Neustadt Der Heilige Geist wirkt am ehesten in der Stille

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«Hassloch». Ganz auf die kirchliche Liturgie zum gerade gefeierten Pfingstfest war das Benefizorgelkonzert ausgerichtet, das Stephan E. Wehr, Musikprofessor in Köln mit Haßlocher Wurzeln, am Sonntag auf Einladung der „Turminitiative“ in der Christuskirche spielte. Den Klassikern von Bach und Buxtehude stellte er dabei jeweils Werke moderner Komponisten gegenüber, die sich zum Teil sogar direkt auf die alten Meister bezogen.

Wehr ist in Haßloch aufgewachsen, was man sympathischerweise immer noch ein wenig hören kann in seinem Hochdeutsch. In Köln, Salzburg und Wien hat er Kirchenmusik studiert und ist neben seinem Hauptberuf als musikalischer Leiter der Abteilung Musiktheater an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln auch ein weithin bekannter Organist. Vor Beginn des Konzerts erklärte er sein Programm, nutzte dabei sogar eigens ein kleines elektrisches Cembalo für Hörbeispiele, ehe er sich mit dem Worten „Sie entschuldigen mich, ich hab noch zu tun“ auf die Orgeltribüne empfahl. Vier der fünf Werke von Buxtehude und Bach im Programm waren Choralvorspiele zum alten Kirchenlied „Komm Heiliger Geist, Herre Gott“, das auch dem ganzen Konzert den Titel gab – ganz paritätisch jeweils zwei von jedem. Dabei lag Wehr, wie er erklärte, besonders das zweite von Buxtehude, BuxWV 200, am Herzen „Komponierte Stille“, sei das, wie sich hier langsam aus einzelnen Tönen, wie mit angehaltenem Atem, die Melodie entwickle, und er zitierte die Stelle aus dem Buch der Könige, in dem der Herr vor Elija auf dem Berg Horeb erscheint, aber nicht im Sturm oder Erdbeben, sondern im leisesten Säuseln des Windes. „Mir scheint, der Heilige Geist wirkt am ehesten in der Stille“, erklärte Wehr hier passend. Bach allerdings betonte eher Macht und Majestät des Heiligen Geistes. Seine Choralfantasie BWV 651 ist ein virtuoses Stück, das, kräftig grundiert von den Pedalen, zur Erhebung der Gottesdienstbesucher gedacht ist. Wehr kombinierte dazu das Pfingstkonzert von Harald Genzmer, verstorben 2007 in München, aus dem Jahr 1983, ein strahlendes, lebhaft-virtuoses Werk in drei Sätzen, einem donnernden Präludium, Meditation und Choral zu „Veni, Creator“, ganz dunkel mit den Holzbläserregistern der Orgel, und einem Schluss-Choral über das alte Kirchenlied „Nun bitten wir den Heiligen Geist“. Das Präludium klang dabei schon fast wie Pop-Musik, leicht eingängig, schnell und jazzig. Von Hermann Schroeder, einem katholischen Kirchenmusiker des 20. Jahrhunderts, verstorben 1984 in Bad Orb, stammte die 1956 entstandene Choralfantasie „Oh heiligste Dreifaltigkeit“, auch dies ein lebhaftes, schnelles Stück mit ausschwingenden Tönen wie von einer Hammond-Orgel. Der 2007 verstorbene Petr Eben wiederum war einer der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten Tschechiens. 1987 komponierte er eine „Hommage an Buxtehude“ für die Orgel als Toccatenfuge mit drei Sätzen. In seiner Einführung wies Wehr darauf hin, dass Eben an zwei Stellen direkte Zitate aus Werken Buxtehudes eingebaut hatte, etwa im zweiten Satz, einem Scherzando. Das ganze Stück gibt der Bewunderung Ebens für Buxtehude Ausdruck und wirkt sehr klassisch. Das letzte Stück des offiziellen Programms führte wieder zurück zu Bach und bot einen Kontrast zum übrigen Konzert: Präludium und Fuge in D-Dur (BWV 532) schrieb Bach als 23-Jähriger, ein richtiges „Angeberstück“ eines jungen Mannes nach Wehrs Worten. Bach wollte so richtig zeigen, was er kann. Allerdings konnte er es auch, so war ein bisschen Funkeln und Glänzen wohl erlaubt. Im zweiten Teil erlaubte er sich sogar noch eine Art Mimikry: Er greift hier den Stil des großen Italieners Girolamo Frescobaldi auf, ohne ihn jedoch direkt zu zitieren. Dennoch: „Niemand, der es nicht wüsste, würde Bach und nicht Frescobaldi vermuten“, sagte Wehr. Als kleine Zugabe gab’s zum Schluss dann noch ein sehr meditativen Stück von Max Reger.

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