Neustadt Das Narrengold als „ein Geschenk des Berges“
Die Pfälzer Mineralien- und Fossilienbörse war am Wochenende wieder gut besucht. Mit ihren Ständen und Vitrinen verwandelten die 47 Aussteller die Deidesheimer Stadthalle, jetzt schon zum 45. Mal, in eine funkelnde Märchenwelt. „Mit der Besucherresonanz sind wir sehr zufrieden“, bestätigt Mitorganisator Hubert Birkle. Neben Mineralien und Fossilien fand man eine große Auswahl an Edelsteinen und Schmuckstücken sowie Heilsteinen.
Sehr aufwendig präparierte Trilobiten gab es bei Fossiliensammler Gregor Bühler zu sehen. Die vor Millionen von Jahren ausgestorbenen Gliederfüßer machten fast schon einen lebendigen Eindruck. Mitgebracht hat sie Bühler aus dem südmarokkanischen Alnif. Aber auch versteinerte Seelilien und ganze Skulpturen mit Ammoniten waren an seinem Stand vertreten. Neu auf der Mineralienbörse war auch Ron Borsboom aus den Niederlanden. Er ist schon über 45 Jahre ein passionierter Mineraliensammler. In ganz Europa kauft Borsboom alte Sammlungen auf. Allerdings müssen die Teile gut beschriftet und gepflegt sein, betont er. Zu einer solchen Sammlung aus Bad Godesberg gehören auch seltene Stücke aus Rhodochrosit. Darunter eine raffiniert geschliffene Kugel, an der man noch an verschiedenen Stellen sehr deutlich die Rhodochrosit-Stalaktiten erkennen kann. Das weltgrößte Vorkommen stalaktitischer Rhodochrosite befindet sich in Argentinien und wurde bereits von den Inka abgebaut. Da diese Form immer seltener gefunden wird, zählt er mittlerweile zu den teuersten Edelsteinen. Ein weiteres Prachtexemplar an Borsbooms Stand ist ein über 30 Zentimeter langer Doppelender-Rauchquarz – beide Kristallenden sind hier vollständig ausgebildet. Doppelender oder „Schwimmer“ wachsen meist freischwebend im Muttergestein. Bereits das zweite Mal ist Juan Carlos Callepos von Minart Peru in Deidesheim zu Gast. An seinem Stand gibt es eine spektakuläre Stufe aus Pyrit, Zinkblende und Quarz von rund 30 Zentimeter Höhe zu bestaunen. Gefunden hat Callepos die silbern funkelnde Formation erst im Januar mit seinem Vater in der Huanzala-Mine, die nördlich von Lima in knapp 2000 Meter Höhe liegt. Die beiden gehen immer einmal im Jahr zwischen dem 24. Dezember und 1. Januar in die Mine und bringen jedes Mal ein Geschenk des Berges mit, so Callepos. Die Huanzala-Mine ist bekannt für ihre spiegelglänzende oktaedrische oder kubische Pyrite, die man auch Katzen- oder Narrengold nennt. Eine weitere Seltenheit sind lindgrüne Augelithe-Kristallgruppen aus der 4600 Meter hoch gelegenen Mundo-Nuevo-Mine in der Provinz Sanchez Carrion. Auch jede Menge an Heilsteinen waren auf der Börse zu finden. Beispielsweise der Schungit, ein schwarzes Gestein, das bis zu 98 Prozent aus Kohlenstoff besteht. Bekannte Fundorte sind Ostfinnland und Russland. Neben der industriellen Nutzung als Farbpigment und Aktivkohlefilter wird er auch als Heilmittel eingesetzt. So soll eine Schungit-Pyramide vor Störfeldern wie Wasseradern, aber auch vor Mikrowellen- und Handystrahlung schützen. Über 5000 verschiedene Mineralien seien bereits registriert. Es würden immer wieder neue entdeckt, erklärt Hubert Birkle. Die Mineralien- und Fossilienbörse bleibt also auch weiterhin spannend und einen Besuch wert.