Neustadt „Da haben wir wieder unser Auswärtsgesicht gezeigt“

Leutershausen (scma). „Das war kein schöner Abend für mich“, kommentierte Admir Kalabic, Trainer der TSG Haßloch, den Auftritt seines Handball-Teams bei der SG Leutershausen. Mit 22:35 verlor der abstiegsbedrohte Drittligist bei der SGL (wir berichteten am Samstag).
Nach einer guten Anfangsphase sah es zunächst zwar so aus, als könnte die TSG an einem Punktgewinn schnuppern. Der schwache zweite Abschnitt machte diese Hoffnungen jedoch zunichte. „Da haben wir wieder unser Auswärtsgesicht gezeigt“, ärgerte sich auch Kreisläufer Sebastian Bösing, der keine Erklärung für die zweite Hälfte parat hatte: „Wenn wir wüssten, woran es liegt, würden wir es abstellen.“ Sein Coach blieb dennoch locker, scherzte bereits vor dem Trainergespräch: „Auf geht’s, machen wir’s kurz und schmerzlos.“ Die Enttäuschung konnten die Pfälzer kaum verstecken, auch wenn der ehemalige Leutershausener Peter Masica dem Spiel keine allzu große Relevanz zukommen lässt. „Diese Punkte waren nicht eingeplant“, so der slowakische Nationalspieler, der sich auch an einer Erklärung versuchte: „Vielleicht war es das Freitagsspiel nach einer harten Trainingswoche – aber eigentlich haben wir genug Kondition.“ Durch die Niederlage Kornwestheims gegen den anderen Hirschberger Verein aus Großsachsen bleibt die TSG auf einem Nichtabstiegsplatz, Kalabic zeigt sich, auf den spannenden Abstiegskampf angesprochen, gelassen: „Natürlich schaffen wir das.“ Dieses Selbstvertrauen kommt nicht zuletzt durch Auftritte wie den in der ersten Viertelstunde. Haßloch präsentierte sich stark. „Das war keine einfache Aufgabe“, bestätigt SGL-Coach Marc Nagel. Mit schnellem Handball bot der Aufsteiger dem Titelverteidiger Paroli. „Wenn wir es schnell gemacht haben, fehlte bei Leutershausen die Orientierung, das war eine gute erste Halbzeit“, so Bösing zu den Ansätzen. Auch Masica lobt die Anfangsphase: „Wir haben recht gut angefangen.“ Kalabic, der gerade aus diesen ersten Minuten Mut schöpfen kann, sieht es wie seine Spieler. „In den ersten 20 bis 22 Minuten haben wir keinen schlechten Handball gespielt“, so der Übungsleiter: „Wir waren bissig in der Abwehr, schnell nach vorne – haben unsere Torabschlüsse auch zu Toren ummünzen können.“ Dann allerdings lahmte das TSG-Spiel. „Es gab viele Strafzeiten, daher ist kein Spielfluss mehr aufgekommen“, sieht Masica den Grund für die schwächer werdende Leistung. In der Tat gab es in den letzten acht Minuten ganze acht Strafzeiten – vier auf beiden Seiten. An ein Aufeinandertreffen von jeweils sechs Feldspielern, das die Regeln eigentlich vorsehen, war nicht mehr zu denken. Mit der Dezimierung kamen die Bergsträßer besser zurecht als die Pfälzer. So ging es mit einem 14:17-Defizit aus TSG-Sicht in die Pause. „Unsere Vorgabe war es, beide Halbzeiten mit drei Treffern zu gewinnen“, war Nagel trotz der hohen Anzahl an Gegentoren zufrieden. Den zweiten Abschnitt fasste Bösing mit dem einzig treffenden Wort zusammen: „Unerklärlich.“ Man habe zwei, drei Fehler gemacht und dann völlig den Faden verloren. Sein Trainer pflichtete dem bei: „Wir haben in der Pause alles vergessen, was wir davor gut gemacht haben.“ Sein Gegenüber hatte dagegen Grund zur Freude. Der junge Keeper Moritz Mangold, den er nach der Pause ins Tor stellte, brachte Haßloch zum Verzweifeln. „In Halbzeit zwei haben wir viel mehr richtig gemacht“, ist sich der Coach der „Roten Teufel“ sicher. Vorne gelangen den Rothemden 18 Tore, die Gegenwehr der Gäste bröckelte jedoch. Mangold hielt nahezu alles, was auf seinen Kasten flog. Nach 25 Minuten stand sein Gegentor-Konto weiterhin bei drei. „Das ist ein Rohdiamant“, erklärte auch der Sportliche Leiter der SGL, Holger Löhr. Der ehemalige Nationalspieler weiß, wie wichtig es ist, diesem Diamanten in aller Ruhe den richtigen Schliff zu verpassen: „Moritz muss ganz behutsam aufgebaut werden.“ Auch dank Mangold spricht das 35:22 für Leutershausen Bände. „Man hat gemerkt, dass Haßloch die Punkte bei anderen Gegnern holen muss“, so Nagel zur Situation der Pfälzer. „Dennoch hoffe ich, dass Haßloch in der Liga bleibt – Derbys sind einfach die schöneren Spiele.“