Neustadt Der Geißbock und die Geißbock-Führer

Der Tributbock sollte die Blumen, mit denen er zur Übergabe geschmückt wird, nicht fressen.
Der Tributbock sollte die Blumen, mit denen er zur Übergabe geschmückt wird, nicht fressen.

Im Abstand von fünf Jahren sind in Lambrecht aus Anlass der Übergabe des Tributbocks an Deidesheim die Geißbock-Festspiele. In den Jahren dazwischen ist am Pfingstsonntag ein Heimatabend im Hof der Grundschule.

Im kommenden Jahr sind wieder die Geißbock-Festspiele. Bei denen wird immer ein aus mehreren Bildern bestehendes Geißbock-Spiel aufgeführt. Das hat der aus Lambrecht stammenden Dramaturg Ernst Schäfer geschrieben, später wurde es von Luitpold Seelmann erweitert. Die Uraufführung des Stücks war 1834. Als Ausblick auf das große Ereignis im kommenden Jahr werden beim Heimatabend am Pfingstsonntag zwei Szenen des historischen Spiels aufgeführt. Der Heimatabend, eine gemeinsame Veranstaltung der Stadt und des Verkehrsvereins Lambrecht, beginnt um 17 Uhr mit musikalischen Darbietungen des Musikvereins Königsbach. Um 18 Uhr begrüßt Hans-Joachim Hinrichs, Vorsitzender des Verkehrsvereins, die Gäste. Dann wird eines der Bilder des Geißbock-Spiels aufgeführt, nach einer Pause folgt ein weiteres Bild. In dem Akt, der zuerst gezeigt wird, geht es darum, dass Jakob, der jüngste Bürger der Stadt, den Tributbock nach Lambrecht bringen soll. Seine Frau Lisbeth, die aus Speyer stammt und das Lambrechter Brauchtum nicht kennt, ist darüber nicht begeistert. Doch schließlich kann Jakob sie überzeugen und Lisbeth geht sogar mit. Sie ist damit die erste Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann den Tributbock nach Deidesheim bringt. In der zweiten Szene warten die Deidesheimer Stadträte an der Stadtgrenze von Deidesheim, bis die Lambrechter mit dem Tributbock kommen. Als die nicht erscheinen, geht einer der Wartenden in den Wald, um zu schauen, wo die Lambrechter bleiben und stellt fest, dass die sich nicht an die Regeln halten. So läuft der Geißbock nicht, sondern wird auf einem Leiterwagen gefahren. Die Deidesheimer verweigern die Annahme des Tributbocks. Bei den beiden Spielszenen wirken viele langjährige Akteure der Schauspielgruppe des Verkehrsvereins mit, berichtet der Lambrechter Bürgermeister Karl-Günter Müller. der ebenfalls einer der Mitwirkenden ist. Zum Heimatabend gehört auch, dass eine Delegation aus Deidesheim mit Bürgermeister Manfred Dörr auf die Bühne kommt und prüft, ob der Geißbock den Anforderungen entspricht. Denn schließlich muss der Vierbeiner gut gebeutelt und gut gehörnt sein. Brauch ist es, dass das Lambrechter Ehepaar, das zuletzt geheiratet hat, Geißbockführer ist. Das diesjährige Paar Patrick Faß und Inna Keckel heiratet am Pfingstsamstag. „Die beiden haben sich schon vor einem Jahr beworben“, verrät Müller. Vielleicht wird beim Heimatabend der am 17. Mai geborene Sohn Leonard dabei sein. Müller wird drei Paare ehren, die einst den Tributbock nach Deidesheim gebracht haben und bei denen nun ein Jubiläum ansteht. Vor 45 Jahren waren Ingrid und Ulrich Seelmann Geißbockführer. Vor 35 Jahren hatten Annette und Wolfgang Glaß diese Aufgabe und vor 25 Jahren Christine und Uwe Gutfrucht. Am Dienstag nach Pfingsten startet um 5.30 Uhr am Friedrich-Ebert-Platz der Geißbockmarsch nach Deidesheim.

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