Neustadt Die andere Sicht auf die Welt
Edenkoben. Ölgemälde, die Bildwelten eines anderen Planeten suggerieren, aber auch deutliche Bezüge zur Südpfalz zeigen, sind in den vergangenen Monaten auf Leinwänden der polnischen Malerin Joanna Buchowska entstanden, die eigentlich in Berlin arbeitet. Zur Zeit ist sie aber Stipendiatin im Herrenhaus Edenkoben. Morgen präsentiert sie ihre neuen Arbeiten unter dem Titel „aberratio – Malerei“.
„Ich bin immer gleich da, wo ich bin“, meint Joanna Buchowska, aktuelle Kunststipendiatin im Herrenhaus Edenkoben, schaut sich zufrieden in ihrem kleinen Atelier um, wirft den Blick aus dem Fenster über Wingert und Wald und zieht Vergleiche zu ihrer Wahlheimat Berlin, wo es deutlich hektischer und betriebsamer zugeht. „Beides hat Vor- und Nachteile“, sinniert die gebürtige Polin in gutem Deutsch, räumt aber ein, dass sie anfangs, in den ersten Wochen ihrer Südpfälzer Enklave, so beeindruckt war von „der Langsamkeit und Ruhe“, die man hier atmet und spürt, dass sie sich gar nicht vorstellen konnte, hier wieder weg zu gehen. Auch ihre Arbeit wurde von ihrem idyllisch-ländlichen Stipendiatenort „auf jeden Fall beeinflusst“. Nicht nur, weil die räumliche Begrenztheit die großen Formate, an denen sie gewöhnlich arbeitet, gar nicht fassen kann. Auch die Atmosphäre selbst hat einen Strich durch die sorgsam vorbereitete „wertvolle“ Stipendiaten-Schaffensphase gemacht. „Ich bin mit ganz anderen Ideen gekommen und hab’ in meinen Vorbereitungsmappen vieles verändert, obwohl ich mir den Ort vorher genau angeschaut habe“, staunt Joanna Buchowska über die Wirkung augenblicklicher Wahrnehmung. „Meine Bilder werden landschaftlicher, es sind Elemente aufgetaucht, die bei mir sonst eher nicht vorkommen“, zeigt die Künstlerin auf eine hügelige Kulisse in einer neuen Arbeit. Auch angedeutete Wingertzeilen hier, eine steile Treppe dort, oder ein Holzschuppen als Protagonist einer Szene zitieren die erklärte Absicht der Malerin: „Ich wollte Bezug nehmen zur Situation, in der ich mich befinde. Denn ich habe hier so viele Weiten, so viel Raum, dass ich unmöglich kleine Räume malen kann.“ Weil dies aber mit den gleichen Mitteln zum Zweck geschieht, wie Joanna Buchowska in ihrem Berliner Atelier arbeitet, zeigen auch die neuen Ölgemälde ihre unverwechselbare, charakterstarke Handschrift. Denn jedes Bild lebt von der genauen Vorbereitung, nichts ist willkürlich, alles durchdacht und behutsam arrangiert. Dabei geht Joanna Buchowska stets von der Realität aus. Sie macht Fotos von ihrer Umgebung und überträgt die Eindrücke dieser Bildwelt in eine abstrahierte Papiercollage. Schon hier spielen Farben und Formen eine wichtige Rolle, weshalb das bevorzugte Material hochwertige Drucke des Modemagazins Vogue sind. Die Mode selbst spielt dabei freilich keine Rolle – eher die Form eines Absatzschuhs, der Faltenwurf einer wallenden Robe oder das Format einer Tasche. Sie alle könnten Statthalter für einen Berg, eine Felsformation oder Sonstiges werden und „eine wichtige Brücke zu den daraus entstehenden Ölbildern schaffen“. Verfremdet, nicht abstrakt, sollen die fertigen Arbeiten wirken, so, dass der Betrachter gerade noch etwas erkennt, seinen Blick an etwas Vertrautem festmachen und dennoch in andere Welten versetzt werden kann. „Verzerrung macht mir Spaß“, verrät die polnische Künstlerin, die ihr Handwerk in einer Oberschule der Bildenden Künste erlernt hat. „Perspektiven verändern, mit surrealen Elementen spielen, die Welt ein bisschen anders darstellen, als sie ist“, das ist das Privileg der Künstler, von dem Joanna Buchowska lustvoll Gebrauch macht, ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ob und wo sich der Betrachter in diesen Bildwelten selbst verortet, kann er bei der reich bestückten Ausstellung („Ich war fleißig“ ), die am morgigen Sonntag eröffnet wird, selbst erkunden. Termin Joanna Buchowska - „aberratio – Malerei“ bis 12. Juni, Herrenhaus Edenkoben, Samstag und Sonntag, 15 bis 18 Uhr, Vernissage morgen, 17 Uhr. (ttg)