Neustadt „Das kann sich sehen lassen“
Seit etwas mehr als einem Jahr ist Neustadt Mitglied des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt“. Der Zusammenschluss von Städten, Gemeinden und Landkreisen, die sich für den Naturschutz engagieren wollen, zählt inzwischen mehr als 120 Mitglieder. In Neustadt wurden seit dem Beitritt Ende März 2016 etwa ein Dutzend Maßnahmen umgesetzt, verteilt auf das Stadtgebiet und mehrere Ortsteile. „Ich denke, es ist mehr als respektabel, was sich nach nur knapp einem Jahr getan hat“, sagte Oberbürgermeister Hans Georg Löffler gestern bei einer Präsentation. Für das wichtigste Ziel des Bündnisses, den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt, habe die Stadt ihre Hausaufgaben bis jetzt gemacht, sagte Michael Fuhrer, Leiter der städtischen Grünflächenabteilung. Er zählte unter anderem die Wildblumensaat im Gewerbegebiet Naulott-Guckinsland auf. Die Wiese befinde sich aktuell im zweiten Jahr, brauche für die Fertigstellung drei Jahre, aber das Ganze könne sich schon jetzt sehen lassen. „Die Staudenpflanzung in der Nachtweide befindet sich in einem ähnlich guten Zustand, und in der Wittelsbacherstraße wird der erste sichtbare Erfolg in der nächsten Vegetationsperiode zu sehen sein“, informierte Fuhrer. Der Neustadter Grünflächenchef betonte, dass gerade die Staudenpflanzung eine gute Möglichkeit sei, städtische Flächen nachhaltig zu gestalten und gleichzeitig optisch aufzuwerten. Der Pflegeaufwand halte sich dabei in Grenzen, auch das sei ein wichtiger Aspekt. „Allerdings verstehen nicht alle Bürger solche Flächen, manche sagen, das ist ja nur Unkraut“, bedauerte Fuhrer. Auch auf Baumpflanzungen beziehungsweise Baumfällungen im Innenstadtbereich – bekanntlich ein sehr umstrittenes Thema in Neustadt – kam er zu sprechen: „Mein Ziel ist es, dass ein Baum die 80 Jahre erreicht. Deshalb müssen Bäume durchdacht werden.“ Klasse statt Masse: Lieber weniger Bäume an exponierten Stellen als großspurige Neupflanzungen, die letztlich doch keine Zukunft haben. Er wolle „keine Dekobäume“, die nach zehn Jahren wieder weg müssen, sagte Fuhrer. Umweltdezernentin Waltraud Blarr sieht das genauso und wies gestern nochmals den Vorwurf zurück, die Stadt holze zu viele Bäume ab. Man arbeite mit Bedacht, das gelte auch für Rückschnitte: Bürger verstünden diese oft nicht und ärgerten sich über „Kahlschläge“. Dabei handele es sich um Pflegemaßnahmen, die für eine verlängerte Lebensdauer und ein erneutes Aufblühen sorgten, so Blarr. „Das sind keine Maßnahmen, um etwas auszumerzen, sondern um es am Leben zu halten“, ergänzte Löffler. Die Stadt pflege wegen des Beitritts zum Bündnis „Kommunen für Biologische Vielfalt“ mehr als in den Jahren davor, das sei so gewollt. Attraktive Grünflächen seien inzwischen „ein wichtiger Standortfaktor für die Attraktivität einer Stadt“, betonte Blarr. Die Stadt als Kommune wolle da als Vorbild agieren, aber auch die Bevölkerung müsse mitziehen. Stichwort naturnahe Gärten: Die Umweltdezernentin hofft, dass sich die Bürger motivieren lassen, auf Nachhaltigkeit und Vielfalt statt zum Beispiel auf sogenannte Steinschüttungen in ihren Gärten zu setzen. Die Mitgliedschaft im Bündnis kostet Neustadt 300 Euro pro Jahr. Einen eigenen Geldtopf für die verschiedenen Maßnahmen gibt es nicht, die Kosten verteilen sich vor allem auf Umwelt- und Grünflächenabteilung.