Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Da ist Musik drin: Sechs große Orchesterkonzerte bietet die städtische Abo-Saison, die im September im Saalbau startet

Els Biesemans ist die Solistin beim ersten Saisonkonzert und bringt einen Original-Hammerflügel der Schumann-Zeit mit.
Els Biesemans ist die Solistin beim ersten Saisonkonzert und bringt einen Original-Hammerflügel der Schumann-Zeit mit.

Aber auch bei dem, was darüber hinaus noch in der Spielzeit 2025/26 musikalisch geboten wird, hat die Kulturabteilung nicht gekleckert.

Viermal Orchester, zweimal Kammermusik – das ist eigentlich seit Jahren die eingespielte Verteilung bei den sechs Saison-Terminen der städtischen Abo-Reihe „Konzerte“. Dass es diesmal anders kommt, liegt an zwei Kooperationen, die – am Gelde hängt letztlich auch hier eben alles – für mehr Spielraum im Budget sorgen. Orchester seien in der Regel teurer als Ensembles, aber dafür meist auch zugkräftiger beim Klassik-Publikum, sagt Fritz Burkhardt, der die Stadt beim Konzert-Programm berät. Deshalb ist es gut, wenn auch noch aus anderen Töpfen Mittel zufließen.

Beim Auftaktkonzert am 2. September, der ersten der beiden erwähnten Kooperationen, wechselt der Schulmusiker und Orchesterleiter allerdings gleichsam die Seiten und ist selbst als Akteur auf der Bühne des Saalbaus zu erleben: als Geiger und Leiter des von ihm 1989 selbst mitbegründeten „Ensembles 1800“, einem freien, professionellen Kammerorchester, das sich auf die historisch informierte Aufführungspraxis spezialisiert hat und vor allem Werke aus Barock und Klassik im Repertoire hat. Bei diesem Konzert, das zugleich das Alte-Musik-Festival „Neustadter Herbst“ eröffnet, verschiebt man die Grenze nun aber deutlich in die Romantik. Ausflüge in romantische Gefilde hat es beim „Ensemble 1800“ zwar auch in der Vergangenheit schon gegeben, noch nie allerdings wagte man sich auf der Zeitachse so weit ins 19. Jahrhundert vor wie jetzt bei Robert Schumann Klavierkonzert a-Moll op. 54, das Anfang der 1840er Jahre entstand und 1845 uraufgeführt wurde. Solistin bei diesem Konzert ist die belgische Pianistin Els Biesemans, die schon beim Neustadter Herbst 2023 für ihre Interpretation von Mozarts d-Moll-Konzert vom Publikum gefeiert wurde. Diesmal spielt sie auf einem Original-Hammerflügel der Schumann-Zeit, der ihr von einem Sammler aus Weinheim zur Verfügung gestellt und extra für dieses Konzert neu besaitet und befedert wurde. Das zweite Werk des Abends ist Franz Schuberts große Sinfonie Nr. 8 in C-Dur, die – hier schließt sich der Kreis – einige Jahre nach Schuberts Tod von Robert Schumann wiederentdeckt worden war.

Zur Abwechslung mal ein Solist, der kein Musiker ist

Das zweite Konzert der Reihe steht dann im November an und bringt eine Wiederbegegnung mit den Stuttgarter Philharmonikern, die sich hier ganz dem wohl berühmtesten Liebespaar der Literaturgeschichte widmen: Romeo und Julia. Zu hören sind die Musik zu Sergej Prokofjews gleichnamigem Ballett sowie zur „West Side Story“, Leonard Bernsteins Musical, das Shakespeares Handlung in das New York der 1950er Jahre überträgt. Am Pult steht der junge israelisch-amerikanische Dirigent Yoel Gamzou. Als Solist ist ausnahmsweise kein Musiker, sondern ein Wortkünstler zu erleben: der Stuttgarter Autor und Poetry-Slammer Timo Brunke, der hier als „Konzertpoet“ mit eigenen Texten eine Schneise durch das Dickicht der nicht eben leicht verständlichen Handlung des Balletts schlagen soll. Das sei auch sehr sinnvoll, findet Fritz Burkhardt, „denn man weiß ja eigentlich nicht, was da passiert“.

