Neustadt „Damit kann man richtig arbeiten“

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Rheinpfalz-Sommerinterview (5 und Schluss): Ein lockeres Gespräch – nicht drinnen im Konferenzraum, sondern draußen in der freien Natur. Dazu haben wir uns Interviewpartner für die Sommerferien ausgesucht. Heute ist es der neue CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Herber. Weshalb es auch um Mainz und Flughäfen geht.

Herr Herber, Hand aufs Herz, auch wenn Sie mich jetzt hassen: Ein ganz klein wenig an Gewicht zugelegt haben Sie seit Ihrer Vereidigung ...

(lacht) Ja. Zu wenig Sport oder zu viele Termine mit Häppchen? Eher zu wenig Sport. Aber das kommt wieder. Kurz vor unserem Treffen hier im Garten vom „Theater“ war ich noch auf Ihrer Homepage. Da stehen echt viel Termine. Gehen Sie überall hin? Termine, die auf meiner Homepage stehen, stehen auch genau so in meinem Terminkalender. Da bin ich dann tatsächlich, da kann man mich treffen. Es ist also nicht wie auf Facebook, wo gerne steht „Ich komme“, dann aber statt 30.000 Menschen nur drei da sind. Aber bei Facebook sind Sie auch ? Ja, da bin ich auch aktiv. Ist das heutzutage Pflicht für einen Landtagsabgeordneten? Ich war schon vorher mit einer privaten Seite auf Facebook aktiv. Und im Wahlkampf natürlich, weil man da ganz schnell viele Leute erreicht. Das ersetzt zwar nicht die echten Kontakte, ist aber unverzichtbar. Als „digital native“ fühlen Sie sich mit Ihren 36 Jahren nicht? Wohl eher als „digital immigrant“. Nein, mein erstes Handy hatte ich mit 19. Und das war ein altes von meinem Vater. Ein Riesenteil! Wie ist es denn jetzt nach drei Monaten im Landtag? Stressfreier als während des Wahlkampfs? Es ist anders, weil man sich wieder neu organisieren muss. Stressfreier nur insofern, als ich während des Wahlkampfs noch gearbeitet habe. Schichtarbeit plus Wahlkampf, da ist man zum Teil schon an seine Grenzen gekommen. Dafür muss ich mich jetzt in neue Aufgabengebiete hineinfinden. Weniger ist es also nicht, nur anders. Aber alles, was einem Spaß macht, ist keine Arbeit. Für diesen Satz dürfen Sie jetzt fünf Euro in die „Sprüche-Wutz“ werfen ... Okay. Aber ich empfinde das wirklich so. Auch das Amt des Ortsvorstehers war noch nie Stress für mich. Auch nicht während der Debatte um den geplanten Windpark Mußbach? Nervig vielleicht ab und zu, aber nicht so, dass ich mich je gefragt habe, warum ich das eigentlich mache. Bekommt es Ihre Familie auch gut hin, dass Sie seit Neuestem keine Schicht mehr arbeiten müssen? Klar, denn wir mussten uns eben schon immer etwas anders organisieren. Das gilt auch jetzt wieder, wo ich zwar keine Schichtdienst mehr habe, aber eben auch keinen reinen „Tagsüber-Job“. Aber ich denke, das bekommen wir ganz gut hin. Der Landtag hat gerade sechs Wochen Sommerpause. Können Sie so zum ersten Mal sechs Wochen am Stück Ferien machen? Bei der Polizei hatte ich mir meist vier Wochen am Stück genommen. Aber dann waren die auch wirklich frei. Sechs Wochen Landtagsferien heißt ja nur, dass ich nicht nach Mainz muss. Dafür bin ich so viel wie möglich im Wahlkreis unterwegs, und ich habe aber auch außerhalb Antrittsbesuche und mehr angesetzt. Neue Themen, Menschen, Wege kennenlernen, sozusagen. Eine Arbeitsprobe bitte. Da ich der sport- und jugendpolitische Sprecher der CDU-Fraktion bin, war ich zum Beispiel in Koblenz beim Landessportbund. Aber