Neustadt Der Kenner lässt es zischen, nicht knallen
Japanische Kultur hielt Einzug im „Hotel Haus am Weinberg“, die sich beim Frauenweinabend verband mit Pfälzer Lebensart, Pfälzer Wein und den „Schmuckstücken“, die die Herzen vieler „Weinfrauen“ höher schlagen ließen.
Am Weltfrauentag hatte Initiatorin Judith Ziegler-Schwab zum achten Mal nach St. Martin eingeladen, dieses Mal unter dem Motto: „Wein - und das was Frauen wünschen“. Fumiko Tokuoka stand gleich für zwei Genüsse, guten Wein und gutes Essen. Die Japanerin aus Deidesheim hat Oenologie in Geisenheim studiert. Nach Jahren der Weinproduktion für das Weingut Reichsrat von Buhl hatte ihre Familie das Weingut Josef Biffar gekauft. Mit ihrem Kellermeister, dem St. Martiner Michael Leibrecht, stellt Tokuoka Sekte und Weine aus bio-dynamischem Anbau her, die „Zeit zum Reifen“ bekommen. Außerdem hat sie das japanische Restaurant „Fumi“ eröffnet. Tokuoka konnte beim Frauenweinabend für die erkrankte Birgit Reis vom Blumenhaus „Pusteblume“ in Edenkoben mit ihrem japanischen Kindheitswissen aushelfen und erklärte gemeinsam mit Ziegler-Schwab die Bedeutung des Ikebana. Reis hatte ein Gesteck vorbereitet, das als Blumenschmuckarrangement in Landschaftsform entsprechend der Jahreszeit Respekt vor der Natur ausdrücken sollte. Von der Grafikkunst, die Frauen lange verboten war, sprach Gerhard Hofmann, Künstler und Grafiker, der seine Farbradierung „Wein-Hexe“ mitgebracht hatte und in der Damenrunde Hahn im Korb war. Miteinander verwoben waren die Botschaften der Gäste, die Judith Ziegler-Schwab altbewährt als Interviewpartner gegenüber stellte. Modeträume wollte Elisabeth Murr mit ihrem gleichnamigen Modeatelier in Kirrweiler erfüllen und versprach, Maßanfertigungen den ebenso individuellen wie einzigartigen Kundinnen auf den Leib zu schneidern, ohne dass mit oft unpassenden Modetrends Geld verschwendet werden müsse. Wie Stoffe im Modeatelier, seien auch Weine der Mode unterworfen, meinte Eva Seyler vom Weingut Dengler-Seyler in Maikammer, nicht aber die Sorge und Sorgfalt für gesunde Reben. Sie erzählte von einem neu entwickelten Rebschnitt, der die Weinstöcke widerstandsfähig erhalte. Analog zu Marilyn Monroes Bekenntnis „Diamonds are a girl’s best friend“ durfte auch Schmuck nicht fehlen. Goldschmiedemeisterin Beatrix Rembold aus Edenkoben erklärte ihre handgefertigten Kreationen und die verwendeten Brillanten, von denen hochwertige auch champagnerfarben funkeln. Das Stichwort für Barbara Roth vom Sekt- und Weingut Wilhelmshof in Siebeldingen, die mit der Anleitung zum Öffnen ihrer perlenden Sektkreationen verblüffte: Drahtschlaufe am Sektverschluss nicht auf-, sondern abdrehen und die Flasche und nicht den Korken drehen. Nur der Snob lasse die für den Genuss kostbare Kohlensäure knallen, der Kenner lassen es „zischen“. Die Scheurebe, Pfälzer Rebsorte des Jahres, besprach die Pfälzer Weinprinzessin Laura Becker. Musikalisch begleiteten den Abend Corinna Schreieck (Gesang) und Jörg Martin Schreieck-Hans (Piano) mit klassischen und unterhaltsamen Liedern. (aew)