Neustadt „Darf ich Ihnen etwas anbieten?“
Die Markt-Messe „Stadt der Genüsse“ feierte in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag. 68 Aussteller boten an den drei Tagen eine Vielfalt an internationalen Spezialitäten. Feinschmecker konnten hier nicht nur einkaufen, sondern auch probieren. Trotz des Regens kamen viele Besucher. Veranstalterin Yvonne Suzette Moissl kann die Zahl nicht genau abschätzen. Sie war mit der Resonanz aufgrund der Witterung nicht ganz zufrieden: „Es war durchwachsen.“
Die Anzahl der Feinschmecker und Genießer wird immer größer. Das Probieren und Verkosten sowie das Entdecken von allerlei, zum Teil außergewöhnlichen Spezialitäten scheint sich wachsender Beliebtheit zu erfreuen. Dazu wird die Messe „Stadt der Genüsse“ auch ihrem Namen gerecht: Nicht nur der Stadtplatz und die benachbarte Stadthalle waren Treffpunkt für Genießer, sondern auch im Weingut Reichsrat von Buhl, wo es erneut den Slow-Food-Markt gab, und das Hotel-Restaurant Deidesheimer Hof mit einem ungewöhnlichen Beef-Tasting am Eröffnungsabend waren mit von der Partie. Die Erweiterung um weitere Genussstationen innerhalb der Stadt ist auch das Ziel von Moissl, die 1997 bis 2006 in Deidesheim das kulinarische Festival veranstaltet hatte, ehe sie fünf Jahre im Herrenhof in Mußbach, dann zwei Jahre in Annweiler war und nun seit 2015 wieder in die Weinbaugemeinde an der Deutschen Weinstraße zurückgekehrt ist. Dort soll die „Stadt der Genüsse“ auch bleiben. Zumindest ist dies der erklärte Wille von Moissl, die an den drei Veranstaltungstagen bei Degustationsrundgängen ihre Gäste immer wieder mit Erzeugern in Kontakt gebracht hat. Das Gespräch mit den Erzeugern und Produzenten, aber auch das ständige Probieren stand bei diesem Markt im Mittelpunkt. „Darf ich Ihnen etwas anbieten?“, fragt Oliver Wittmer und reicht ein Holzbrett mit frisch aufgeschnittenem Schinken vom amerikanischen Duroc-Schwein. Ein sehr dunkles, fast rötliches Fleisch, das eher Rindfleisch ähnelt, lässt er seine Gäste probieren. Sie sind beeindruckt von der Spezialität, die der Deidesheimer, der erstmals beim „Markt der Genüsse“ mit von der Partie ist, hergestellt hat. Seine Palette ist umfangreich und trägt zu Recht den Namen „OW-Genuss“. Getrocknete Würste vom Lamm, aber auch Bratwürste vom Duroc-Schwein, dazu noch verschiedene Honigsorten mit Walnuss, Mandel, Trüffel oder Ingwer sowie allerlei Liköre haben er und seine Ehefrau Elke im Sortiment. „Probieren Sie mal bitte den Apfel-Ingwer-Likör“, lädt Wittmer ein. Da lässt sich Franz Adrian nicht zweimal bitten. „Ich bin eigentlich kein Fan von Likören, da diese mir einfach zu süß sind. Aber das ist hier nicht der Fall“, sagt der 68 Jahre alte Rentner aus Speyer. Mit seiner Ehefrau ist er auf der Suche nach dem Besonderen. Er wird fündig. Allerlei frische Pilze wie Samthauben, Shithak, Goldköppchen und Korallenpilze hat er beim badischen Pilzzüchter Arno Kubach aus Rosenberg entdeckt und dort auch eine frisch zubereitete Pilzpfanne verzehrt. „Ein Genuss“, meint er. Auch die afrikanischen Spezialitäten wie Kräuterhähnchen mit Basmatireis oder die frittierten Kochbananen, die Mary Appiah-Schwed oder Peter Ackermanns Germanenspieß an den benachbarten Ständen locken an. Ein Geheimtipp unter den Produzenten haben auch Daniela und Gunter Wolf: Anke Heymachs Käsesorten, die veredelt wurden und sich durch ihre typischen Aromen auszeichnen. Es gibt noch mehr Entdeckungen: Das „Wunderbier“, das Diplom-Braumeister Hans Jörg Mayer von der gleichnamigen Privatbrauerei in Ludwigshafen-Oggersheim erstmals vorstellte, verkosten die Genießer. Ein Bier, das eher dem Craft-Bier ähnelt, das durch seinen aromatischen Charakter und Vollmundigkeit besticht, aber dennoch mit seinem Mandarina-Bavaria-Hopfen eine herb-fruchtige Note liefert. „Ein Bier, das man mögen muss“, sagt Mayer, der die neueste Errungenschaft seit einer Woche als sein „Handwerksbier“ sieht. Der Gerstensaft präsentiert sich im schicken Verkostungsglas. Die Qualität der Produkte ist bei diesem 20. Markt beeindruckend. Viele Besucher lassen unter den Platanen bei ebenfalls tollen Musikdarbietungen ihre kulinarische Reise ausklingen. (wij)