Neustadt Das Gute liegt doch oft so nah

91-91588743.jpg

Neustadt/Hassloch. „Wo soll ich das Glück suchen?“ – diese philosophische Frage stand am Samstag im Mittelpunkt des Tanzprogramms, das die Schüler der Haßlocher Ballettschule Hagenaars gleich zweimal im Neustadter Saalbau präsentierten. Das Publikum erlebte eine farbenfrohe Weltreise, die mit langem Applaus bedacht wurde.

Greta (Lara Strobel), die Titelheldin des von Musikschulleiterin Maricel Hagenaars selbst konzipierten Stücks, sucht „das Glück“ in Menschen, Orten, Jahreszeiten, auf dem Jahrmarkt ebenso wie in den Schlössern der Reichen, im Kerker, wo von Schwarzlicht angestrahlte „Gerippe“ leuchtend tanzen, und sogar am Südpol. Hierfür ist die Bühne in kühles Blauweiß getaucht. Eine Violine singt Bilder von einsamer Weite, und zehn Tänzerinnen schweben in schwarzen Hotpants mit zartgrauen, fließenden Oberteilen über die antarktische Eisfläche. Wie Schneeflocken finden sie sich zu Kristallen zusammen. Ihre Füße ziehen leise schleifende Bahnen über den Boden, die anschließenden Drehungen wirken leicht und lautlos. Diese Tänzerinnen sind erfahren und stehen damit in reizvollem Kontrast zu den Jüngsten des Abends im Kindergarten- oder Grundschulalter, die das Bühnentanzstück symbolisch nach England tragen. In waldgrünen Kniestrümpfen, roten Röckchen und rot-grünen Karoblusen tanzen und hüpfen sie mit bunten Regenschirmen gegen das „schlechte Wetter an der Themse“ an. Zwar beeinflusst der „Regentanz“ nicht die Wetterlage, aber die Stimmung der Gäste, denn von denen gibt es Begeisterungsrufe und Zwischenapplaus. Tanzszene reiht sich an Tanzszene. Nicht nur Europa wird bereist. Afrika, Amerika und Argentinien folgen. Die meisten Szenen des Abends hat Ballettpädagogin Maricel Hagenaars choreografiert. Aber auch die Lehrer Giovanni de Buono, Agnes Chartrin-Wolf, Dorothea Mende und Reinhold Ritter waren beteiligt. Bei der zehnten Schüler-Ballettaufführung – bisher gab es zwei im Herrenhof und acht im Saalbau – der mittlerweile 21 Jahre alten Ballettschule gibt es aber nicht nur klassisches Ballett. Auch modernere Tanzformen, Stepp und Flamenco spielen eine Rolle. „Ich möchte das Tanzen öffnen für die Fantasie“, erklärt Hagenaars im Gespräch. Zwischen den Auftritten der einzelnen Gruppen geht es zu wie im Bienenstock. Stimmengewirr, letzte Schritte werden abgestimmt, die Spitzenschuhe geschnürt, die Hagenaars erst bei Jugendlichen mit bereits ausgebildeten Füßen zulässt. Die Schulleiterin selbst tanzt an diesem Tag mit ihrer Flamenco-Gruppe zur eigenen Choreografie mit Live-Musik von Rainer Hawelka und Ronnie Volkmer an den Gitarren sowie Juanin de Ildefonso Garcia an der Querflöte. Originelle Ideen, wie eine getanzte Eisenbahn, deren Räderwerk durch präzise Fußarbeit nachempfunden wird, oder das Schneekindertänzchen der Kleinsten, von denen sich zwei vor lauter Winken gar nicht von der Bühne verabschieden wollen, sorgen für abwechslungsreiche Unterhaltung. Wer von den Kleinsten so großes Lampenfieber bekomme, dass er nicht mehr auf die Bühne wolle, der müsse nicht mitmachen, erklärt Hagenaars, denn die Freude am Tanz solle im Vordergrund stehen. Die zeigen auch der befreundete TSG 1846 Neustadt mit seinem „afrikanischen“ Gastauftritt oder die temperamentvolle Stepp-Gruppe in rot-schwarzen Glitzeranzügen und mit einem der wenigen tanzenden Herren an Bord. Weit gereist kommt Greta schließlich wieder zuhause an. Im Spielzimmer tanzen die Puppen in einer originellen Choreografie aus den Regalen, um zum Schluss wieder zufrieden dorthin zurückzukehren. Wie Greta, die feststellt, dass es Glück ist, wenn man sich zuhause fühlt, und das vor allem in sich selbst. Unter lang anhaltendem Applaus verabschieden sich die Darsteller, auf der Bühne vereint zu einem eindrucksvoll bunten Bild, von ihrem Publikum.

x