Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Coronavirus: Verantwortliche des Neustadter Testcenters kritisieren fehlende Unterstützung

Nahe des Telekom-Hochhauses liegt das Testcenter für Corona-Verdachtsfälle.
Nahe des Telekom-Hochhauses liegt das Testcenter für Corona-Verdachtsfälle.

Das Testcenter für Corona-Verdachtsfälle in Neustadt hat seinen zweiten Tag hinter sich. Weitere solcher Stationen sollen landesweit folgen. Aber die Verantwortlichen in Neustadt fühlen sich im Stich gelassen. Im Mittelpunkt der Kritik steht die Kassenärztliche Vereinigung.

Von 16 bis 20 Uhr war das neue Testcenter der Stadt Neustadt und des Gesundheitsamts des Landkreises Bad Dürkheim am Montag geöffnet. Rund 150 Telefonate wurden gezählt, 50 Rachenabstriche wurden gemacht. Die Autokennzeichen der Betroffenen waren nicht nur NW und DÜW, auch Karlsruhe, Kaiserslautern oder Südliche Weinstraße waren darunter.

In Neustadt war am Sonntag das landesweit erste Testcenter dieser Art wegen der Corona-Krise eröffnet. Damit wollen Stadt und Gesundheitsamt, unterstützt vom Landkreis Bad Dürkheim, das Hetzelstift und die Arztpraxen entlasten. Doch Oberbürgermeister Marc Weigel war nach der zweiten Lagebesprechung am Montag gegen 22.30 Uhr schlichtweg frustriert: Die Verantwortlichen vor Ort fühlen sind von den übergeordneten Stellen allein gelassen, vorneweg von der Kassenärztlichen Vereinigung.

Testcenter keine Arztpraxis

Das System, wie das Testcenter funktionieren soll, ist klar. Bürger aus Neustadt und dem Kreis Bad Dürkheim, die in Sorge sind, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, oder nicht sicher sind, wie sie sich am besten verhalten, sollen zuerst ihren Hausarzt anrufen oder aber die allgemeine Nummer 116117, den Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung. Bei diesem Erstgespräch wird die Lage abgeklärt und bei Bedarf an das Testcenter im alten Aldi-Gebäude in der Speyerdorfer Straße weiterverbunden.

Dort übernimmt ein Mediziner die fachliche Beratung am Telefon. Er entscheidet, ob der Betroffene für einen Rachenabstrich vorbeikommen soll oder nicht. Das bedeutet: Das Testcenter ist keine Arztpraxis. Dort wird niemand untersucht oder behandelt, es werden auch keine Rezepte ausgestellt. Nach dem Abstrich dauert es derzeit zwei bis drei Tage, bis das Ergebnis vorliegt. Bis dahin ist häusliche Quarantäne Pflicht.

Ehrenamtlicher Einsatz

In Neustadt hat die Stadt zusammen mit Feuerwehr, Katastrophenschutz und Technischem Hilfswerk das Testcenter eingerichtet – alles läuft dankt ehrenamtlicher Arbeit. „Aber wir müssen improvisieren, wir stehen relativ alleine da“, merkte der Oberbürgermeister am Montagabend kritisch an. Das Gesundheitsamt übernehme jetzt die Koordination für Stadt und Kreis, unterstützt von beiden Verwaltungen.

Jetzt alle Ärzte gefragt

Da kein eigenes medizinisches Personal vorhanden ist, sollen jetzt alle niedergelassenen Ärzte gefragt werden, ob sie bereit sind, sozusagen Schichten im Testcenter zu übernehmen. Ansonsten sei der Andrang nicht zu bewältigen, erklärte Weigel. Darüber hinaus hat sich die Leitung am Montagabend darauf verständigt, keine Betroffenen aus anderen Kommunen mehr anzunehmen, sondern nur Menschen aus Stadt und Landkreis. Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld zufolge wird überlegt, auch in Bad Dürkheim und Grünstadt jeweils ein Testcenter einzurichten.

Am allermeisten im Stich gelassen fühlen sich der Oberbürgermeister und sein Team von der Kassenärztlichen Vereinigung. Diese habe sich bisher nicht gemeldet. „Wir bekommen keinen Kontakt“, sagte Weigel und vermutete, dass eigene Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung die Ursache sind. Demnach will sie mobile Stationen einrichten, von denen aus Hausbesuche bei Betroffenen unternommen werden. Doch die Praktiker vor Ort, so Weigel, könnten über diese Idee nur den Kopf schütteln.

Wer übernimmt die Kosten?

Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium in Mainz sei zwar nicht abgetaucht, sagte Weigel weiter. Indes seien viele Fragen einfach nicht geklärt, von den Kosten bis zur Organisation. Dabei seien schon Kollegen aus anderen Kommunen, Beispiel Landau und Germersheim, in die Speyerdorfer Straße gekommen, um sich zu informieren. Auch sie brauchten ein Testcenter, um die Lage zu verbessern.

Wieder von 16 bis 20 Uhr

Am Dienstag ist das Testcenter wieder von 16 bis 20 Uhr besetzt. Die Leitung entscheidet jeweils abends über die Zeiten – wenn auch klar ist, wer die Dienste übernehmen kann. Wie der Sprecher der Abschnittsleitung Gesundheit, Benny Benker, am Sonntagabend berichtet hatte, könnten am Telefon viele Sorgen zerstreut werden. Daher sie es wichtig, dass ein Mediziner mit den Anrufern spreche, dieses System sollte deshalb beibehalten werden.

In Neustadt gibt es bislang einen bestätigten Corona-Fall. Betroffen ist ein BASF-Mitarbeiter aus der Forschung. Er und seine Familie stehen unter Quarantäne, ebenso seine direkten Kollegen.

Der Erstfragebogen, den Menschen ausfüllen müssen, wenn sie zum Test in die Speyerdorfer Straße kommen.
Der Erstfragebogen, den Menschen ausfüllen müssen, wenn sie zum Test in die Speyerdorfer Straße kommen.
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