Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Die Bürgy-de-Ruijter Gallery zeigt die spektakulären Gemälde von Tabea Wasserfall

Die Dynamik des Meeres wie eingefroren: Tabea Wasserfall mit ihrem Gemälde „63˚ 24.172’ N, 19˚ 6.324’ W“, Öl auf Leinwand, 165 -
Die Dynamik des Meeres wie eingefroren: Tabea Wasserfall mit ihrem Gemälde "63˚ 24.172’ N, 19˚ 6.324’ W", Öl auf Leinwand, 165 - 270 Zentimeter.

Die 23-Jährige konzentriert sich – nomen est omen – ganz auf Wasser als Motiv.

Man hört die Brandung förmlich rauschen in den Bildern von Tabea Wasserfall, vermeint fast die Feuchtigkeit und das Salz des schäumenden, spritzenden, sich aufbäumenden nassen Elements auf der Haut zu spüren. Und doch ist alles „nur“ Malerei – meisterlich in Öl ausgeführte allerdings. Zu sehen ist das von Sonntag an in der „Bürgy-de-Ruijter Gallery“ in Neustadt.

Ja, sie müsse sich natürlich schon immer mal wieder Scherze anhören als Wasser-Malerin mit dem Namen Wasserfall (kein Künstlername!), lacht die junge Künstlerin beim Rundgang durch die Galerieräume. Aber dass ihre Wahl ausgerechnet auf dieses Motiv gefallen ist, sei Zufall, kein Kalkül. Bis vor etwa zwei Jahren waren für sie noch Portraits das Sujet der Wahl, auch die bereits in fast fotorealistischer Manier. Über die amerikanische Künstlerin Roni Horn, für die die Erfahrungen und Eindrücke Islands schon seit fast 50 Jahren einen zentralen Impuls ihrer Kunst bilden, kam die Mannheimerin, die kurz vor ihrem Abschluss an der Karlsruher Kunstakademie steht, dann auf die Insel im Nordatlantik und reiste 2024 erstmals hin. Ein weiterer Besuch folgte ein Jahr später. Rund 10.000 Fotos waren die Ausbeute, berichtet die 23-Jährige. Die bilden bis heute das Ausgangsmaterial für die Ölgemälde, die dann in einem akribischen Prozess oft über Monate hinweg im Atelier entstehen. 200 bis 300 Arbeitsstunden für ein großformatiges Bild seien die Regel, berichtet die junge Frau. Großformatig, oft sogar wandfüllend sind die meisten ihrer Werke.

Ihr Hauptaugenmerk richtet Tabea Wasserfall dabei auf das Meer, auf die wechselnden Dynamiken und die wohl unendlichen Möglichkeiten, wie sich das Wasser am Strand brechen kann. Sie fängt die Bewegung ein, so dass der Moment wie eingefroren wirkt. Auch vereiste Wasserfälle hat sie passenderweise schon gemalt. Die Auswahl in Neustadt konzentriert sich jetzt aber ganz auf den „Rand des Meeres“ – darauf bezieht sich auch der Titel der Schau.

Diese Künstlerin wird ihren Weg gehen

Langeweile kommt dabei keine auf. In der Regel zoomt Wasserfall ganz nah heran, die Gischt erinnert manchmal fast an blubbernde Milch auf dem Herd. Die Farbnuancen sind ausgefeilt – abhängig natürlich auch von der Tageszeit und dem vorherrschenden Sand oder Gestein. Am naturalistischsten wirken die blau-grau dominierten Bilder. In jüngerer Zeit dekonstruiert die Künstlerin den Fotorealismus aber gelegentlich durch farbliche Verfremdungen bis hin ins Rosarote oder Orangefarbene. Mitunter entstehen so fast abstrakte Kompositionen. Für die klare Verortung sorgen aber die Titel: Sie beschränken sich durchweg auf die geografischen Koordinaten. Wenn man wollte, könnte man also ganz exakt ermitteln, an welchem isländischen Strand das Bild seinen Ursprung hat. Auch der für seine Riesenwellen bekannte schwarze Sandstrand von Reynisfjara im Süden der Insel ist vertreten.

Mit ihren Bildern ist Tabea Wasserfall sehr gefragt. Einzelausstellungen in Galerien in Mannheim und Düsseldorf hatte sie unter anderem bereits. Bei etlichen Preisen lag sie weit vorn. Für Ende des Jahres plant sie ihren Abschluss an der Karlsruher Akademie, wo Corinne Wasmuht und Marijke von Warmerdam ihre wichtigsten Mentorinnen sind. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass diese Künstlerin ihren Weg gehen wird. Die Netzwerke wirken bereits. Galeristin Ingrid Bürgy-de Ruijter zum Beispiel wurde über die Mannheimer Kunsthistorikerin Ulrike Hauser-Suida auf den aufsteigenden Stern am Kunsthimmel aufmerksam und plant bereits fest mit der 23-Jährigen, die damit aktuell die Jüngste in ihrem Repertoire ist.

Die Ausstellung

Die Ausstellung „Tabea Wasserfall: Am Rande des Meeres. Malerei“ läuft von 22. März bis 10. Mai in der „Bürgy-de-Ruijter Gallery“, Maximilianstraße 35/35a , in Neustadt. Die Vernissage findet am Sonntag von 11–16 Uhr statt. Die Öffnungszeiten danach sind jeweils mittwochs und sonntags 13-16 Uhr oder nach Vereinbarung unter 0171-6702651.

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