Neustadt Der Herbst in allen Facetten
Deidesheim. Ein gut besuchtes „barockes Feuerwerk“ eröffnete am Samstagabend in der katholischen Pfarrkirche St. Ulrich in Deidesheim den diesjährigen Deidesheimer Musikherbst. Dessen künstlerische Leiterin Elke Voelker hatte dafür die Palatina-Klassik-Ensembles unter der Leitung von Leo Kraemer eingeladen, die für ihre Darbietung viel und anhaltenden Beifall ernteten.
Verstärkt werden sollten Kraemers Musiker und Sänger eigentlich von drei Mitgliedern der St. Petersburger Philharmoniker, denn Kraemer ist seit 1995 auch Chefdirigent von deren Kammerorchester. Die Gäste aus Russland allerdings waren nicht erschienen, weil sie in ihrer Heimat festgehalten worden seien, wie es hieß. Doch zur Enttäuschung gab es für die Besucher keinen Grund, denn das Palatina-Klassik-Barockensemble besteht ebenso wie das Palatina-Klassik-Vokalensemble aus ganz hervorragenden Musikern und Sängern der Region. Und die hatten nicht nur Barockmusik mitgebracht, sie führten mit Mozarts Sinfonie D-Dur KV 136 auch ein Stück der Wiener Klassik auf, und mit drei Sätzen aus der „Deutschen Messe“ von Franz Schubert ein Werk der Frühromantik. Felix Mendelssohns Vertonung des 42. Psalms „Wie der Hirsch schreit“, eine Kantate für Sopran, gemischten Chor und Orchester und eine der wohl großartigsten Kirchenkompositionen überhaupt, spielte dann zum Abschluss noch einmal ebenso ergreifend wie beeindruckend mit den Elementen der Barockmusik. Den Auftakt des Konzerts markierte aber Arcangelo Corellis Concerto grosso Nr. 9 in F-Dur, das feierlich und doch beschwingt wie ein Tanz einsetzte, sich wie eine wehmütige Klage fortspann, um schließlich im letzten Satz die langgezogenen tiefen Töne und aufkommende Düsternis mit schnellen hellen Klängen wieder zu vertreiben. Auf Correlli ließen die Musiker eine wunderschöne Interpretation von Johann Sebastian Bachs „Air“ aus der Orchestersuite Nr. 3 folgen. Ganz zart angehoben mit den ersten Tönen, dann ruhig dahinfließend, kam die schlichte Melodie mit ihren barocken Verzierungen besonders gut zur Geltung. Durch die individuelle Interpretation ließ das oft gehörte Stück neu aufhorchen und vermittelte zusammen mit dem festen, triumphalen Choral aus der Kantate „Jesus bleibet meine Freude“ mit seinem gut herausgearbeiteten Wechsel zwischen Vokal- und Instrumentalensembles zugleich einen Eindruck von dem überaus vielseitigen Schaffen des Thomaskantors. Im Gegensatz dazu hob mit einem hinreißend charmanten, überwiegend heiteren Allegro Mozarts Sinfonie an, erinnerte im Andante an eine galante Aufforderung zum Tanz, die das Barockensemble so in ruhige Bahnen übergehen ließ, wie sich ein schöner Tag zu Ende neigt, bis sie wie unter einem Spitzenschleier aus hellen Tönen im Presto wieder fröhliche Stimmung hervorzauberten. Das Publikum applaudierte dafür ebenso begeistert wie für die drei Sätze aus Schuberts „Deutscher Messe“, die voller Kraft und Ehrfurcht gebietend den Kirchenraum erfüllten. Laute Bravo-Rufe sogar erntete gleich darauf „Der Herbst“ aus den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi. Das Ensemble mit der Solo-Violine Robert Franks ließ in diesem Klanggemälde alle Facetten dieser Jahreszeit lebendig werden, schilderte im Allegro ein Erntedankfest mit einem schwerfälligen Bauerntanz und dem Torkeln eines vom Wein Berauschten. Im zweiten Satz, dem Adagio, ließ es die Töne wie dunkle Wolken aufziehen, um schließlich im dritten im Allegro eine Jagdgesellschaft zu schildern, die immer wilder ihre Beute hetzt, bis diese klagend zusammenbricht.