Neustadt „Das finde ich total cool“

Siegerin Caroline (vorne sitzend) und die weiteren Preisträger (von links) David, Esther, Josepha und Leo.
Siegerin Caroline (vorne sitzend) und die weiteren Preisträger (von links) David, Esther, Josepha und Leo.

Dass Lesen auch im digitalen Zeitalter Spaß macht und neue Horizonte eröffnet, bewiesen fünf Sechstklässler beim Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in der Stadtbücherei.

Die besten Vorleser aus Neustadts weiterführenden Schulen – drei Mädchen und diesmal sogar zwei Jungen – gingen am Mittwochnachmittag ins Rennen. Wer von ihnen wird Stadtsieger werden? Eltern, Geschwister und Freunde drückten die Daumen. Nach spannenden 75 Minuten verkündete die Jury die Siegerin: Caroline Herrmann von der Gebrüder Ullrich Realschule plus Maikammer-Hambach. Doch ehe es so weit war, gaben die Vorleser ihr Bestes – von Kulturdezernent Ingo Röthlingshöfer ermuntert mit „Nervosität gibt Energie!“ und von Bibliothekarin Ute Pantschitz über das Programm informiert. Zunächst stellten sie jeweils drei Minuten lang einen vorbereiteten Text aus ihrem Lieblingsbuch vor, worauf eine zweiminütige Lesung aus einem ihnen unbekannten Buch folgte. Eine vielseitige Auswahl aus internationaler Jugendliteratur, darunter zwei Bücher über das Schicksal jüdischer Kinder während der NS-Diktatur, hatten sie mitgebracht. In alphabetischer Reihenfolge der Vornamen lesend, startete Caroline mit einer Passage aus ihrem Lieblingsbuch „Zeitsprung ins Jetzt“, in dem die britische Autorin Ali Sparkes von Rachel und Ben erzählt, die unter der Erde ein verstecktes Labor und zwei Kinder im Kälteschlaf entdecken. Spannung pur bot auch David vom Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium. Aus dem historischen Abenteuerroman der niederländischen Autorin Tonke Dragt „Der Brief für den König“ las er eine packende Kampfszene. Esther Muff vom Leibniz-Gymnasium wählte eine Passage aus dem Jugendroman „Flügel aus Papier“ aus, in dem der polnische Autor Marcin Szczygielski die Flucht des jüdischen Jungen Rafael aus dem Warschauer Ghetto schildert. Einen Klassiker der Jugendliteratur, Michael Endes „Momo“, findet Josepha Westwood vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium so toll, dass sie die spannende Szene vom Kampf dreier Mädchen mit einer Riesenqualle las. Leo Ekkert von der Realschule plus Neustadt wählte das politische Jugendbuch „Damals war es Friedrich“ aus, in dem Hans Peter Richter das tragische Schicksal der jüdischen Familie Schneider schildert. Leo stellte die bewegende Szene vor, als die NS-Polizei Friedrichs Vater und den Rabbi abführt. Alle Schüler lasen souverän und ausdrucksstark. Schwieriger wurde es bei dem unbekannten Text aus Carrie Ryans und J. P. Davis’ Jugendroman „Die Weltensegler – Die phantastische Suche nach der Überallkarte“. Erzählt wird die Geschichte des Waisen Fin, der auf der Suche nach seiner Mutter zum Meisterdieb wird, den jeder, der ihn sieht, wieder vergisst ... Nach dem 45-minütigen Lesemarathon waren die Jury-Mitglieder gefordert: Gisela Pütter, Vorsitzende des Vereins „Freunde der Stadtbücherei“, Vorjahressiegerin Lilli Heinemann, Stadtratsmitglied Brigitte Hayn, Frank Schwarz, Buchhändler bei „Quodlibet“, und Redakteur Markus Pacher entschieden nach den Kriterien Lesetechnik und Interpretation über die Lesekompetenz der Kandidaten. Während ihrer Beratung unterhielt der Chor des Leibniz-Gymnasiums unter Leitung von Ann-Kathrin Gelder das Publikum. Nach 16 Uhr überreichte die Jury spannungssteigernd zuerst Teilnehmerurkunden und Buchgeschenke des Börsenvereins und von „Quodlibet“. Dann verkündete Pütter den Namen der Siegerin Caroline und überreichte ihr Urkunde und Buchpreis. Von ihrem Sieg war Caroline überrascht: „Damit hatte ich nicht gerechnet. Das finde ich total cool.“ Für sie geht die Lesereise weiter, zunächst auf Bezirks-, dann auf Landesebene.

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