Neustadt Das staunt der englische Polizist
Den ersten „neien Woi“ wollten sich die Besucher der Winzergenossenschaft Weinbiet in Mußbach beim Erlebnistag Deutsche Weinstraße gestern auf keinen Fall entgehen lassen. „Das ist Pflicht, der erste Schluck ist der beste“, sagte Margareta Butte.
Diesmal ist sie wegen der Hitze mit dem Auto angereist und dann zu Fuß zur gut besuchten Winzergenossenschaft gewandert. Die Lachen-Speyerdorferin ist sich sicher, dass sie noch oft während der folgenden zwei Monate kommen wird. Das junge Paar aus Bad Dürkheim, beide 25 Jahre alt, wollen ihren Namen nicht verraten. Auch sie freuen sich. „Der neue Wein ist lecker, aber auch schon fast ein bisschen zu warm“, meinen beide. Auch Wilhelm Deutschel aus Neuhofen stimmte zu. Er hat die Winzergenossenschaft mit dem Auto angesteuert und musste sich seinen Weg zum Parkplatz durch einen Pulk Radler bahnen. Auf den Tischen stehen neben den Schoppengläsern mit dem „Neuen“ auch Weinschorle und viele Mineralwasser-Flaschen, um den Promille-Pegel in erlaubten Grenzen zu halten. Die Schattenplätze sind alle belegt, nur die Räder stehen in der prallen Sonne. Das birgt Gefahren, wie der Ausruf einer jungen Frau in kurzen „Hot Pants“ beim Aufsteigen zeigt: „Der Sattel ist ja glühend heiß. Hilfe.“ Doch das ist kein Fall für die Polizei. Zu dritt sind die Fahrrad-Polizisten zwischen Deidesheim und Maikammer unterwegs. Die beiden Neustadter Beamten Lothar Maurer und Dirk Bender haben Verstärkung durch einen englischen Kollegen erhalten. „Die Beziehungen zwischen den deutschen und englischen Beamten pflegen“, lautet der Auftrag von Paul Harris. Seine Dienststelle ist in Canterbury, im Südosten Englands. Harris ist von Deutschland begeistert, seit er seinen Vater schon als Vierjähriger bei dessen dienstlichen Besuchen als Polizist in Deutschland begleitet hat. „Die Pfalz ist meine zweite Heimat. Es ist hier wundervoll. Wir kommen jedes Jahr nach Hainfeld zum Weinkauf“, verriet er. Deshalb nutzte er gerne die Einladung, um seinen zweiwöchigen Urlaub beim Erlebnistag zu unterbrechen und hier Erfahrungen zu sammeln. Nein, so etwas gebe es in England nicht, dass eine Straße nur für Radler frei sei. Den Weinkonsum an diesem Tag schätze er als nicht zu gefährlich ein, denn die Pfälzer seien daran gewöhnt, sagt er mit einem Schmunzeln. Und dass die Deutschen eine andere Straßenseite befahren als auf seiner Insel, daran hat er sich schon längst gewöhnt. Seine deutschen Kollegen haben bis 16 Uhr noch keine gravierenden Verstöße feststellen können. Bis auf einige Autofahrer, die zu Beginn am Vormittag noch auf die abgesperrte Strecke wollten, habe es bislang keine Probleme gegeben, betonte Maurer. Und die Beziehungen zwischen dem Briten und den deutschen Beamten sind trotz der kürzlichen Brexit-Entscheidung an der Weinstraße vollkommen ungetrübt. Die deutschen Kollegen attestieren Paul Harris gute Sprachkenntnisse und sagen: „Auch in England sind die Aufgaben der Polizei nicht anders als bei uns.“ |kle