Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Bundesradsporttreffen: Camping am Flugplatz in Lachen-Speyerdorf

Wolfgang Gregor, Helmut Servatius und Jürgen Werker aus Köln campen in Lachen-Speyerdorf. Foto: sab
Wolfgang Gregor, Helmut Servatius und Jürgen Werker aus Köln campen in Lachen-Speyerdorf.

Bundesradsporttreffen 2019: Neustadt hat zwar keinen offiziellen Campingplatz. Und doch campen derzeit viele Teilnehmer am Bundesradsportreffen neben dem Flugplatz in Lachen-Speyerdorf auf dem Gelände des Flugsportvereins. Allerdings wären manche lieber näher am Start-Ziel-Bereich.

Neustadt. Es ist voll auf dem Gelände des Flugsportvereins Neustadt. Wohnmobile, Wohnwagen, Zelte reihen sich dicht aneinander. Und trotz der vielen Menschen dort, immerhin um die 100 Mobile und Anhänger stehen in Lachen-Speyerdorf, ist es fast still am Flugplatz. „Uns gefällt es hier gut“, berichtet ein Paar aus Recklinghausen. Am Samstag hätten sie den Fallschirmspringern und Segelfliegern zugeschaut. „Es ist sehr angenehm hier.“ Die beiden sind gerade dabei, in einer großen Schüssel ihre verschwitzen Radklamotten zu waschen. „Da stampfe ich gleich darauf herum und habe dann kalte Füße“, sagt die Recklinghausenerin lachend und gewinnt so dem Wäschewaschen bei der Hitze auch etwas Positives ab.

100 Camper seien hier gemeldet. Es gebe drei Duschen für die Frauen und vier für die Männer, berichtet ein Ehepaar aus Nürnberg. „Wir haben hier, was wir brauchen“, erzählt Petra. „Es ist unglaublich ruhig“, ergänzt ihr Mann Helmut und spricht gar von Tiefenentspannung. Und es wehe stets ein leichter Wind. Wie viele andere Camper auch, kochen die Nürnberger nach ihren Radtouren nicht selbst, sondern essen auswärts: „Heute gehen wir mal zum Italiener. Wir waren auch schon in der Stadt. Es passt alles.“

„Leider sind kleine Geschäfte zu“

Doch auszugehen, scheint in diesen Tagen zumindest in Lachen-Speyerdorf gar nicht so einfach. „Leider sind fast alle kleinen Geschäfte zu, auch die Weinstube ist zu. Es sind wohl alle im Urlaub“, bemerkt Petra. Sie und ihr Mann fügen hinzu, dass es am Flugplatz zwar sehr schön sei, „aber wir sind hier weit weg vom Start-Ziel-Bereich“. Auch das Paar aus Recklinghausen stellt fest: „Wir sind ein bisschen weit weg hier.“ Hätte man den Campern nicht die Lehrerparkplätze am Schulzentrum Böbig, wo Start und Ziel seien, sowie Toiletten und Duschen der Schulen zur Verfügung stellen können?, fragen sich die Nürnberger. „Dann hätte man auch mal zu Fuß zum Essen in die Stadt gehen können.“ Die Stadt brauche sich nicht zu beklagen, dass sie nichts von den Campern habe. Die Neustadter Stadtverwaltung konnte sich dazu am Mittwoch nicht äußern.

„Es ist ruhig, es ist abgelegen, es ist gut“, stellen drei Radsportler aus Köln und Umgebung fest. Sie sind mit Wohnwagen und Wohnmobil angereist. „Es ist ja ein provisorischer Campingplatz“, fügen sie hinzu. Die Toiletten seien einfach, „aber da muss man nichts Schlimmes erwarten“. Im Gegenteil. Am Sonntag sei mal eine Toilette verstopft gewesen, berichten die Camper aus Nürnberg. Bis Montag sei dies behoben gewesen. Als am Dienstag das Toilettenpapier zu Neige gegangen sei und die Mülltonnen voll gewesen seien, sei dies bis zum nächsten Tag erledigt gewesen, freut sich der Neustadter Franz Hieber, Organisator des Bundesradsporttreffens, dass der Flugsportverein den Campern sein Gelände zur Verfügung stellt.

