Neustadt Da haben sie den Salat

Deidesheim. Im Boulevardtheater Deidesheim drängelten sich die Kinder am Sonntag vor der Premiere des neuen Märchenstücks „Rapunzel mit ihren Eltern um die besten Plätze nahe der Bühne. Ein herrschaftlicher Stuhl mit Holzschnitzerei steht an der Seite. Und kaum sitzen alle, kommt schon Schauspieler Swen Richter um die Ecke.
Er war im Märchenwald, wo er viele, schöne Sachen aus der Märchenwelt aufgesammelt hat. Nacheinander zieht er sie aus seinem Sack und lässt die Kinder raten, wozu wohl beispielsweise die rote Zipfelmütze gehört. „Des isn Zwerg“, ruft es aus den vorderen Reihen, und das nächste Kind schreit entsetzt, er solle den Apfel nicht essen, weil „der bestimmt Gift dran hat“. Schließlich handelt es sich um die Utensilien aus „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Weitere Raterunden folgen. Ein Brüller wird der Kuchen vom Rotkäppchen, denn Richter mampft und redet und hustet und spuckt, was einige Kinder wohl an die stets eingeforderten Tischmanieren zuhause erinnert. Cool, wenn da mal ein Erwachsener so rumferkelt. Als Richter fertig gekaut hat, kommt er zum eigentlichen Thema „Rapunzel“. Wandelbar nimmt er als Märchenerzähler auf dem Stuhl Platz, um kurz darauf der Vater Rapunzels (Eva Berlejung, die auch den Text schrieb und Regie führte) zu werden. Ein Ehepaar, das lange auf Kinder gewartet hat, bekommt endlich eine Tochter. Doch als die Frau schwanger ist, hat sie mehrfach unglaublich Lust auf den saftigen Feldsalat, auch Rapunzel genannt, den sie im Garten der Nachbarin sieht. Ihr Mann stiehlt ihr den Salat und wird erwischt. Die Nachbarin (Bertlinde Fiedler-Stamm), die eine Zauberin ist, bestraft das Ehepaar, indem sie ihm im Gegenzug auch etwas „Gehegtes und Gepflegtes“ wegnimmt, nämlich ihr neugeborenes Kind. Die Hexe nennt das kleine Mädchen Rapunzel und verwöhnt es sehr. Frei sein darf es allerdings nicht. Sie schließt es in einem Turm ein, den nur sie selbst über Rapunzels langes Haar erklettern kann, das das Mädchen auf Zuruf herunterlassen muss. Diesen Ruf „Rapunzel, Rapunzel lass dein Haar herunter“, hört eines Tages ein junger, fescher Prinz (Marc Zech). Er testet den Ruf, und weil Rapunzel prompt nichtsahnend ihr beeindruckendes Blondhaar abseilt, besucht er das zunächst entsetzte Mädchen. „Abber klar kommt der widder, der is doch verliebt“, ruft ein Kind Rapunzel unter dem begeisterten Gelächter der Erwachsenen beruhigend zu, als die sich fragt, ob sie den knackigen jungen Mann wohl wiedersehen wird. Kurz darauf werden die beiden erwischt, und der Prinz hat mit seinem kleinen Holzschwert nichts mehr zu lachen. Zech legt enorme Spielfreude an den Tag, reizt die Lachmuskeln als überdreht-luschiger Weicheiprinz, der sein Schwert bisher nur im Kampf gegen seinen Schatten und Schmetterlinge erhoben hat. Er wird verhext, kann nicht mehr richtig sehen. Doch da es ein Märchen mit Happy End ist, kann Rapunzel ihren Geliebten retten. Nicht nur den Kindern, auch den Eltern hat die Aufführung offensichtlich viel Spaß gemacht. So gipfelt alles darin, dass die Kinder mit ihren Lutschergeschenken die Bühne stürmen. Termine Wie Rapunzel ihren Prinzen rettet, das zeigt das Boulevardtheater Deidesheim erneut am 6., 13. und 27. Dezember jeweils um 11 Uhr. Karten bei Brillen-Bott in Deidesheim, unter 0176-84799779 und unter www.reservix.de. (aew)