Neustadt Der Brunnen am Marktplatz

Letztens hatte ich Besuch von einem Kollegen, der im Pfälzerwald für eine große Pfarrei zuständig ist. Abends gingen wir durch Deidesheim spazieren und setzten uns zum Abschluss auf den Marktplatz, um ein Glas Wein zu genießen. Dabei schauten wir über den Andreasbrunnen auf den Chor der Stadtpfarrkirche. Die untergehende Sonne versank dahinter am Haardtrand. Ein Bild, fast zu kitschig, um real zu sein. Immer wieder kamen Leute vorbei, die sich zu uns setzten oder für ein paar Minuten stehen blieben, um zu plaudern. Irgendwie versteht man an solchen Abenden, dass so viele Menschen hier bei uns an der Weinstraße Urlaub machen. Immer wieder blieb mein Blick auf dem Brunnen hängen: Oben erhebt sich der Wasserstrahl, um in eine kleinere Schale zu fallen. Diese füllt sich und lässt an ihren Rändern das Wasser in eine darunter liegende, größere Schale fließen. Auch diese gibt das Nass weiter an das auffangende Becken. Ein sanftes Plätschern begleitet diesen Vorgang. An diesem Abend aber ging mir wieder ein Gedicht durch den Kopf, das ich seit meiner Schulzeit lieb gewonnen habe; Der römische Brunnen von Conrad Ferdinand Meyer aus dem Jahr 1882:Keines dieser Dinge ist ohne das Andere zu haben: kein Aufstieg ohne Abstieg, keine Geburt ohne den Tod. kein Geben ohne Nehmen. Zum Teil sorgt die Natur von sich aus für diesen Ausgleich. Zum Teil sind wir auch selbst verantwortlich für ein gelungenes Leben im Einklang der Dinge. Wir können nicht nur haben, nehmen, aufsteigen. Auch Verlust, Loslassen und Abstieg sind wesentliche Teile unseres Lebens. Unsere Aufgabe ist, dies zu verstehen, zu akzeptieren und in unser je eigenes Leben zu integrieren. (Archivfoto: LM) Der Autor Bernhard Braun ist katholischer Pfarrer in Deidesheim.