Neustadt Das einzig Beständige ist die Veränderung
Waren es die Besucher des Neujahrsempfangs des Kreises SÜW bislang gewohnt, in die Kurstadt zu pilgern, hatten sie diesmal einen anderen Anreiseweg. Als eine seiner ersten Amtshandlungen führte Landrat Dietmar Seefeldt (CDU) ein Rotationsverfahren für den Standort des Empfangs ein. Diesmal begrüßte er die Gäste in Annweiler – die Stadt, die 2018 ihr Jubiläum „800 Jahre Stadtrechte“ feiert und Ausrichter des Rheinland-Pfalz-Tags ist. Im nächsten Jahr werde man sich in Edenkoben treffen, kündigte Seefeldt schon einmal an. Diese Wanderung durch den Landkreis entspreche seinem Wunsch nach Veränderung, leitete Seefeldt zum Leitthema seiner Neujahrsansprache über und machte einen kleinen Exkurs in die Neurowissenschaften. Was geschehe, wenn wir von Veränderungen hörten? Unser Gehirn sträube sich zunächst gegen Neues. Es sei darauf bedacht, Energie zu sparen statt neue neuronale Verbindungen einzugehen. „Es schickt uns quasi den inneren Schweinehund um die Ecke, damit alles so bleibt wie beim Alten“, sagte der Landrat. Doch vor 50 Jahren habe sich die Region nicht darauf ausgeruht, sondern sei mit der Gründung des Landkreises Landau/Bad Bergzabern, heute Südliche Weinstraße, neue Wege gegangen. „Welche Visionskraft, welchen Mut und welche Disziplin müssen wohl diejenigen aufgebracht haben, die vor 50 Jahren die Idee hatten, die bis dahin gültige kommunale Landschaft grundlegend zu verändern“, sinnierte Seefeldt, „es müssen auf jeden Fall Menschen gewesen sein, die sich nicht vor Veränderung gescheut haben.“ Unter die gestrigen Gäste gesellten sich auch der Gründungsvater des Kreises, Pfarrer Gerhard Schwetje, und Seefeldts langjährige Vorgängerin Theresia Riedmaier, die die Südliche Weinstraße wie die anderen Landräte auch mit „viel Herzblut, Engagement und Leidenschaft nachhaltig geprägt“ habe, wie Seefeldt betonte. Die beiden sowie Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Ministerpräsident a. D. Bernhard Vogel hatten dem Kreis zuvor in einem launigen Einführungsvideo zum Geburtstag gratuliert, in dem Seefeldt und alle Verbandsbürgermeister erzählten, was sie an der Südlichen Weinstraße schätzen. 50 Jubiläumsveranstaltungen habe der Kreis zu seinem 50. Geburtstag geplant, kündigte Seefeldt an. Höhepunkt werde sicherlich der Festakt am 8. Juni sein. Wer im 50. Jahr des Bestehens die Geschicke in den Kreis-, Stadt-, Verbandsgemeinde- und Ortsparlamenten lenken werde, das hätten die Bürger bei den Kommunalwahlen am 26. Mai in der Hand. Seefeldt dankte allen, die zum politischen Diskurs beitragen, mahnte aber: „Bitte bleiben Sie fair!“ Pfalzwein, Mobile Retter, schnelles Internet, demografischer Wandel, öffentlicher Nahverkehr – der Landrat streifte vollzogene und anstehende Veränderungen nur mit wenigen Worten. Er wisse, dass es üblich sei, in Neujahrsansprachen Rück- und Ausblicke anzubieten. „Aber ist es tatsächlich das, was ich Ihnen mit auf den Weg geben möchte“, fragte er und erinnerte sich an ein Interview mit Pater Anselm Grün. Auf die Frage, auf was er sich in diesem Jahr freue, habe dieser geantwortet: „Ich versuche stets, ganz gegenwärtig zu sein.“ Und hier griff Seefeldt wieder den roten Faden auf: Gegenwärtig zu sein, bedeute auch loszulassen, sich auf Veränderungen einzulassen. „Vielleicht sollten wir versuchen, den Blick weniger auf das Vergangene oder die ohnehin ungewisse Zukunft zu richten, sondern mehr den Moment zu genießen, das Hier und Jetzt wahrhaftig zu schätzen und anzunehmen.“ Er wünsche sich ein wenig mehr Gelassenheit und Zufriedenheit. „Schließlich ist unser Landkreis prädestiniert dazu, die Seele baumeln zu lassen.“ Für super Stimmung dank witziger Moderation und bestem Hörgenuss sorgte das Kreisjugendorchester SÜW unter der Leitung von Jochen Schnepf.