Neustadt „Der Rest war Kampf, Kampf, Kampf“
Hassloch (erab/sab). „Das war ein extrem intensives Spiel, in dem wir in Sachen Kampf und Einsatz bis ans Limit gegangen sind“, meinte Daniel Schlingmann, einmal mehr überragender Tormann des Handball-Drittligisten TSG Haßloch, nach dem schwer erkämpften 29:27 (16:14)-Heimerfolg gegen den HBW Balingen Weilstetten II.
Eine umstrittene Rote Karte für den Haßlocher Mittelmann Marco Widmann (er hatte Thorben Kirsch in den Arm gegriffen). Eine gebrochene Nase von Rückraumspieler Sebastian Schubert bei einer Abwehraktion. Hitzige Atmosphäre auf dem Spielfeld und der Tribüne bei zweifelhaften Entscheidungen der schwachen Schiedsrichter Stefan Walter und Florian Weinig. Und eben bis zur letzten Sekunde kämpfende Haßlocher, die mit ihrem Einsatz die Ausfälle von Schubert und Widmann sowie die der verletzt ohnehin nur zuschauenden Andreas Zellmer und Peter Masica wettmachten. In den 60 Spielminuten kam keine Langeweile auf. „Es war auf Grund der Ausgangslage klar, dass hier um jeden Zentimeter gekämpft werden würde. So entwickelte sich ein phasenweise ruppiges Spiel, das die TSG – vielleicht verdient – gewonnen hat“, stellte HBW-Coach André Doster fest. „Ich bin nun schon lange im Geschäft, kann mich aber nicht daran erinnern, einmal unter solch widrigen Bedingungen in Training und Spiel gearbeitet zu haben“, ergänzte TSG-Trainer Admir Kalabic. „Wir gehen durch die zahlreichen Verletzungen auf dem Zahnfleisch und mussten die Begegnung mit acht Feldspielern durchziehen. Die Rote Karte gegen Widmann hätte uns beinahe das Genick gebrochen.“ Aber nur beinahe. Zwar startete die TSG mäßig in die Partie, hatte in der Abwehr vor allem Probleme mit dem massigen HBW-Kreisläufer Markus Dangers sowie mit dem wurfstarken rechten Rückraumspieler René Zobel. „Du musst vor ihn kommen, nicht hinter ihm stehen“, erklärte Kalabic Elvijs Borodovskis, nachdem der Linkshänder nach einem Foul an Dangers eine Zeitstrafe erhalten hatte (5.). „Unter der Woche haben wir uns akribisch auf die 3:2:1-Deckung der Balinger vorbereitet und konnten doch vieles davon umsetzen“, sagte Haßlochs Rechtsaußen Dennis Gregori. „Mit zunehmendem Spielverlauf ist es uns gelungen, hinten kompakt zu stehen, sodass wir über den Tempogegenstoß auch zu den einfachen Toren kommen konnten – der Rest war Kampf, Kampf, Kampf.“ Gregori selbst war es, der sein Team mit Gegenstoßtoren im Spiel hielt. Er konterte nach Schlingmann-Paraden zum 6:7 und 7:7 (15.) oder traf auf Rechtsaußen zum 8:9 (18.). Nach der Roten Karte für Widmann stand der Gastgeber zunächst ohne Aufbauspieler da, ehe Kalabic den angeschlagenen Jörn Christmann brachte. „Es war auf Grund meiner Verletzung nicht geplant, dass ich überhaupt zum Einsatz kommen sollte. Die Rote Karte gegen Marco machte es dann zwingend nötig“, sagte Christmann, der das Tempo im TSG-Angriff erhöhte und trotz bisher geringer Einsatzzeiten selbstbewusst genug war, in Eins-gegen-eins-Situationen aus der Rückraummitte auf 22:19 (42.) und 23:19 (44.) zu erhöhen. „Vielleicht haben wir uns in der zweiten Hälfte etwas durch die hitzige Atmosphäre in der Halle beeindrucken lassen, was zum 20:26-Rückstand beigetragen hat“, überlegte André Doster. Denn nach umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidungen hatten sowohl die Unparteiischen als auch die Gäste die Zuschauer gegen sich. Ein stetes Vorbild in Sachen Einsatz war einmal mehr Kreisläufer Sebastian Bösing, der nach einem unplatzierten Wurf von Sebastian Schubert den Abpraller zum 3:3 nutzte (6.) und beim Konter nach einem Fehlwurf der Gäste auf 16:14 erhöhte (30.). Auch in der Abwehr überzeugte Bösing, blockte alleine einen Freiwurf von René Zobel ab (19.). Mit 26:10 führte Haßloch zehn Minuten vor dem Ende. Doch entschieden war noch nichts. Würfe von Florian Kern parierte Gästetormann Mario Ruminsky (51.). Borodovskis traf erst den Pfosten (54.), dann parierte erneut der Torwart (55.). Auch Kevin Seelos scheiterte aus der Rückraummitte (56.). Balingen war auf 26:28, dann auf 27:28 in der letzten Minute herangekommen. Und diesmal traf Borodovskis sicher aus der Rückraummitte zum 29:27 gut zehn Sekunden vor Schluss. „Nach der 26:20-Führung hätten wir etwas abgeklärter agieren müssen, um es nicht noch einmal so spannend zu machen“, meinte Daniel Schlingmann. In spielerischer Hinsicht sei es kein Augenschmaus gewesen, gab Kalabic zu. „Aber von den Emotionen her war das Werbung für den Handball.“ Die Nase von Sebastian Schubert muss übrigens erst abschwellen, bevor eine Entscheidung fällt, ob er noch operiert werden muss. Sechs bis acht Wochen, meinte der Rückraumspieler gestern, werde er ausfallen. So spielten sie TSG Haßloch: Schlingmann, Eigenmann (n.e.) – Kern (2), Schubert, Bösing (4), Borodovskis (3), Zimmermann (2), Gregori (6), Widmann (4), Christmann (2), Seelos (6/2), Dietz. Spielfilm: 0:1 (2.), 2:3 (6.), 4:6 (10.), 9:10 (21.), 13:14 (28.) 16:14 (30.), 20:17 (39.), 24:19 (45.), 26:20 (50.), 27:21 (42.), 27:25 (55.), 28:27 (59.), 29:27 (60.). Beste Spieler: Schlingmann, Gregori, Bösing - Zobel, Gregor Thomann. Zeitstrafen: 5/4. Siebenmeter: 2/2 - 5/5. Gelbe Karten: 4/3. Rote Karte: Widmann (36.). Schiedsrichter: Walter/Weinig (Karlsruhe). Zuschauer: 450.