Neustadt Deidesheim: Ein Besuch in Harald Potschs Eismanufaktur

Beim Rosa Burgfest auf der Burg Landeck oberhalb von Klingenmünster war Harald Potsch vergangenes Jahr mit seiner „Eizmanufaktur
Beim Rosa Burgfest auf der Burg Landeck oberhalb von Klingenmünster war Harald Potsch vergangenes Jahr mit seiner »Eizmanufaktur« – auf das »Z« legt er übrigens Wert – vertreten.

„Am längsten dauert die Auswahl“, sagt Harald Potsch aus Deidesheim über die Erfahrungen mit seiner nach eigenen Angaben kleinste Eismanufaktur der Welt. 365 Sorten kann er in seinem Eiswagen innerhalb kürzester Zeit herstellen. Nur auf Fruchtgummi muss er verzichten.

Sage und schreibe 365 Sorten Eis, also für jeden Tag eine andere, gibt es bei Harald Potsch aus Deidesheim. Gleichzeitig betreibt er die nach eigener Aussage kleinste „Eizmanufaktur“ der Welt. Mit seinem Eiswagen ist Potsch in der ganzen Region unterwegs und bereitet das Eis direkt vor den Augen seiner Kunden zu.

Ingwer-Lemongras-Öl oder Müsli

Ein kleiner Wagen samt Tiefkühlzelle, Zubereitungstheke und natürlich Eismaschine, außerdem hat er je nach Wetterlage noch ein Zelt dabei: Mehr braucht es nicht für Harald Potsch, um Kreationen wie ein Milcheis mit Ingwer-Lemongras-Öl und Walnusskernen, ein Joghurteis mit Kirsche, Rumkugeln und Müsli oder auch ein Schokoeis mit Popcorn zu kredenzen. Und das innerhalb von gerade einmal 30 Sekunden. Vier Basissorten in Bioqualität habe er immer dabei, erläutert Potsch: ein Milcheis in neutraler oder Joghurt-Variante sowie ein Reisdrink-Eis, neutral oder Schoko. Letztere beiden seien laktosefrei und vegan. Hinzu kommen dann noch verschiedene Zutaten: angefangen von Früchten, über Nüsse, Lakritz, Kräuter und Öle bis hin zu Knoblauch, Meerrettich oder Senf. „Nur Gummibärchen und Fruchtgummi kann ich nicht verwenden, die bleiben in der Maschine kleben“, erzählt der Fachmann.

"Am längsten dauert die Auswahl"

Sind die Zutaten zusammengestellt, kommt alles in den Mixer und über einen Trichter nach kurzer Zeit als fertiges Eis in die Waffel oder den Becher. Am längsten dauere die Auswahl, da täten sich einige Menschen schwer, so Potsch. Die Karte mit den 365 Kreationen mit Namen wie „Inselgeflüster“, „Affentüte“ oder „Rakete“ sei aber eher ein Werbegag. „Ich berate die Leute natürlich, was gut zusammenpasst und was eher nicht“, so der 48-Jährige. Gefragt seien derzeit vor allem Karotte-Nuss-Kombinationen, ein Eis mit gebrannten Bio-Hanfsamen oder die Variante Kirsche, Mango und Knoblauch. Von der stinkenden Knolle verwende er dann natürlich nur einen Hauch, erklärt Potsch lachend. Das Tolle sei, dass sich seine Kunden intensiv über ihr Eis unterhielten und in manchen Fällen sogar gegenseitig hochschaukelten, was die Risikofreude angehe, berichtet Potsch: „Es gibt die mutigen und die eher konservativen Eisesser.“

Feuer und Flamme für Eis

Sein mobiles Geschäft betreibt der Deidesheimer seit März dieses Jahres. Vorher sei er 16 Jahre lang Reisebusfahrer gewesen, habe aber wieder mehr Zeit zu Hause mit seiner Familie verbringen wollen. Als er dann das Konzept der „Eizmanufaktur“ zufällig in Stralsund kennen gelernt habe, sei er schnell Feuer und Flamme gewesen, sagt Potsch. Ein Privatmann hat das Unternehmen 1998 im brandenburgischen Rheinsberg gegründet. Inzwischen gibt es über 50 Standorte in Deutschland und etwa hundert weltweit, darunter „Eizmanufakturen“ in England, Japan und Afrika. Im Umkreis von rund 350 Kilometern um Deidesheim sei er der einzige Anbieter, so Potsch, der mit „Harry’s Eizmanufaktur“ Lizenznehmer ist. Das „Z“ stehe im Übrigen für den „Zauberwirbel“, sprich den Mixer, in dem das Eis zubereitet werde.

Für die Zukunft ein Ladengeschäft

Seit Januar bewirbt der 48-Jährige sein mobiles Eisangebot bei Tourist-Informationen und Firmen – und ist nach eigenen Angaben inzwischen bis November ausgebucht. Erst kürzlich sei er beim Deidesheimer Gesundheitstag oder bei der „Rosa Leuchten“-Party auf der Burg Landeck präsent gewesen. Anfang Mai ist er beim Spargelfest in Schwetzingen, beim verkaufsoffenen Sonntag in Neustadt und an den letzten beiden Juni-Wochenenden im Kräutergarten der Klostermühle Edenkoben. „Ich habe aber auch schon Eis für 400 Ärzte beim Kardiologen-Kongress im Mannheimer Rosengarten gemacht“, erzählt der Deidesheimer. Für die Zukunft liebäugelt er mit einem richtigen Ladengeschäft, vielleicht im Neustadter oder Landauer Raum.

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