis zur Unkenntlichkeit entstellt, den Unterkorb verließen, folgte ein Monolog über rotierende Spülarme und blockierendes Geschirr – und danach eine knackige Diskussion und ein handfester Streit. Ich bin mal gespannt, wann es die ersten Scheidungsanwälte mit Fachrichtung Spülmaschine gibt.

Aber in den Medien wird’s ja vorgelebt. Da gibt’s ja auch ultra viele Männer, die in Talkshows rumdozieren. Apropos: Warum heißt es eigentlich „mansplaining“ und nicht „Prechthaberei“?

Die Kolumne

Die Deidesheimerin Anne Vogd stieg 2016 aus der Textilbranche aus und in die Comedy ein. In der Rubrik „Annes Welt“ veröffentlichen wir regelmäßig , was der 60-Jährigen durch den Kopf geht. Noch mehr Humor von Anne Vogd finden Sie auf Instagram: @annevogd. av/Foto: jotter

Anne Vogd
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