Haßloch Dammbau: Für Baufeld müssen Bäume fallen

In den rot umrandeten Bereichen wird gerodet.
In den rot umrandeten Bereichen wird gerodet.

Im Februar werden an den Rändern des Haßlocher Industriegebiets Süd Bäume gefällt. Hintergrund ist der geplante Bau von Dämmen zum Hochwasserschutz: Für Baufelder muss Platz geschaffen werden. Was im Einzelnen geplant ist – und warum eine „Käferpyramide“ errichtet wird.

Zwei Dämme sollen das Industriegebiet Süd künftig vor Überschwemmungen schützen und einem 100-jährlichen Hochwasserereignis standhalten können. Der Baubeginn ist in der zweiten Jahreshälfte 2025 geplant, fertiggestellt werden soll der Hochwasserschutz bis spätestens März 2026. Der kleinere Damm, 60 Meter lang und 90 Zentimeter hoch, wird zwischen dem südlichen Rand des Industriegebiets und der Kreisstraße 14 entstehen, der größere mit einer Länge von 310 Metern und einer Höhe von 1,20 Metern wird von der Obermühle am westlichen Rand des Industriegebiets entlang nach Süden verlaufen. Laut Gemeindeverwaltung wurden in dem betroffenen Bereich Zauneidechsen eingefangen, die umgesiedelt werden sollen. Zudem wurden Bäume auf Überwinterungsquartiere von Fledermäusen überprüft.

Bevor der Bau der Dämme beginnen kann, müssen als vorbereitende Maßnahme westlich und südlich vom Industriegebiet allerdings Bäume gefällt werden. Die Rodungsarbeiten seien erforderlich, weil für die Errichtung standfester Dämme und die Verlegung des parallel verlaufenden Grabens im Westen Baufelder erforderlich seien, so die Gemeindeverwaltung auf Anfrage. Im Westen soll das Baufeld etwa 20 Meter breit sein, im Süden etwa 15 Meter. Da in den betreffenden Bereichen nicht ausreichend Freiflächen zur Verfügung stünden, „sind Eingriffe in den Waldbestand leider unvermeidbar“, so die Verwaltung.

Bis Ende Februar wird gerodet

Die Rodungen sollen im Februar stattfinden, ein genauer Termin könne noch nicht genannt werden. Bis Ende Februar müssten die Arbeiten beendet sein – zum einen, um den Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes zu entsprechen, zum anderen, um einen Baubeginn vor Oktober dieses Jahres zu ermöglichen. Denn da Rodungen nur im Zeitraum zwischen Anfang Oktober bis Ende Februar stattfinden könnten, würde sich der Dammbau ansonsten weiter verzögern. Aufgrund artenschutzrechtlicher Vorgaben sei der Baubeginn an den Dämmen frühestens Mitte August 2025 möglich.

Wie viele Bäume gefällt werden müssen, kann die Verwaltung nicht genau beziffern. Die Rodungen umfassen die in der Abbildung rot umrandeten Bereiche. Im Süden des Industriegebiets sollen etwa 3500 Quadratmeter Fläche, davon etwa 2900 Quadratmeter Wald, gerodet werden. Im Westen des Industriegebiets handelt es sich um eine Fläche von rund 7400 Quadratmetern, davon etwa 2600 Quadratmeter Wald. Außerdem sollen Kleingehölze entlang des Obermühlpfads und die Baumreihe zwischen Obermühlpfad und angrenzenden Wiesenflächen entfernt werden. Der betroffene Waldbestand besteht nach Angaben der Verwaltung überwiegend aus Kiefern. Entlang des Obermühlpfads seien zudem Eichen und Pappeln von den Rodungen betroffen.

Ausgleichspflanzungen im Bereich Ganerb

Als Ausgleichsmaßnahme sei eine Ersatzaufforstung im Bereich Ganerb auf einer Fläche von 7000 Quadratmetern vorgesehen. Die Umweltabteilung der Gemeinde plane dies bereits. Die Fläche sei durch einen Geländetausch ins Eigentum der Gemeinde übergegangen.

Errichtet werden soll eine „Käferpyramide“ aus Totholz. Dafür wird laut Verwaltung ausschließlich Holz aus Eichen verwendet, da diese Baumart bevorzugt von Totholzkäfern, insbesondere von seltenen und gefährdeten Arten, besiedelt werden. Der genaue Standort der Pyramide stehe noch nicht fest. Geplant sei, sie auf einer Lichtung innerhalb des Waldbestands in räumlicher Nähe zum Rodungsbereich zu errichten. Der Standort soll in Zusammenarbeit mit dem Revierleiter und der ökologischen Baubegleitung ausgewählt werden. Die Verwaltung weist darauf hin, dass die Errichtung der „Käferpyramide“ keine Ausgleichsmaßnahme darstelle, die aufgrund zu erwartender Beeinträchtigungen erforderlich sei. Vielmehr sei die Totholzpyramide als „zusätzliche Maßnahme anzusehen, die über das Ausgleichserfordernis hinausgeht und aus Gründen der Umweltvorsorge durchgeführt wird“.

Hirschkäfer-Vorkommen geprüft

Nicht vollständig ausgeschlossen werden könne ein Vorkommen des stark gefährdeten Hirschkäfers in der Nähe des Vorhabens, beantwortet die Verwaltung eine entsprechende Frage. Für die Erstellung der Umweltunterlagen des Projekts habe das Institut für Umweltstudien Weibel & Ness (Kandel) vier Begehungen zur Erfassung möglicher Vorkommen des Hirschkäfers unternommen. Dabei hätten weder fliegende Tiere noch Hinweise auf ein Vorkommen festgestellt werden können. Aufgrund des vorherrschenden Waldkieferbestandes in den angrenzenden Waldgebieten sei nur eine geringe Eignung für den Hirschkäfer gegeben.

Die Gemeinde unternehme alle notwendigen Schritte, um die Rodungsarbeiten effizient und umweltverträglich durchzuführen. „Wir sind uns der ökologischen Verantwortung bewusst und bemühen uns, die Auswirkungen auf die Natur so gering wie möglich zu halten“, so die Verwaltung.

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