in Koblenz waren Sie vorher schon mal? (lacht) Selbstverständlich. Sport- und jugendpolitischer Sprecher ist auch so Ihr Ding? Ich denke, das ist was Cooles, ja. Damit kann man richtig arbeiten. Liegt das am Alter, dass Sie das wurden? Oder haben Sie bei der Polizei viel Sport gemacht? Das weiß ich nicht. Mein Amtsvorgänger Guido Ernst hatte mich ins Spiel gebracht. Sie sind in zwei Landtagsausschüssen vertreten, der Innenausschuss ist nicht dabei. Enttäuscht? Schließlich war Ihr Wahlkampf von Sicherheit und Polizei geprägt. Beim Innenausschuss gab es nun mal viele Abgeordnete, die ältere Rechte hatten als ich. Dafür bin ich stellvertretendes Mitglied im Innenausschuss. Und es ist ausgemacht, dass dann, wenn dort Polizeithemen anstehen oder sport- und jugendpolitische, ich automatisch vertrete. Aus meiner Sicht ist das eine sehr, sehr gute Lösung. Ist es in Mainz auch ansonsten so, wie Sie es sich erwartet haben? Ja. Oder doch nein, eigentlich gar nicht. Denn ich hatte Bedenken, dass nicht so viele klore Leute da oben in der Fraktion sitzen. Daher bin ich noch positiver überrascht. Die CDU-Fraktion hat aber auch allen Grund, gut drauf zu sein ... Das hätten wir, wenn wir die Wahl gewonnen hätten. Klar, trotzdem hat vermutlich keine Opposition so schnell ein Misstrauensvotum gestellt, Stichwort missglückter Verkauf Flughafen Hahn... Also ich sehe jetzt nicht unbedingt, dass das ein Grund für gute Laune ist. Auch wenn es für mich als Einsteiger sicher spannend zu arbeiten ist, wenn man gleich mit solchen Instrumenten konfrontiert wird. Gefällt Ihnen denn die Stadt Mainz? Ich weiß jetzt nicht, ob Sie vorher schon mal dort waren. Eigentlich nie, außer ab und zu bei der Bereitschaftspolizei in Hechtsheim. Aber ich habe festgestellt, dass es dort schöne Fleckchen gibt. Also eingelebt? Naja, ich pendle ja, weil ich einfach furchtbar gern zu Hause bin. Das Schrankbett im Mainzer Abgeordnetenbüro nutze ich nur, wenn es wirklich mal sein muss. Ansonsten habe ich mir das Zugfahren angewöhnt, das ich vorher gehasst habe! Allerdings waren die Ziele da auch Schule oder Betzenberg ... Was macht eigentlich Maja, Ihr früherer Diensthund? Baja, bitte. Maja ist die ehemalige Mußbacher Weinprinzessin. Baja ist bei uns in der Familie auf dem Altenteil, als vierter Hund. Vermissen Sie Ihren Polizistenberuf? Ich vermisse das, was ich bei meiner Bewerbung für die Polizei werden wollte: ein richtiger Schutzmann zu sein. Das ist aber heutzutage ohnehin schwierig. Zumindest haben Sie im Innenausschuss nach wie vor mit dem Polizeithema zu tun. Gab es da schon was? Als es um den CDU-Antrag ging, Polizisten mit „Elektroschockgeräten“, also Tasern, auszustatten. Sind sich das SPD-geführte Innenministerium und die CDU dabei näher gewesen als die Regierungsampel, bei der ja die Grünen vertreten sind? Die Grünen waren verhalten, auch wenn der Landtag einmütig die Prüfung beschlossen hat. Das Ministerium war auf jeden Fall dafür, es hatte positive Signale gegeben. Ist das mit der Ampel so ähnlich wie mit Jamaika im Stadtrat Neustadt? (lacht). Na gut, statt einer Antwort dürfen oder müssen Sie mich jetzt etwas fragen... Was mich wirklich interessieren würde: Schreiben Sie eigentlich im Kopf immer mit, selbst wenn Sie privat unterwegs sind? Leider ja. Außer wenn ich in Begleitung einer Weinschorle bin.

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