Danach geht es mit der Abo-Konzertreihe erst im Februar weiter: Die Rheinische Philharmonie aus Koblenz präsentiert dann ein rein französisches Programm mit Werken der drei wohl bedeutendsten französischen Komponisten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Solistin bei Jacques Iberts hochvirtuosem Flötenkonzert ist die südkoreanische Flötistin Jasmine Choi. Außerdem werden geboten: Claude Debussys „Ibéria“, ein dreisätziges Orchesterwerk, das die Geschäftigkeit einer spanischen Kleinstadt nachzeichnet, sowie von Maurice Ravel „La Valse“ und der berühmte „Boléro“. Die Leitung hat die Polin Marzena Diakun, die im Mai dem in Neustadt von zahlreichen Gastauftritten gut bekannten Benjamin Shwartz als Chefdirigentin der Koblenzer nachfolgte.

Ein Wiedersehen mit Raphaela Gromes

„Wo bleibt die Staatsphilharmonie?“, mag sich manche(r) an dieser Stelle schon fragen. Keine Sorge: Das rheinland-pfälzische Vorzeigeorchester aus Ludwigshafen kommt in der Reihe spät, aber dafür bei gleich zwei Konzerten hintereinander zum Zuge. Beim ersten Mitte März ist die dann vielleicht mit etwas Glück gerade volljährige Chinesin Yinqi Wang als Solistin bei Mozarts Klavierkonzert KV 488 zu erleben. Das Wunderkind, geboren 2008 in Baoding, vielfache Preisträgerin internationaler Wettbewerbe und aktuell Jungstudentin in der Klasse von Anna Malikova an der Musikhochschule Wien, hat sich den Platz an der Seite der Staatsphilharmonie diesen Mai als Siegerin der „Gradus Mainz International Piano Academy“ in der Landesmusikakademie Schloss Engers erspielt. Eröffnet wird der Abend durch die 1903 entstandene Helios-Ouvertüre op. 17 des Dänen Carl Nielsen. Nach der Pause erklingt dann noch die „Lemminkäinen Suite“ von Jean Sibelius, die auf dem finnischen Nationalepos „Kelava“ basiert. Die Leitung hat George Pehlivanian, der langjährige erste Gastdirigent der Ludwigshafener.

Deren zweites Saison-Gastspiel folgt zwei Monate später und bringt erneut die wahrscheinlich beste deutsche Cellistin überhaupt nach Neustadt: Raphaela Gromes, die erst diesen Januar im Saalbau an der Seite der Stuttgarter Philharmoniker bei Schumanns Cellokonzert a-Moll bewies, was für eine grandiose Musikerin sie ist, wartet hier mit einem Stück auf, dass sicher nicht jeder auf dem Zettel hat: einem Cellokonzert der 1878 in Köln geborenen Komponistin und Pianistin Maria Herz, die in den 1920er Jahren recht präsent auf deutschen Konzertpodien und im damals neuen Massenmedium Rundfunk war, als Jüdin aber 1935 zuerst nach England und dann in die USA fliehen musste, wo sie in Vergessenheit geriet. Raphaela Gromes, zu deren Markenzeichen die (Wieder-) Entdeckung verschütteter musikalischer Traditionen gehört, bemüht sich nun um eine Rekanonisierung. Eine solche hat das zweite Werk des Abends ganz sicher nicht nötig: Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 1 mit dem Beinamen „Titan“ ist ein Schlüsselwerk seines Œuvres, das seine späteren deutlich experimentelleren Sinfonien vorbereitet und heute zu den beliebtesten und meistgespielten Werken der klassischen Konzertliteratur gehört. Dirigent bei diesem Konzert ist der Österreicher Julian Rachlin.

