Neustadt Deidesheim-Riesling unter BASF-Hochhaus

Ein guter Wein kann ganz schön teuer sein. Da trifft es sich gut, wenn man zum Nulltarif einen edlen Tropfen findet – auch wenn das eher zufällig geschah. Und zwar unter dem abgetragenen Engelhorn-Hochhaus, wo sich ein „Deidesheimer Kieselberg Riesling Auslese“ aus dem Jahr 1953 fand.
Das Friedrich-Engelhorn-Haus der BASF, ein Wahrzeichen Ludwigshafens, ist in den vergangenen Monaten abgerissen worden. Bei der Öffnung des Grundsteins wurde eine Kassette sichergestellt. Nicht ungewöhnlich, denn es ist guter Brauch, dass beim Bau eines Hauses verschiedene Dinge in eine Kiste gegeben und diese dann im Grundstein versenkt wird. Meistens werden Münzen, eine Tageszeitung und eben eine Flasche Wein verbuddelt. Das alles soll Glück bringen. Nicht anders war es, als das Friedrich-Engelhorn-Haus 1954 gebaut wurde. In der Kassette wurden unter anderem Konstruktionszeichnungen des Hochhauses, Modellfotos, ein Abriss der architektonischen Grundidee, der Geschäftsbericht der BASF aus dem Jahr 1953, die damalige Werkszeitung, ein paar deutsche Münzen, einige Tageszeitungen, darunter die RHEINPFALZ, die Urkunde der Grundsteinlegung und eben eine Flasche „Deidesheimer Kieselberg Riesling Auslese“, Jahrgang 1953. Klingt nach edlem Tropfen und ist auch einer, wie Bernhard Wolff, der Leiter des Weinkellers der BASF bestätigt. „Das ist eine qualitativ hochwertige und renommierte Lage, besonders für den Riesling. Die Reben sind in Deidesheim auf einem kleinen Hochplateau in Richtung Forst zu finden“, sagt Wolff. Die Lage gehöre einer Familie Kesselberg, woraus sich wohl der Name „Kieselberg“ ableitet. Von dieser Lage wolle die BASF zu ihren 150-jährigen Bestehen 2015 einen Wein auf den Markt bringen. Und wenn die Rede auf den Jahrgang kommt, dann sieht man den Fachmann im Geiste in einem gemütlichen Sessel sitzen und den Riesling genießen. „1953 war ein sehr, sehr gutes Weinjahr“, sagt Wolff und zitiert Michael Broadbent, einen berühmten englischen Weinkritiker. Der heute 87-jährige Fachjournalist Broadbent spricht von einem Jahrgang mit großem Charme und Attraktivität, der verdientermaßen sehr populär sei. England und Wein – das würde man auf Anhieb nicht unbedingt als zusammenpassend ansehen. Manchmal irrt man sich aber. Jedenfalls hat der Wein Jahrgang 1953 vier von fünf möglichen Sternen erhalten. Fünf Sterne gab es beispielsweise für das Jahr 1959. Laut Wolff seien die Weine bei sehr guter Lagerung lange halt- und trinkbar. So habe die BASF auch noch einen Riesling aus der Region gelagert. Der stammt aus dem Jahr 1865, dem Gründungsjahr des Unternehmens. Der Wert der jetzt im Grundstein gefundenen Flasche Weißwein sei ganz schwierig zu bestimmen. „Dafür gibt es keinen Markt. Solche Weine wechseln meist bei Versteigerungen den Besitzer“, verdeutlicht Wolff. Nun, die BASF hat den Inhalt der Kassette an eine Fachfirma übergeben, die sichert, restauriert und inventarisiert. Da Wasser aus der Kassette austrat, soll der Inhalt zunächst einmal gefriergetrocknet werden. Bleibt zu hoffen, dass der Wein davon verschont bleibt.