Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Der rosarote Mußbacher Theaterbus

„Theat(er)leben!“ steht außen drauf, doch inzwischen gibt es innen eher Familienleben.
»Theat(er)leben!« steht außen drauf, doch inzwischen gibt es innen eher Familienleben.

Dieser Wagen fällt ins Auge: nicht nur wegen seiner quietschrosa Farbe. Wie es kommt, dass ein Zehn-Meter-Gefährt mit der Aufschrift „Landestheater Detmold“ vor einem Haus in einem Neustadter Weindorf steht.

Ja, berichtet Volker Walcher (46) gut gelaunt, man falle schon ein bisschen auf mit diesem Wagen. Aber das habe schließlich auch Vorteile: „Man findet ihn immer leicht wieder, und es geht kein Kind verloren.“ Beides ist wichtig, denn das Fahrzeug mit der affirmativen Aufschrift „Theat(er)leben!“ an der Seite kommt nach einem ersten Leben als Theaterbus mittlerweile auch als Wohnmobil weit herum – und die drei Kinder der Familie Walcher sind immer dabei. Lotte (8), die Jüngste, findet das „cool“.

Ursprünglich diente der MAN-26-Tonner mit seinen 400 PS dem Landestheater Detmold, einem Dreispartenhaus mit fünf Spielstätten in der Region Ostwestfalen-Lippe in Nordrhein-Westfalen, dazu, Bühnenbilder, Requisiten und die zugehörige Technik-Mannschaft durch die Lande zu transportieren. Das Theater reist mit seinen Stücken schließlich durch die ganze Republik – auch im Neustadter Saalbau war es schon öfter zu Gast. Trotzdem hatte der Laster mit Baujahr 1999, als Walcher ihn 2017 erwarb, gerade mal 250.000 Kilometer auf dem Tacho. „Für einen LKW ist das gar nichts“, sagt der Chemie-Industriemeister, der bei der BASF im Prozessmanagement arbeitet.

Zum Gastspiel gab’s einen Besuch bei den „Kollegen“

Damals sah das Fahrzeug innen allerdings noch ein bisschen anders aus. Der Spezialausbau für die besonderen Bedürfnisse des Theaters stammte von der Firma Niehoff, einem vor allem für exklusive Pferdetransporter bekannten Fahrzeugbauer. Ein Pluspunkt war, dass es bereits eine Fünfer-Sitzreihe für die Techniker gab. Alles dahinter aber hat Walcher in nur einem halben Jahr in Eigenregie familiengerecht aus- und umgebaut: mit sechs Betten, 600-Liter-Wassertank, Dusche, Ikea-Küche und vielem mehr. Nur den Stromverteiler hat er der Einfachheit halber machen lassen. „Alles keine Raketenwissenschaft“, sagt er bescheiden und führt neben dem finanziellen Aspekt auch noch einen weiten wichtigen Vorteil des „Do it yourself“ an: „Wenn man es selbst macht, weiß man im Notfall auch, wo die Sachen liegen.“ Dass der Umbau aber vielleicht doch nicht ganz so einfach war, beweist der Umstand, dass der direkte Vorbesitzer, ein Berliner, an der Aufgabe gescheitert ist.

Die Idee, in Eigenregie einen Reisebus auszubauen, hatte Walcher, der von sich selbst sagt, dass er schon immer gern an Autos und Motorrädern „rumbastelte“, dabei schon lange. Bereits zuvor hat die Familie einen Lkw als Reisemobil genutzt , „aber der hatte keine Verbindung nach hinten und wurde uns auch zu klein“. In den knapp zwei Jahren, die der Wagen jetzt im Einsatz ist, waren die Walchers mit ihm schon in Norwegen, Südfrankreich, Paris, Kroatien und verschiedenen Teilen Deutschlands. Nicht selten haben sie dabei Aufsehen erregt. In Norwegen zum Beispiel seien sie von einem Paar aus Lippstadt angesprochen worden, dass das Landestheater Detmold gut kannte, und auf einem Campingplatz im Schwarzwald wurden sie sogar für eine Theatertruppe gehalten.

Ehrensache auch, dass Walcher, als das Landestheater im April 2019 mit seiner Bühnenfassung der „Odyssee“ im Saalbau gastierte, mit seinem umgebauten Truck an den Bühneneingang gegenüber der Hauptpost fuhr und sich den „Kollegen“ vorstellte. Die Jungs aus NRW hätten nicht schlecht gestaunt über das Fahrzeug mit vertrauter Aufschrift, aber fremder Neustadter Nummer, aber auch berichtet, dass ihr Theater inzwischen immer mehr von Fahrzeugen dieser Art abkomme, weil sie in der Anschaffung einfach zu teuer seien.

Vielleicht ist die Aufschrift bald Geschichte

Bleibt noch die Frage, warum Walcher nie die Aufschrift geändert hat? Insgesamt hat sich ja im Äußeren seit den Theatertagen wenig verändert – nur ein zusätzliches Fenster kam rein, ein Markisenansatz, eine Steckdose für den Außengrill, oben auf dem Dach noch eine Solaranlage und eine Terrasse. Ja, professionell lackieren sei eben sehr teuer, meint der stolze „Brummifahrer“. Aber weil außen inzwischen doch etwas die Farbe blättert, sei der Familienrat am Überlegen ... Durchaus denkbar also, dass das rosarota Mußbacher Spielmobil mit der Detmold-Note irgendwann Geschichte ist. Dem Wagen selbst prognostiziert Walcher dagegen eine lange Zukunft: „Er ist vielleicht nicht so filigran wie ein normales Wohnmobil, aber dafür superrobust.“

Der Mußbacher Volker Walcher hat den früheren Theaterbus aus Nordrhein-Westfalen in Eigenregie zu einem Wohnmobil umgebaut. Toch
Der Mußbacher Volker Walcher hat den früheren Theaterbus aus Nordrhein-Westfalen in Eigenregie zu einem Wohnmobil umgebaut. Tochter Lotte findet es »cool«.
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