Während die bis hierhin genannten Orchester in Neustadt alle keine Unbekannten sind, kommt die Staatskapelle Halle, die Ende Mai den Saisonabschluss markiert, zum ersten Mal an die Weinstraße. Dieses Konzert ist eine Kooperationsveranstaltung mit dem Neustadter Demokratiefest und der von dem aus Neustadt stammenden Pianisten Joseph Moog vor einigen Jahren begründeten Orchesterkonzert-Reihe im Saalbau. Moog selbst spielt Beethovens Klavierkonzert Nr. 5, Es-Dur, op. 73, die Staatskapelle aus Sachsen-Anhalt, die 2006 aus dem Zusammenschluss des Philharmonischen Staatsorchesters Halle und des Händelfestspielorchester (HFO), dem Orchester des Hallenser Opernhauses, hervorging, bringt die 5. Sinfonie des Wiener Klassikers zu Gehör. Es dirigiert Andreas Wolf.

Bei den Sonderkonzerten wird diesmal so richtig geklotzt

Doch damit ist das städtische Musikangebot in Neustadt noch längst nicht auserzählt: Ungewöhnlich reichhaltig fällt in der neuen Saison die Kategorie der Sonderkonzerte aus. „Wir haben zugeschlagen“, lacht Heike Hinkelmann, die Leiterin der Kulturabteilung, und zählt eine beeindruckende Liste auf, die am 20. September mit einem Bläser-Sextett des Landespolizeiorchesters an ungewohnter Stelle – im Neustadter Eisenbahnmuseum – beginnt, aber zum Beispiel auch ein Anime- sowie ein Filmmusikkonzert bietet. Die beiden Letzteren werden ebenfalls von der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz bestritten, die damit zusammen mit dem traditionellen Silvesterkonzert und den beiden Terminen der Abo-Reihe auf nicht weniger als fünf Neustadt-Gastspiele binnen eines Jahres kommt. Zählt man noch das Vormittagskonzert am 29. Dezember um 11 Uhr hinzu, sind es sogar sechs.

Mit dem sinfonischen Märchen „Heart of Ice“, einem Orchesterwerk des vor allem durch Soundtracks für Computergames wie „Final Fantasy“ bekannten Japaners Nobuo Uematsu, soll natürlich vor allem junges Publikum angezogen werden, das im übrigen sehr gerne in Cosplay-Kostümen erscheinen darf. Die Uraufführung dieses Stücks fand 2024 in Ludwigshafen statt. Die RHEINPFALZ-Rezension beschrieb es damals als „ein spannendes Abenteuer mit viel Dramatik und einem fulminanten Kampf um Menschlichkeit“. Die Geschichte von Frauke Angel, die von dem Animationskünstler Julien Chheng illustriert wurde, erzählt von Kjugo, einem fröhlichen Holzroboter, der sich auf eine abenteuerliche Reise in das Reich des ewigen Frosts begibt, um seinen Schöpfer Nuobi zu finden.

Die Neustadter Volkshochschule bietet dazu im Vorfeld einen Cosplay-Schneider-Workshop an.

Neustadt wird zum Partner von „Enjoy Jazz“

Klar, dass dann beim klassischen Kinderkonzert im Februar schon auch mal ein anderes Orchester zum Einsatz kommen sollte: Es ist daher diesmal die Pfalzphilharmonie Kaiserslautern, das Orchester des Pfalztheaters, die in zwei Aufführungen um 9 Uhr und 11 Uhr Prokofjews „Peter und der Wolf“ aufführt.

Ganz besonders stolz ist Heike Hinkelmann natürlich, dass es gelungen ist, mit zwei Konzerten im Herbst zum Partner von Enjoy Jazz zu werden, einem der führenden Jazzfestivals weltweit: Das erste mit der Gruppe „Loco Cello“ um den französischen Cellisten François Salque findet am 9. Oktober im Festsaal des Hambacher Schlosses statt, das zweite mit dem armenischen Pianisten Tigran Hamasyan und seinem Trio am 3. November (um 20 Uhr) im Saalbau.