„Es ist alles zu gebrauchen“

Die beiden Recklinghausener betonen ebenfalls, dass die sanitären Anlagen keine „Fünf-Sterne-Luxus-Anlagen“ seien. „Aber es ist alles zu gebrauchen.“ Jeder schaue zudem, dass er Dusche, Waschbecken und Toilette sauber hinterlasse. „Aber eine Kneipe fehlt hier“, stellen sie bedauernd fest.

„120 Euro pro Wohnmobil oder Wohnwagen“ zahlten sie pro Woche, erzählen die Männer aus Köln. „Das ist fast nichts.“ Es sei mehr ein symbolischer Wert. Auch sie haben ihre Radklamotten mit einer Handwäsche gereinigt. Die Kleidung trocknet auf einem Wäscheständer. „Man braucht fast keine Toilette mehr – das landet fast alles als Schweiß in der Kleidung“, nimmt der 77-jährige Wolfgang Gregor aus Köln die Hitze mit Humor. Am Dienstag habe er nur die 100-Kilometer-Tour geplant. Dann habe er unterwegs am Göllheimer Häuschen einen anderen Radsportler getroffen, mit dem er vor 25 Jahren den Supercup gefahren sei. „Ich habe mit ihm gebabbelt und prompt die Streckenteilung verpasst“, gesteht der 77-Jährige schmunzelnd. So sei er auf der 150-Kilometer-Strecke gelandet, was bei der Hitze aber grenzwertig gewesen sei.

Die drei Männer waschen zwar ihre Kleidung, aber ihr Abendessen bereiten sie nicht selbst zu, sondern gehen aus. „Da ist ein Restaurant auf der anderen Seite des Flugplatzes“, erzählen sie begeistert. Welcher Camper wo auf dem Gelände steht, war jedem selbst überlassen. Als sie angekommen seien, so die Kölner, hätten sie Franz Hieber angerufen. „Stellt euch hin, wo Platz ist“, sei die Antwort des Organisators gewesen.

Überhaupt Hieber und seine Helferschar. „Man muss die Ehrenamtlichen bewundern, was die alles auf die Beine stellen“, sagt die Nürnbergerin. Wolfgang Gregor pflichtet ihr bei, lobt die am Dienstag kurzfristig eingerichtete Getränkeverpflegung vor dem Anstieg zur Lindemannsruhe: „Das hat er sehr, sehr gut gemacht.“

Bergzeitfahren wegen Hitze abgesagt

Wegen der Hitze ist das für Donnerstagabend geplante Bergzeitfahren hinauf zum Hambacher Schloss innerhalb des Bundesradsporttreffens in Neustadt abgesagt worden, informiert Organisator Franz Hieber. Wer will, kann am Donnerstag aber trotzdem mit dem Rad fahren – drei Touren stehen ab 7 Uhr mit Start und Ziel am Schulzentrum Böbig zur Auswahl: Die Fahrer werden „zwischen Wald und Reben“ unterwegs sein auf 112 Kilometern und 1350 Höhenmetern mit Anstieg zur Kalmit, dem höchsten Berg im Pfälzerwald, auf 91 Kilometern und 760 Höhenmetern oder auf 50 Kilometern mit 320 Höhenmetern. Kurzentschlossene können sich noch anmelden. Für die Radwanderer ist die Tour hitzebedingt abgeändert worden. Zwar fahren sie wie geplant um 9 Uhr ab Böbig nach Speyer, aber sowohl hin als auch zurück durch den Wald. „Wer will, kann mit dem Zug zurückfahren“, sagt Tourguide Manfred Klohr (TV Mußbach). Es werde unterwegs einige Trinkpausen geben.

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