Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Der Klemmhof: Neustadts ältestes Sorgenkind

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Unterspült, evakuiert, entkernt, und heute: Immer noch im Umbau. Der Klemmhof zeigt, wie kompliziert Stadtentwicklung sein kann – und wie lange sie dauert.

Er ist ein ehrwürdiges Stück Neustadter Betonromantik: der Klemmhof. Seit Mitte 2022 wird das ein halbes Jahrhundert alte Gebäude umgebaut – im Folgenden geht es aber weniger um sichtbare Baufortschritte als um viele offene Fragen. Und darum, dass Wohnungsbaugesellschaft, Eigentümergemeinschaft, Hausverwaltung, Sparkasse Rhein-Haardt, Energieversorger und Stadtverwaltung gemeinsame Antworten finden müssen – die zudem alle Vorgaben von Brand-, Denkmalschutz und Co. berücksichtigen. Es wird geplant, geprüft, überlegt – und letztlich verschoben, wie die WBG in dieser Woche einräumte.

Plötzlich zu lösende Probleme rund um den Klemmhof sind nicht neu; man erinnere sich an das Gutachten, das schon 2002 Unterspülungen der Fundamente feststellte, aber unter Verschluss gehalten wurde. Bis die Stadt Mitte September 2009 den Komplex sperrte und evakuierte – rund 130 Bewohnern mussten ausziehen, bis die Einsturzgefahr knapp vier Wochen später gebannt war. Ab 2013 wurde wieder saniert. 2016 brachte der damalige Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer eine Belebung des Klemmhofs im Stadtrat aufs Tableau und traf damit einen Nerv. In Marc Weigels Wahlkampf für seine erste Amtszeit als Oberbürgermeister war die Idee dann ein zentrales Element: Mit Räumen für die Tourist-Information, eine erweiterte Bücherei, einem Veranstaltungsraum sowie Büros für städtische Mitarbeiter soll die Klemmhof-Passage zum leuchtenden Tourist- und Kulturzentrum in der Innenstadt werden.

Visionen für morgen, Beton von gestern

Der Stand acht Jahre später: Visionen für morgen treffen auf Beton von gestern. Wer bisher an der zentralen Passage vorbeiläuft, sieht nicht viel mehr als Bauzäune, Transparente mit Durchhalteparolen und leere Schaufenster. Kleiner Lichtblick: Seit Juli werden zumindest Balkone, Laubengänge und Fassade saniert. Aus der „Geisterimmobilie“ wird zwar so schnell kein Kulturtempel, aber vielleicht ein Mahnmal unserer Zeit: ein Bauwerk zwischen Anspruch und Altlast, ähnlich der Hertie-Ruine, für die es nach dem Kauf durch die Stadt jedoch zumindest klarere Perspektiven gibt.

OB Weigel nennt den Klemmhof eines seiner „größten Sorgenkinder“. Man möchte fast sagen: ein Sorgenkind, das längst volljährig ist, aber noch immer bei den Eltern wohnt. Die WBG gibt sich derweil kämpferisch. Geschäftsführer Martin Ulmer spricht von „Neuausrichtung“, „Gesamtkonzept“ und „zukunftsfähiger Erneuerung“ – Begriffe, die so solide klingen, dass man für einen Moment fast vergisst, dass bisher vor allem eins feststeht: nämlich, dass sich alles verzögert.

Ein Ort der Möglichkeiten

Wie lange es dauert, bis ein Gesamtkonzept für die zahlreichen Schnittstellen zwischen Wohn-, Gewerbe- und öffentlichen Flächen sowie den verschiedenen Eigentümern im Klemmhof gibt, bleibt offen. Erst muss unter anderem geklärt werden, wohin die mysteriösen Rohre führen, von denen niemand mehr weiß, zu welchem Zweck sie überhaupt vor Jahrzehnten eingebaut worden sind. Bis dahin bleibt der Klemmhof, was er am besten kann: ein Ort der Möglichkeiten.

Stefanie Brunner
Stefanie Brunner
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