Stellt man dann noch in Rechnung, dass auch die Tanzreihe „Neustadt Moves“ wieder mit drei Terminen am Start ist, es auch noch Reihen wie die „Kurpfalzkonzerte“ und die „Treppenhauskonzerte“ im Herrenhof in Mußbach gibt und darüber hinaus auch die Schauspielreihe mit der „Dreigroschenoper“ und dem Struwwelpeter-Musical „Shockheaded Peter“ diesmal recht wohltönend daherkommt – dann kann man nur sagen: Da ist Musik drin!

Die Konzertsaison 2025/26

Dienstag, 2. September: „Ensemble 1800“ und Els Biesemans am Hammerflügel spielen Schubert und Schumann

Donnerstag; 13. November: Stuttgarter Philharmoniker spielen „Romeo und Julia“-Programm mit Musik von Prokofjew und Bernstein sowie dem Konzertpoeten Timo Brunke

Dienstag, 10. Februar 2026: Staatsorchester Rheinische Philharmonie spielt „Musikalische Freigeister“ mit Werken von Debussy, Ibert und Ravel, Solistin: Jasmine Choi (Flöte)

Donnerstag, 12. März: Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und Yinqi Wang (Klavier) spielen Werke von Nielsen, Mozart und Sibelius

Donnerstag, 7. Mai: Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und Raphaela Gromes (Cello) spielen Maria Herz und Mahler

Donnerstag, 28. Mai: Staatskapelle Halle und Joseph Moog spielen Beethoven

Die Sonderkonzerte

Samstag, 20. September: Combo des Landespolizeiorchesters Rheinland-Pfalz spielt im Eisenbahnmuseum

Donnerstag, 9. Oktober: „Loco Cello Trio“ bei „Enjoy Jazz“ im Hambacher Schloss

Montag, 3. November: Pianist Tigran Hamasyan und sein Trio bei „Enjoy Jazz“

Donnerstag, 6. November: Musikkorps der Bundeswehr

Donnerstag, 11. Dezember: Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz: „Merregnon – Heart of Ice“, Anime-Konzert

Montag, 29. Dezember: Silvesterkonzert der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz (auch um 11 Uhr)

Donnerstag, 5. Februar 2026: „Peter und der Wolf“, Kinderkonzert mit der Pfalzphilharmonie aus Kaiserslautern

Freitag, 1. Mai: „Cinema in Concert“, Filmmusikklassiker mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

Noch Fragen?

Alle Konzerte finden (sofern nicht anders angegeben) im Saalbau in Neustadt statt und beginnen um 19.30 Uhr. Einführungen mit Fritz Burkhardt gibt es bei den sechs Konzerten der Abo-Reihe jeweils um 18.45 Uhr im Beethoven-Saal. Die Zeichnungsphase für den Abo-Verkauf läuft noch bis 31. Juli unter 06321/8551404, kultur@neustadt.eu oder über das Online-Formular auf www.neustadt.eu/Abo-Informationen. Einzelkarten (sowie die Kulturkarten 4/6/8, die ein Switchen zwischen den Abo-Reihen und Angeboten ermöglichen) sind jedoch ebenfalls schon zu haben unter www.ticket-regional.de, 0651 9790777 und bei allen Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen (in Neustadt etwa Tabak Dürninger).

Cellistin Raphaela Gromes lädt im Mai zu einer musikalischen Wieder-Entdeckung.
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Die Staatsphilharmonie kommt im Dezember mit dem Anime-Konzert „Heart of Ice“.
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Premiere im Neustadt: Pianist Joseph Moog bringt zum Saisonabschluss erstmals die Staatskapelle Halle an die Weinstraße.
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