Flugsport RHEINPFALZ Plus Artikel Der Neustadter Frank Schwerdtfeger hebt ab zur virtuellen Segelflug-WM

So sieht es aus, wenn Frank Schwerdtfeger zu Hause zu seinen virtuellen Flügen abhebt.
So sieht es aus, wenn Frank Schwerdtfeger zu Hause zu seinen virtuellen Flügen abhebt.

Segelfliegen im Januar? Dazu noch im Wettbewerbsmodus? Das geht auf der Nordhalbkugel wetterbedingt doch gar nicht? Falsch. Es geht. Das zeigt ein Neustadter Pilot.

Während sich zuletzt am heimischen Flugfeld in Lachen-Speyerdorf die Startbahn unter einer Schneedecke versteckt hatte, befindet sich Segelflugpilot Frank Schwerdtfeger vom Flugsportverein Neustadt in der Endphase seiner Trainingsvorbereitung auf die Weltmeisterschaft im virtuellen Segelflug, informiert Bernd Schwehm, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im FSV Neustadt.

Dabei sitzt Schwerdtfeger zu Hause an seinem PC-Simulator und trainiert schnelle Streckensegelflüge in den Bergen Sloweniens. In dieser „Szenerie“ des Simulationsprogramms Condor 3 werden nämlich die sechs Wertungstage des Grand-Prix-Finales ausgetragen. Vorgegeben sind auch die Segelflugzeuge der 18-Meter-Klasse. „Das heißt, alle Piloten können sich aus den existierenden Segelflugmodellen mit 18 Metern Spannweite eines aussuchen“, erklärt Bernd Schwehm. Frank Schwerdtfeger habe sich für das in Europa beliebte südafrikanische Modell Jonkers JS3 entschieden. „Im Simulator ist es das beste Flugzeug“, erklärt Schwerdtfeger seine Wahl. „Es gleitet am besten.“

Starter von allen Kontinenten

20 internationale Teilnehmer haben sich für die WM qualifiziert, sie kommen von allen Kontinenten: unter anderem aus Japan, Neuseeland, Argentinien, den USA, Kanada, Marokko und Europa. „Ich würde schon gerne aufs Treppchen kommen“, verrät Schwerdtfeger. „Aber das ist schwierig.“ Genau genommen sei aber bereits die Qualifikation schwer gewesen. Unter 285 Teilnehmern hätten sich sechs Piloten für die virtuelle WM qualifiziert. Schwerdtfeger übrigens als Zweitbester. „In Asien und Nordamerika fliegen nicht so viele mit. Deswegen ist es in Europa so schwer, sich zu qualifizieren“, weist der Neustadter auf die Herausforderung in der Qualifikation hin.

Für Frank Schwerdtfeger ist es die erste WM-Teilnahme. Dabei hatte er sich ebenfalls für die virtuelle WM 2025 einen Startplatz gesichert. Doch waren die Titelkämpfe, die seinerzeit in Karlsruhe während der Messe Interglide, einer Plattform für thermisches Fliegen, ausgetragen werden sollten, inklusive der Messe abgesagt worden.

Am 23. Januar geht’s los

Jetzt ist als erster Wettbewerbstag der Freitag, 23. Januar, deklariert. Es werden bis zum 8. Februar sechs Streckensegelflug-Rennen geflogen, wobei laut Schwehm für den einzelnen Piloten jeweils das schlechteste Tagesergebnis in der Gesamtsummierung gestrichen wird. Dies sei eine Wertungsform, die man aus der realen Segelflug-Wettbewerbsfliegerei nicht kenne. Es könne also am Simulator forsch nach vorne geflogen und dabei auch mal eine Außenlandung riskiert werden, ohne dass man seine Titelchancen verliere.

Was das virtuelle Fliegen bringt

Frank Schwerdtfeger fliegt derzeit „jeden zweiten Tag abends“ für zwei bis drei Stunden am Simulator. Die Wettbewerbe seien ebenfalls auf zwei bis drei Stunden begrenzt, „damit man zeitig ins Bett kommt“. Dass er virtuell abhebt, begründet der Neustadter schmunzelnd damit, dass „Fliegen in gewissem Maße süchtig macht“. Für ihn sei es ein Ausgleich im Winter: „Es macht unheimlich Spaß.“ Und bringt ihm sogar gewisse Vorteile, bevor die Segelflieger wieder vom Flugplatz Lilienthal aus abheben: „Beim Thermikfliegen hat man schon mehr Übung und ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen, wo die Aufwinde sind.“ Die zu finden, sei einfacher, „wenn man im Winter geübt hat“. Er nennt noch einen weiteren Vorteil vom virtuellen Fliegen: „Was auch gut ist: Die Instrumente entsprechen denen in unseren Vereinsflugzeugen.“

Zwei spannende Wochenenden liegen vor den Teilnehmern und Zuschauern: Neben dem Neustadter Frank Schwerdtfeger hat es noch ein weiterer deutscher Segelflieger in das Teilnehmerfeld geschafft: Jannes Stahf aus Berlin. „Interessant, dass beide Piloten ehemalige Mitglieder der Sportförderkompanie der Bundeswehr sind“, weist Schwehm auf eine Gemeinsamkeit hin. „Sicher auch ein Leistungsnachweis für die deutsche Segelflug-Kaderschmiede, denn ohne das taktische Verständnis aus der praktischen Wettbewerbsfliegerei kann man auch am Simulator kaum einen Spitzenplatz erzielen.“

Volle Clubheime

Zuschauerfreundlich für die große europäische Segelfliegergemeinde finden die Weltmeisterschaftsrennen jeweils ab 20 Uhr MEZ statt. Die Clubheime der deutschen Segelflugvereine werden dann also voll sein, um im „Public-Viewing-Modus“ die Leistungen der beiden deutschen Piloten zu verfolgen, ist sich Bernd Schwehm sicher.

Kontakt

Im Internet findet man das „virtual sailplane grand prix Finale“ unter www.virtualgliding.fai.org

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