Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Daniela Michel mit ihrem Solo im Theater in der Kurve

Die Tante findet das erste graue Haar der kinderlosen Single-Mitdreißigerin: Daniela Michel in ihrem Solo in Hambach.
Die Tante findet das erste graue Haar der kinderlosen Single-Mitdreißigerin: Daniela Michel in ihrem Solo in Hambach.

Daniela Michel war schon öfter Gast im Theater in der Kurve, am Freitag aber kam sie mit ihrem ersten Soloprogramm nach Hambach.

Aus eigener Sicht hat sie zwei Stunden lang „Männer und andere (Kata)Strophen im Leben einer Frau“ beleuchtet, viele Klischees bedient und dem vorwiegend weiblichen Ü-60-Publikum aus dem Herzen gesprochen. Die Premiere des Programms war im Zimmertheater in Speyer.

„Männer sind wie Wolken. Wenn sie sich verziehen, kann’s ein schöner Abend werden“. Da ist Kata – Single, Mitte 30, Bühnenjob – mit ihren Freundinnen einer Meinung. Und nach der Pause dieses langen Abends, im dem die „Männer und andere Kata)Strophen im Leben einer Frau“ beschreibt und besingt, belacht und beweint, haben sich die handverlesenen Herren im Publikum tatsächlich schon verzogen. Der eine, der bis zum Ende durchhielt, bekam von Kata und allen anderen Damen im Saal einen anerkennenden Extra-Applaus. Ganz so wörtlich war das Wolkenbild freilich nicht gemeint. Und allzu ernst will diese Kata bei allem Ernst der von ihr analysierten weiblichen Gefühls- und Lebenslage auch gar nicht genommen werden. Aber die Krux ihrer kräftezehrenden One-Woman-Show liegt halt doch in der Tatsache, dass sich allzu viele der hier verhandelten Probleme um typische Klischees der Damenwelt drehen, die zwar lustvoll zelebriert, manchmal auch aus gesellschaftlicher Sicht reflektiert, aber weder gebrochen noch auf den neuesten Stand gehoben werden.

Bewegt und belebt

Schon der Auftakt, bei dem sich, kulminiert im Song „Ich bin, was ich trag“, alles um das richtige Outfit zum richtigen Event, dreht, lässt erahnen, dass die sich anbahnenden Katastrophen an der Oberfläche bleiben. Da allerdings haben die flotten Kostümwechsel für ein breit angelegtes Tagespensum noch Schwung auf die Bühne im pink-grünem Farbspiel gebracht. Danach geht es zwar bewegt und belebt, aber mit stark reduziertem Aufwand weiter, immer dem lose ausgerollten roten Faden entlang, der von der Pubertät und der ersten Liebe bis zum Jetzt mit Tendenz zum drohenden Klimakterium reicht. Als Tag und Nacht geforderte Mittdreißigerin fühlt sich Kata selbst „wie eine Katastrophe“, wie ein „wandelndes Chaos“ und „so familienkompatibel wie ein Gabel beim Suppelöffeln.“ Beim Einkauf fürs Diätprogramm scheitert sie wie ein Kleinkind vorm Schokoregal auf den letzten Metern der „Quengelgasse“, Sport fühlt sich an wie Mord, und aus der Liste der „Beziehungsanwärter“ sticht partout kein „Mann fürs Leben“ heraus. Da ist die Tante, die auch noch auf das erste graue Haar hinweist, genau der Tropfen zu viel, der das Fass zum Überlaufen bringt.

„Kennen Sie das auch?“

„Ich wer verrickt“ ruft da eine mitfühlende Seniorin aus dem Publikum und Kata will nicht nur diesmal wissen: „Kennen Sie das auch?“ Der Aha-Effekt ist garantiert, denn die Protagonistin zitiert nun aus dem Ratgeber „Die Kunst, den Mann fürs Leben zu finden“ – ein „Buch aus den 90ern mit Tipps aus dem 50ern“ das – wie später die weidlich besprochenen Disney-Romanzen und leidlich inszenierten Märchen vom Schneewittchen und Dornröschen das Frauenbild bis heute prägen. Welche Frau aber will 2025 noch für sieben Zwerge kochen? Und welcher Prinz erweist sich als „weißer Ritter“?

Weder ein scannender Blick über den Disco-Dancefloor, auf dem fünf ausgemachte Männertypen zum Nachahmen der jeweiligen Anbagger-Methode animieren, noch beim Switchen über die Dating-Apps. was von den Zuschauerinnen mit einem abwertenden Uhhh bedacht wird, führt zur Lösung des Problems. Kein Wunder, denn Kata ja nicht mal sich selbst d’accord. „Mein Körper und ich sind kein gutes Team“ gesteht sie im besten Song des Abends zur Klavierbegleitung aus dem Off, und listet viele Beispiele auf, warum sie (weiblich) und er (männlich) sich so fremd sind und getrennt leben. Einsam ist Kata letztendlich aber trotzdem nicht.

„Für alles hab’n wir eine Creme“

Sie hat ihre Freundinnen, die in und bei allen Lebenslagen helfen und mitfühlende Frauen, die sich zum Ausklang des Abends als Chor vereinen: „Für uns Frauen ist das kein Problem/ Geheimnisse kriegen wir raus/ Für alles hab’n wir eine Creme/ und sehen immer gut aus/ Wenn ich’s doch sage … Gar keine Frage“

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